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BASF vergibt Innovationspreis 2001

17.05.2001


Zum achten Mal hat die BASF den Innovationspreis vergeben. Damit zeichnet das Unternehmen eigene Neuentwicklungen aus, die bereits erfolgreich umgesetzt wurden. In diesem Jahr geht der Preis an die Forscher und Entwickler dreier Projekte:

  • das 3-Liter-Haus, als Beispiel für eine wegweisende Altbausanierung, die energiesparendes, umweltschonendes und günstiges Wohnen ermöglicht,
  • Neopor®, eine neue Klasse von Dämmstoffen, sowie
  • das Clearfield® Produktionssystem, eine Kombination aus BASF-Pflanzenschutzmitteln gegen Unkräuter und Saatgutsorten, die gegen dieses Mittel resistent sind.

Die Preisträger erhalten jeweils 15 000 Mark für ihre innovative Leistung.


"In diesem Jahr prämieren wir wieder ausgewählte Projekte, die einen nachhaltigen Beitrag zum zukünftigen Geschäftserfolg der BASF leisten. Die Erfindungen oder Problemlösungen sind originell, wurden professionell in die Praxis umgesetzt und steigern nachhaltig den Gewinn des Unternehmens", sagte Dr. Stefan Marcinowski, Vorstandsmitglied der BASF und Sprecher der Forschung.

Originelle und profitable Ideen


Für das 3-Liter-Haus wurden fünf Mitarbeiter aus Ludwigshafen ausgezeichnet: Karl Arenz, Wolfgang Greifenhagen, Dr. Ekkehard Jahns, Dr. Andreas Kicherer sowie Karl-Heinz Schmitz. Sie haben im Ludwigshafener Brunckviertel, einer Siedlung mit Werkswohnungen direkt vor den Toren der BASF, einen Altbau nach neuestem Stand der Technik modernisiert. Der Jahresverbrauch an Heizöläquivalent liegt nach der Sanierung bei drei Litern pro Quadratmeter Wohnfläche. Damit sinkt der Jahresheizwärmebedarf gegenüber einem nicht sanierten Altbau um bis zu 90 Prozent. Der Clou des 3-Liter-Hauses sind die optimale Wärmedämmung durch neu entwickelte Baustoffe der BASF sowie ein ausgeklügeltes Lüftungssystem und die Brennstoffzelle, die Erdgas effizient und umweltfreundlich in Wärme und Strom umsetzt.

Innovationspreisträger Dr. Jürgen Fischer, Dr. Guiscard Glück, Dr. Klaus Hahn, Frieder Hohwiller und Dr. Dieter Naegele haben mit Neopor einen Dämmstoff auf den Markt gebracht, der im Vergleich zu herkömmlichen Produkten ein wesentlich höheres Wärmedämmvermögen aufweist: So schafft das neue Produkt die gleiche Dämmleistung wie der BASF-Klassiker Styropor® schon bei 50 Prozent geringerem Rohstoffeinsatz. Neopor basiert auf Polystyrol und enthält mikroskopisch kleine Grafitplättchen. Sie reflektieren die Wärmestrahlung und verbessern so die Dämmung.

Ein sechsköpfiges Team der BASF Corporation, USA, und der BASF Canada wurden für das Clearfield Produktionssystem ausgezeichnet: Dr. Barnett Bernstein, Bill Dunham, Scott Gaddis, Kaye Iftner, Dwight More und Dr. Robert Morrison. Das System ist eine Kombination aus Herbiziden, also Pflanzenschutz mitteln gegen Unkräuter, und Saatgut, das genau gegen diese Mittel unempfindlich ist. Die Saatgutsorten werden mit traditionellen Züchtungsmethoden gewonnen und nicht durch gentechnische Veränderungen. Mit dem Clearfield Produktionssstem verbessert die BASF ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt für herbizid-tolerante Systeme - und das ist eines der am schnellsten wachsenden Marktsegmente im Agrarbereich.

Neopor -- 3-Liter-Haus -- Clearfield Production System

Ein Haus voller Raffinessen

Nur drei Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr, gleichzeitig über 80 Prozent weniger Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) - im 3-Liter-Haus der BASF in Ludwigshafen geht diese Rechnung auf. Das hoch moderne Gebäude, auch "Haus der Zukunft" genannt, ist ein rundum modernisierter Altbau mit neun Wohneinheiten auf insgesamt 700 Quadratmetern. Mieter in einer 100 Quadratmeter-Wohnung zahlen nicht wie bisher 2 000 Mark jährlich für ihre Heizung, sondern unter 300 Mark im Jahr. Diese Form der Altbausanierung ist wirtschaftlich, sozial und ökologisch sinnvoll: Energie wird gespart, dadurch sinken die Heizkosten, und es werden weniger Schadstoffe ausgestoßen.

Das 3-Liter-Haus erscheint auf den ersten Blick wie ein ganz normales Gebäude, doch es steckt voller technischer Raffinessen. Die spezielle Wärmedämmung besteht aus dem Dämmstoff Neopor sowie einem neuen Innenputz. Ein Forscherteam des Kunststofflabors hat diesen Putz entwickelt, der zehn bis 25 Prozent Latentwärmespeicher in Form von Wachspartikeln enthält. Wird’s draußen zu heiß, schmilzt das Wachs und verbraucht dabei Wärme. Der Effekt: Innen bleibt es länger kühl. Damit das Wachs in Anstrichen oder Putz eingearbeitet werden kann, haben es die BASF-Forscher in Mikrokapseln "verpackt". Die Fenster im 3-Liter-Haus sind dreifach verglast und der Raum zwischen den Scheiben ist mit Edelgas gefüllt. Für zusätzlichen Wärmeschutz sorgen spezielle Kunststoffrahmen aus dem Werkstoff Vinidur®. Ein Luftaustauschsystem gewinnt außerdem 85 Prozent der Wärme aus der verbrauchten Luft zurück. Geheizt wird das 3-Liter-Haus unter anderem über eine Brennstoffzelle, die Erdgas effizient in Wärme umwandelt sowie Strom erzeugt und dabei nur sehr wenige Schadstoffe freisetzt.

Das Gesamtkonzept für das 3-Liter-Haus hat die LUWOGE, die Wohnungsbaugesellschaft der BASF, erstellt und das Projekt im Know-How-Verbund mit BASF-Experten und externen Partnern realisiert. Wolfgang Greifenhagen von der LUWOGE ist für die konzeptionelle Entwicklung und das Projektmanagement verantwortlich und Karl Arenz, ebenfalls von der Wohnungsbaugesellschaft, hat die technische Umsetzung koordiniert. Die Ökoeffizienz-Analyse für den Dämmstoff und die Brennstoffzelle wurde von Dr. Andreas Kicherer aus dem Bereich Umwelt, Arbeitssicherheit und Energie durchgeführt. Die Analyse beleuchtet Produkte und Verfahren von ökonomischer und ökologischer Seite. Mit im Team sind auch Dr. Ekkehard Jahns aus dem Kunststofflabor, verantwortlich für den Latentwärmespeicherputz, sowie Karl-Heinz Schmitz aus dem Bereich Styrol-Kunststoffe, der die Wärmedämmung mit Neopor umgesetzt hat. Die Bauarbeiten am 3-Liter-Haus haben im April 2000 begonnen und bereits ein Jahr später sind die ersten Mieter eingezogen.

Allein in Deutschland ist das Marktpotential für innovative Konzepte bei der Altbaumodernisierung erheblich: Mindestens 24 von 34 Millionen Altbauwohnungen sind aus Sicht der Energieversorgung sanierungsbedürftig. Das entspricht einem Bauvolumen von mindestens 816 Milliarden Mark. Mit ihrer Kompetenz in der Altbausanierung nimmt die BASF eine starke Position auf diesem lukrativen Markt ein. Derzeit erzielt das Unternehmen rund sechs Prozent seines Umsatzes mit der Bauindustrie und bietet innerhalb der Chemiebranche weltweit das breiteste Sortiment an.

Neopor dämmt mit Luft und Grafit

Der Unterschied zwischen dem bekannten Dämmstoff Styropor und der Neuentwicklung fällt sofort ins Auge: Neopor Platten sind nicht weiß, sondern silbrig-grau, und der Rohstoff liegt in Form von perlenartigen schwarzen Partikeln vor, die zu Schaumstoff verarbeitet werden. Wie bei Styropor beruht die Dämmleistung einerseits darauf, dass die eingeschlossene Luft die Wärme schlecht leitet. Ein weiterer Faktor bei der Dämmung ist die Wärmestrahlung: Sie konnte bisher nur durch Styropor mit einer hohen Rohdichte zurückgehalten werden. Das heißt, in den Platten sind die Zellwände dicker. Bei Neopor reflektieren kleine Grafitplättchen die Strahlung und machen die Platten nahezu strahlungsundurchlässig. Eine Neopor Platte kann bei gleicher Dichte um bis zu 20 Prozent dünner sein als eine Styropor Platte und dämmt trotzdem genauso gut. Daher ist der neue Schaumstoff besonders dort interessant, wo man keinen Platz für eine dicke Dämmschicht hat. Das gilt zum Beispiel bei Altbauten, wo eine Dämmung gar nicht eingeplant war oder bei der Innendämmung von Außenwänden, da mit dem neuen Material weniger Wohnfläche verloren geht.

Auch aus ökologischer Sicht ist es günstig, Neopor einzusetzen. Die Ökoeffizienz-Analyse einer Fassadendämmung hat gezeigt, dass Neopor auf der Kostenseite und auf der Seite der Umweltbelastungen weit vor alternativen Produkten liegt. Da man weniger Rohstoff für die gleiche Dämmleistung benötigt, können Kosten und Ressourcen gespart werden, und die Umwelt wird weniger belastet. Um zwei
Quadratmeter Neopor Platten der Dicke zehn Zentimeter herzustellen, benötigt man zum Beispiel zehn Liter Erdöl. Die selbe Dämmschicht spart in einem Zeitraum von 50 Jahren zirka 1 200 Liter Heizöl ein.

Pflanzen schützen und die Umwelt schonen

Damit Nutzpflanzen wie Mais, Weizen oder Reis hohe Erträge bringen, müssen sie gegen Unkräuter, Schadpilze und Schadinsekten geschützt werden. Landwirte behandeln die Kulturen mit unterschiedlichen Pflanzenschutzmitteln, die zu verschiedenen Zeiten aufgebracht werden müssen. Das kostet Zeit und Geld. Das Clearfield Produktionssystem bietet eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative: Das System ist eine Kombination aus Imidazolinon-Herbiziden und Saatgutsorten, die genau gegen diese Herbizid-Klassen resistent sind. Das Pflanzenschutzmittel wirkt, wenn es direkt mit dem Unkraut in Kontakt kommt und verhindert schon bei einmaligem Einsatz für die gesamte Vegetationsperiode, dass Unkräuter erneut keimen.

Zum Clearfield Produktionssystem gehören Herbizide auf der Basis von Imidazolinonen, die schon seit über zehn Jahren auf dem Markt sind. Sie werden vor allem beim Anbau von Sojabohnen, Erdnüssen und anderen Leguminosen eingesetzt, da diese Kulturen von Natur aus gegen die Mittel tolerant sind. Imidazolinone wirken aber auch gegen viele Unkräuter und andere Nutzpflanzen: Sie beeinflussen ein wichtiges Enzym, das für die Synthese einer komplexen Aminosäure verantwortlich ist.

Unkräuter können durch natürliche Mutationen Resistenzen gegen Herbizide ausbilden. Diese Eigenschaft von Pflanzen nutzen BASF-Forscher, um Saatgut herzustellen, das gegen Imidazolinone unempfindlich ist. Sie lösen Genmutationen in Zuchtpflanzen aus und kreuzen diese Pflanzen mehrmals miteinander. Die Forscher erhalten mit diesen traditionellen Züchtungsmethoden Tochtergenerationen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Bei manchen Pflanzen hat sich genau das Enzym verändert, auf das die Imidazolinone wirken. Damit ist die Pflanze unempfindlich gegen diese Substanzklasse geworden.

Seit 1999 wird die Kombination aus Saatgutlinien und maßgeschneiderten Herbizidprodukten weltweit unter dem Namen Clearfield Produktionssystem eingeführt. In Partnerschaften mit mehr als 100 Saatgutfirmen werden derzeit neue Clearfield-Saatgutlinien entwickelt und verkauft, vor allem für Weizen, Reis, Sonnenblumen und Raps. Die Gruppe der Imidazolinone besteht aus sechs verschiedenen Wirkstoffen. Damit kann die BASF kundengerechte Lösungen anbieten, die jeweils in einer bestimmten Kultur und Region typische Unkräuter bekämpfen. In den nächsten Jahren wird die BASF mehrere Clearfield Systeme auf den Markt bringen, die einen Jahresumsatz von etwa 300 Millionen Dollar erwirtschaften sollen.

Der Innovationspreis wurde am 16. Mai bei einem Treffen internationaler Führungskräfte der BASF in Wachenheim bei Ludwigshafen vergeben. Bei der Auszeichnung der Preisträger sagte Vorstandsmitglied Dr. Stefan Marcinowski:
"Die ausgezeichneten Projekte sind hervorragende Beispiele dafür, wie wir profitables Wachstum durch Innovation gestalten. Unsere Innovationspipeline ist gut gefüllt."

Die BASF ist ein transnationales Unternehmen der chemischen Industrie, das seinen Wert durch Wachstum und Innovation nachhaltig steigern will. Die BASF bietet ihren Kunden ein leistungsfähiges Sortiment, das hochveredelte Chemikalien, Kunststoffe, Farbstoffe und Pigmente, Dispersionen, Fahrzeug- und Industrielacke, Pflanzenschutzmittel sowie Feinchemikalien umfasst und bis zu Erdöl und Erdgas reicht. Die ausgeprägte Verbundstrategie ist eine besondere Stärke der BASF: Sie sichert Kostenführerschaft und somit langfristig entscheidende Wettbewerbsvorteile. Mit einem Umsatz von rund 36 Milliarden Euro und 103 000 Mitarbeitern im Jahr 2000 ist die BASF eines der weltweit führenden Chemieunternehmen. Die BASF richtet ihr Handeln am Leitbild der nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung, Sustainable Development, aus. Die BASF ist börsennotiert in Frankfurt (BAS), London (BFA) und New York (BF).

Kathrin Heidbrink |

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