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Carl Bertelsmann-Preis 2008 geht nach Kanada

21.08.2008
Der mit 150.000 Euro dotierte Carl Bertelsmann-Preis 2008 geht in diesem Jahr nach Kanada. Ausgezeichnet wird die Schulbehörde von Toronto, der größten Stadt Kanadas mit der höchsten Einwanderung.

Der Toronto District School Board erhält die Anerken­nung für sein vorbildliches Engagement für Integration und faire Bildungschancen. In den mehr als 550 Schulen des Boards gelingt die Integration von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfa­milien in beispielhafter Weise.

Benachteiligte Schüler und Schulen in sozialen Brennpunkten wer­den besonders gefördert. Im Durchschnitt gibt es in Kanada keinen signifikanten Unterschied mehr in der Lernleistung zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund.

Basis für die Preisverleihung ist eine internationale Recherche der Bertelsmann Stiftung. Dabei hat sie Modelle identifiziert, die Kindern aus Zuwandererfamilien faire Bildungschancen im Schulsys­tem ermöglichen. Neben dem Sieger waren drei weitere Initiativen aus Großbritannien, Schweden und der Schweiz für den Carl Bertelsmann-Preis nominiert.

"Das Schulsystem in Toronto zeigt uns, welche Konsequenzen wir angesichts der Herausforde­rungen durch Globalisierung, Migration und demographischen Wandel ziehen müssen", sagte Dr. Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Bekanntgabe der Ergebnisse. "Auch Deutschland ist ein Einwanderungsland, hat aber daraus für sein Bildungssystem noch nicht alle notwendigen Lehren gezogen. Bei uns hängt der Bildungserfolg noch zu sehr an der sozialen und ethnischen Herkunft. Da können wir uns an einem Land wie Kanada und einer Stadt wie Toronto orientieren."

Überzeugt hat die Jury zum Carl Bertelsmann-Preis 2008 der umfassende, systemische Integrati­onsansatz der regionalen Schulbehörde in Toronto. Grundlage ist ein Leitbild für gleichberechtigte Teilhabe und Chancengleichheit ("Equity Foundation Statement"). Als einzige Schulbehörde Kana­das hat sie einen Verantwortlichen auf Leitungsebene für Fragen der Teilhabe eingesetzt. Der School Board hat ein Steuerungsinstrument entwickelt, das die Schulen in Stadtteilen mit er­schwerten Startbedingungen für Schüler besonders unterstützt. Individuelle Förderung im Unter­richt und durchgängige Sprachförderung sind Standards in den Schulen in Toronto. Curricula, Lernmethoden und Lehrerkollegien spiegeln die heterogene Zusammensetzung der Schülerschaft wider.

Herausragend ist die Zusammenarbeit der Schulen mit dem gesellschaftlichen Umfeld, mit Migrantenvereinigungen und den Eltern. So arbeiten in vielen Schulen "Integrationsberater". Der School Board hat im engen Austausch mit den Betroffenen innovative Maßnahmen entwickelt, um die Abbrecherquoten von Problemgruppen zu reduzieren. Der Toronto District School Board ver­fügt über ein umfassendes regionales Unterstützungsangebot für Schulen, das Lehrkräften und auch Eltern umfassende Qualifizierung bietet.

"Wir können vom Toronto District School Board vor allem lernen, dass die Grundlage jeder gelin­genden Integration die Wertschätzung von Vielfalt ist", sagte Meier. "Auch die systematische Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, um mit der Heterogenität produktiv umzugehen, müssen wir in Deutschland vorantreiben."

Mit dem diesjährigen Carl Bertelsmann-Preis will die Bertelsmann Stiftung verdeutlichen, dass das Bildungs- und Schulsystem in Deutschland integrativer werden muss, um die Herausforderungen der Migration und des demographischen Wandels zu meistern. "Es ist eine Frage der Fairness, dass Lern- und Lebenschancen in unserem Land nicht schicksalhaft durch die Herkunft entschie­den werden. Wir brauchen ein Bildungs- und Schulsystem, das Integration und Teilhabe ermöglicht und allen Kindern faire Chancen eröffnet", betonte Meier.

Die Preisverleihung findet am 4. September 2008 in Gütersloh statt. Die Festrede hält Staatsmi­nisterin Prof. Maria Böhmer. Die Bertelsmann Stiftung verleiht den Carl Bertelsmann-Preis seit 1988 jährlich. Damit zeichnet sie weltweit beispielhafte Lösungen für zentrale gesellschaftspoliti­sche Herausforderungen aus.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für das Gemeinwohl ein. Sie engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verständigung und fördert das friedliche Miteinan­der der Kulturen. Durch ihr gesellschaftliches Engagement will sie alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich ebenfalls für das Gemeinwohl einzusetzen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet ope­rativ und ist unabhängig vom Unternehmen sowie parteipolitisch neutral.

Rückfragen an:
Ulrich Kober,
Telefon: 0 52 41 / 81-81 598;
E-Mail: ulrich.kober@bertelsmann.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de
http://www.carl-bertelsmann-preis.de

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