Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG bewilligt 10 Mio. Mark zur Entwicklung neuer biotechnologischer Verfahren an der TU Braunschweig

01.06.2001


Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat in seiner Frühjahrsitzung am 29. und 30. Mai in Bonn die Einrichtung eines neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) an der Technischen Universität bewilligt. Durch den neuen SFB mit dem Titel »Integration gen- und verfahrenstechnischer Methoden zur Entwicklung biotechnologischer Prozesse - Vom Gen zum anwendungsreifen Produkt« werden in den nächsten drei Jahren rund zehn Millionen Mark für Forschung und Wissenschaft an die TU Braunschweig fließen.


Im Mittelpunkt des SFB stehen die Entwicklung und Herstellung von pharmazeutisch aktiven Produkten mithilfe molekularbiologischer und verfahrenstechnischer Prozesse. »Der Sonderforschungsbereich mit seinen zwölf Teilprojekten führt molekularbiologisches, mikrobiologisches, biotechnologisches und biochemisches sowie verfahrenstechnisches Wissen interdisziplinär zusammen. Dieser ganzheitliche Ansatz ist in der universitären Forschung so noch nie realisiert worden,« so der Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs, Prof. Dr.-Ing. Dietmar C. Hempel, Leiter des Instituts für Bioverfahrenstechnik und derzeitiger Dekan des Fachbereichs Maschinenbau.

Im Zentrum der Forschungsarbeiten stehen ausgewählte biologische Produkte (Proteine), die pharmazeutisch wirksam sind und deren Gewinnung bisher aufwendig und teuer ist. Ziel ist es, diese Proteine von ihrer zellulären Entstehung bis hin zum aufbereiteten Produkt zu untersuchen. Die Forscher wollen insbesondere verstehen, wie biologische, biochemische und verfahrenstechnische Vorgänge miteinander in Wechselwirkung treten.


Zunächst werden die Braunschweiger die Produktion von Knochenwachstumsfaktoren betrachten, die künftig zum Beispiel bei der Heilung von Knochenbrüchen oder in der Osteoporose eine große therapeutische Bedeutung erlangen werden. Weiterhin ist die Produktion neuer Enzyme, so genannter Glycosyltransferasen, vorgesehen. Sie können neuartige Zucker synthetisieren, die gesundheitsfördernde beziehungsweise vorbeugende Wirkungen bei Kreislauferkrankungen und der Krebsentstehung aufweisen. Auch in der Dermatologie oder in der Kosmetik finden sie zunehmend Verwendung.

Diese beiden Forschungsobjekte stellen dabei Modellsysteme dar: Die Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, werden dann auf andere interessante biologische Systeme übertragbar sein. Insgesamt sollen die Arbeiten dazu beitragen, die Produktion biologisch produzierter Pharmazeutika im technischen Maßstab zu verbessern und ein tieferes Verständnis der Grundlagen zu erzielen.

Hempel: »Braunschweig ist dafür der optimale Forschungsstandort. Hier können die Einzelprojekte räumlich nahe bearbeitet werden. Die beteiligten Arbeitsgruppen finden im 1988 errichteten Biozentrum ideale Voraussetzungen zur kooperativen Zusammenarbeit.«

Kern des neuen Sonderforschungsbereichs bildet ein Team fächerübergreifend denkender Arbeitsgruppen, die schon in der von 1994 bis 2000 tätigen DFG-Forschergruppe »Biologische Prozesse mit dispersen Feststoffen« an der TU Braunschweig erfolgreich miteinander kooperierten. Verstärkt wird die Forschungskompetenz durch vier Arbeitsgruppen der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung mbH, Braunschweig und durch zwei Magdeburger Arbeitsgruppen der Universität und der Fachhochschule.

Auch in der Lehre wird der neue Sonderforschungsbereich das Leben an der TU Braunschweig bereichern. Schon 1987 wurden hier die Studiengänge Biotechnologie und Bioverfahrenstechnik eingerichtet. Damit wurde schon sehr früh neuen technischen Entwicklungen in den Lebenswissenschaften und der damit verbundenen Forderung nach Vernetzung natur- und ingenieurwissenschaftlicher Fachrichtungen verstärkt Rechnung getragen. Seit dem Wintersemester 2000/2001 wird der neue interdisziplinäre Studiengang Bioingenieurwesen innerhalb des Fachbereichs Maschinenbau angeboten. Die TU Braunschweig bietet somit als einzige Universität Deutschlands den Studierenden je nach Neigung einen auf die jeweiligen Studienbedürfnisse optimal abgestimmten Einstieg in ein angewandtes biowissenschaftliches Berufsfeld an.
Insgesamt werden durch die Bereitstellung der Forschungsgelder in den nächsten drei Jahren 22 wissenschaftliche sowie sechs nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter die Möglichkeit haben, ihre Arbeiten und Kenntnisse auf dem Gebiet der interdisziplinären Forschung zur Entwicklung biotechnologischer Prozesse zu vertiefen. Die Arbeiten im Sonderforschungsbereich werden bereits am 1. Juli 2001 beginnen.

Ulrike Rolf | idw

Weitere Berichte zu: Biotechnologie Bioverfahrenstechnik DFG Maschinenbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise