Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Röntgendosis kann erheblich gesenkt werden - Jenaer Radiologe erhält renommierten Forschungspreis

10.05.2001


Die Strahlendosis bei Röntgenuntersuchungen kann bis zu 85 Prozent reduziert werden. Das ergaben Untersuchungen des Jenaer Oberarztes Dr. Jens-Peter Heyne vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Friedrich-Schiller-Universität. Er wird für seine Arbeit "Reduktion der Strahlenexposition mittels Speicherfolienradiographie" mit der höchsten Auszeichnung der deutschen Strahlenmedizin, dem Hanns-Langendorff-Preis ausgezeichnet.

Heyne erhält die Ehrung im Rahmen der 42. wissenschaftlichen Jahrestagung der Vereinigung Deutscher Strahlenschutzärzte, die am 11. und 12. Mai in Jena stattfindet.

Bei Speicherfolien handelt es sich um digitale Medien, die den klassischen Röntgenfilm in der Radiologie zunehmend ersetzen. Heyne ist in seiner Arbeit der Frage nachgegangen, ob und wieweit die Dosis bei diesem Verfahren generell und in Abhängigkeit von der zu untersuchenden Fragestellung gesenkt werden kann, ohne die Qualität und diagnostische Aussagekraft der Röntgenaufnahme zu beeinträchtigen.

Bei seinen Studien an verschiedenen naturgetreuen Knochenphantomen und anatomischen Objekten kam der Jenaer Radiologe zu dem Ergebnis, dass bei Schädelaufnahmen die Röntgendosis auf mindestens 56 % des bisher applizierten Wertes gesenkt werden kann, bei Handaufnahmen auf 52 %, bei Untersuchungen des Beckens auf mindestens 78 bis 50 % und beim Röntgen der Lendenwirbelsäule auf 44 bis 26 %. Zur Stellungskontrolle nach einem Knochenbruch z. B. reichten sogar 15 bis 23 Prozent der bisher verwendeten Strahlendosis.

"Eine geringere Strahlendosis führte beim konventionellen Röntgen zwangsläufig zu einer unterbelichteten, nicht verwertbaren Aufnahme", erläutert Heyne. "Die digitale Aufnahme liefert dagegen durch die Optimierung der Grauwertzuteilung praktisch immer ein verwertbares Bild. Senkt man die Dosis, steigt sukzessive das Bildrauschen an." In vielen Fällen, so der Mediziner, könne man dieses Rauschen aber durchaus tolerieren, solange es eine eindeutige Diagnose zu lasse.

Er fertigte von seinen Studienobjekten zahlreiche Aufnahmeserien an und reduzierte dabei schrittweise die Strahlendosis. Die Röntgenbilder ließ er dann von fünf Röntgenärzten unabhängig voneinander begutachten, die eine Einschätzung abgaben, ab welcher Dosis die Bildqualität zu schlecht für die Beurteilbarkeit der Aufnahmen bzw. Beantwortung der Fragestellung war. So konnte er konkrete niedrigere Belichtungswerte ableiten.

"Diese Einschätzung hängt natürlich von der Erfahrung des Untersuchers mit dosisgeminderten Röntgenaufnahmen ab", gibt Heyne zu bedenken. Außerdem müsse man die Dosis bei bestimmten Aufnahmen auch auf die Patientendicke individuell einstellen. Grundsätzlich habe er aber gezeigt, dass in jedem Fall eine erhebliche Reduktion der Strahlenexposition möglich sei.

Am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität wird die Speicherfolienradiographie bereits seit einigen Jahren genutzt. Bei dem Verfahren wird eine Speicherfolie mit Röntgenstrahlen belichtet, digital ausgelesen, gelöscht und wiederverwendet. Das Bild erscheint auf einem Monitor und kann im Bedarfsfall auf einen Laserfilm ausgedruckt werden. Derzeit wird am Universitätsklinikum Jena noch mit diesen Filmen gearbeitet, aber nach und nach sollen die Stationen mit Monitoren ausgestattet werden, an denen die behandelnden Ärzte sich Röntgenaufnahmen über das Kliniknetzwerk ansehen können.

Noch wird in der Praxis nicht mit den von Heyne ermittelten niedrigeren Werten gearbeitet. "Das ist erst einmal ein völlig neuer Ansatz, dem weitere Untersuchungen folgen müssen", so der Röntgenspezialist. Aber da Strahlenmediziner verpflichtet sind, sich für den Strahlenschutz einzusetzen und mit so wenig Röntgenstrahlung wie nötig zu arbeiten, werde seine Idee auch in die Praxis Eingang finden, hofft Heyne. Dann können die Patienten weltweit mit weniger Dosis geröntgt werden.

Der Hanns-Langendorff-Preis wird von der Hanns-Langendorff-Stiftung in Verbindung mit der Vereinigung Deutscher Strahlenschutzärzte (VDSÄ) jährlich an jüngere Wissenschaftler verliehen, die sich durch eine umfassende und hervorragende Arbeit auf dem Gebiet des medizinischen Strahlenschutzes verdient gemacht haben. Diese Auszeichnung ist unter anderem dem Andenken des Mannes gewidmet, der durch seine Arbeiten der deutschen Strahlenbiologie zu hohem internationalen Ansehen verholfen hat. 1901 in Dresden geboren, studierte und arbeitete Hanns Langendorff u. a. sieben Jahre in Jena. Neben der strahlen-biologischen Forschung führte er die Strahlenschutzkurse für Ärzte in Deutschland ein und initiierte ganz wesentlich die Filmdosimetrie zur Überwachung beruflich Strahlenexponierter.

Die VDSÄ trifft sich vom 11. bis 12. Mai 2001 in Jena zu ihrer 42. wissenschaftlichen Jahrestagung. Auch in diesem Jahr stehen die Vorstellung und Vermittlung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse auf dem Gebiet des medizinischen Strahlenschutzes im Vordergrund. Tagungspräsident Prof. Dr. Dietmar Gottschild, Leiter der Abteilung Nuklearmedizin am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität, erwartet insgesamt ca. 70 Teilnehmer unterschiedlicher Fachdisziplinen.

Schwerpunkte des umfangreichen wissenschaftlichen Programms sind klinische Aspekte bei der Anwendung der Ganzkörperbestrahlung, der Einsatz von Strahlenschutzsubstanzen sowie die Ergebnisse zur Patienten-exposition bei der Diagnostik mit ionisierender Strahlung. Außerdem werden neue Ergebnisse zur biologischen Wirkung ionisierender Strahlung und deren Quantifizierung veröffentlicht.

Die praxisnahe Weiterbildung der Strahlenschutzärzte nimmt traditionell einen festen Platz im Programm der Jahrestagung ein. In einem speziellen Seminar werden dazu Erfahrungen auf den Gebieten Strahlenschutz-Untersuchungen und Arbeitsplatzanalysen vorgestellt.

Ansprechpartner:
OA Dr. Jens-Peter Heyne


Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Telefon: 03641/ 933219
E-Mail: Jens-Peter.Heyne@med.uni-jena.de

Tagungspräsident Prof. Dietmar Gottschild


Klink für Radiologie
Tel.: 03641/933220
Fax: 933244
E-Mail: Dietmar.Gottschild@med.uni-jena.de

Susanne Liedtke
Friedrich Schiller Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel: 03641/ 93 10 40
Fax: 03641/ 93 10 42
E-Mail: Susanne.Liedtke@uni-jena.de

Susanne Liedtke |

Weitere Berichte zu: Radiologe Röntgendosis Strahlendosis Strahlenschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise