Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DECHEMA-Preis für Prof. Dr. Wolfgang Wiechert

16.09.2008
Der DECHEMA-Preis 2008 der Max-Buchner-Forschungsstiftung wird in diesem Jahr an Prof. Dr. Wolfgang Wiechert verliehen. Prof. Wiechert ist Leiter des Lehrstuhls für Simulationstechnik am Fachbereich Maschinenbau und Sprecher des Forschungszentrums für Multidisziplinäre Analysen und Angewandte Systemoptimierung (FOMAAS) an der Universität Siegen.

Der Preis wird am 28. November im Rahmen eines Festkolloquiums durch den Vorsitzenden der DECHEMA, Dr. Alfred Oberholz (Vorstandsmitglied der Degussa-Evonik AG), überreicht.

Der im europäischen Raum ausgeschriebene Preis wird in diesem Jahr verliehen für "bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der Modellierung von Stoffwechselvorgängen, die zu einer quantitativen und experimentell gesicherten Beschreibung biologischer Systeme und ihrer industriellen Nutzung führen".

Präzise Messmethoden und eine mathematische Beschreibung der beobachteten Phänomene werden bis heute eher als ein Kennzeichen der Physik als ein Merkmal der Biologie betrachtet. Erst seit relativ kurzer Zeit wird in der biologischen Forschung an einem quantitativen Verständnis der stark vernetzten Abläufe im Inneren einer lebenden Zelle gearbeitet. Mit der Verfügbarkeit neuer Messmethoden, die in kurzer Zeit große Mengen an Daten über die Strukturen und Prozesse in einer Zelle liefern, rückt eine mathematische Beschreibung biologischer Systeme in den Bereich des Möglichen.

Ein neuer Zweig der Biologie - die Systembiologie - hat sich auf die Fahnen geschrieben, die komplexen Regulationsnetzwerke von Zellen aufzuklären. Da der Umgang mit komplexen, aus vielen verschiedenen miteinander wechselwirkenden Einzelteilen bestehenden Systemen eine klassische Ingenieurdomäne ist, wird verständlich, warum in diesem biologischen Arbeitsgebiet heute viele Systemwissenschaftler aus dem Ingenieurbereich anzutreffen sind.

Auch Prof. Wiechert befasst sich mit seiner Arbeitsgruppe seit nunmehr 15 Jahren mit der Vermessung und quantitativen Beschreibung biologischer Netzwerke. So war er maßgeblich beteiligt an der Entwicklung einer Methode zur Quantifizierung von Stoffflüssen in lebenden Zellen. Als Ergebnis einer Stoffflussanalyse wird sichtbar, wie die einzelne Zelle den aufgenommenen Nährstoff (meist Glukose) im Stoffwechsel umsetzt und für die Energiegewinnung oder den Aufbau der Zellmasse nutzt. Die Stoffflussanalyse wird heute weltweit als Werkzeug eingesetzt, um den Effekt genetischer Veränderungen im Zuge der Entwicklung biotechnologischer Produktionsstämme zu diagnostizieren.

Hinter der Methode verbirgt sich eine relativ komplizierte mathematische Theorie, die von Herrn Wiechert - als studiertem Mathematiker - mitentwickelt wurde. Stoffflüsse sind nämlich nur selten direkt messbar. Vielmehr muss die Information über die Flüsse in einem Stoffwechselnetzwerk indirekt beschafft werden, in dem man die Zelle mit einem Spurstoff in Form einer mit dem 13C-Kohlenstoffisotop markierten Glukose füttert und dann beobachtet, wie sich dieser Spurstoff über das Stoffwechselnetzwerk verteilt.

Mit der Messung der Stoffflüsse ist allerdings noch nicht geklärt, warum in einer Zelle gerade diese Flussverteilung vorliegt. Um mehr über die Regulationsnetzwerke einer Zelle zu erfahren, befasste sich die Siegener Gruppe mit der Auswertung so genannter Pulsexperimente. Dies ist ein Experiment, bei dem der Nährstoff Glukose nach einer Hungerphase schlagartig bereitgestellt wird. Zellen reagieren auf ein solches plötzliches Überangebot mit sich schnell verändernden Stoffflüssen in den biochemischen Netzwerken. Durch Auswertung dieser Daten auf der Grundlage von mathematischen Modellen konnten Aussagen über die Regulationsmechanismen abgeleitet werden.

Dieser Weg führt schrittweise zu einer quantitativen durch mathematische Modelle gestützten Sicht der Zelle. Diese wiederum dient dann wiederum den Ingenieuren als Grundlage für eine Bioprozessentwicklung.

Ein enger Kooperationspartner bei allen diesen Entwicklungen war in den vergangenen Jahren das Institut für Biotechnologie am Forschungszentrum Jülich. Vor kurzem erhielt Prof. Wiechert den Ruf auf die Direktorenstelle am IBT 2 (Nachfolge Prof. Wandrey). Damit erhält er die Chance, seine Arbeiten in Zukunft im großen Stil fortzusetzen. Wie bisher wird dabei die fachübergreifende Zusammenarbeit von experimentell arbeitenden Biologen und Systemwissenschaftler im Kontext großer multidisziplinärer Projekt im Mittelpunkt stehen.

Die Max-Buchner-Forschungsstiftung ist nach dem der DECHEMA (Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie e.V.) benannt. Sie wurde 1936 ins Leben gerufen und begründet die aktive Forschungsförderung der DECHEMA auf den Fachgebieten der Chemischen Technik, der Verfahrenstechnik, der Biotechnologie und des Umweltschutzes.

Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Kordula Lindner-Jarchow | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-siegen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Gesundes Altern: Neues EU-Projekt zur menschlichen Leber
23.08.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich
23.08.2017 | PFH Private Hochschule Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie