Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eric Hobsbawm bekommt Bochumer Historikerpreis

10.07.2008
Eric Hobsbawm bekommt Bochumer Historikerpreis
Würdigung des Lebenswerkes des 91-jährigen unorthodoxen Marxisten
Preisverleihung für den deutenden britischen Sozialhistoriker im November

Eric Hobsbawm ist der diesjährige Preisträger des Bochumer Historikerpreises. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt das außergewöhnliche Lebenswerk des 91-jährigen britischen Sozialhistorikers.

Diese Entscheidung gab heute die Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets bekannt, die den Preis gemeinsam mit der Stadt Bochum, der Ruhr-Universität Bochum und der Stiftung der Sparkasse Bochum verleiht. Der diesjährige Historikerpreis wird anlässlich des 10. Stiftungsfestes der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets am 28. November 2008 in Bochum verliehen. Es ist das dritte Mal, das dieser Preis verliehen wird. Zuvor sind bereits Lutz Niethammer (2002) und Jürgen Kocka (2005) gewürdigt worden.

Pionier der empirischen historischen Forschung

... mehr zu:
»Historikerpreis

"Eric Hobsbawm ist auch international gesehen einer der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhunderts," begründete Prof. Klaus Tenfelde, der Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets die Wahl des Briten. Hobsbawm habe der Geschichtswissenschaft von den 1950er Jahren bis ins 21. Jahrhundert hinein wiederholt neue Impulse gegeben. So gehörte Hobsbawm zu den Pionieren der empirischen historischen Forschung auf dem Feld der Arbeitergeschichte. Früher als andere zeigte er schon 1959 Perspektiven einer Sozialgeschichte als "Geschichte von unten" auf.

Kosmopolitische Biografie

"Mit seinem Leben und Wirken hat er die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts als Zeitzeuge direkt erlebt und in seinem Schrifttum umfasst," heißt es in der Begründung der Stifter, die auf Hobsbawms kosmopolitischen Hintergrund verweisen. 1917 im ägyptischen Alexandria geboren, wuchs Hobsbawm mit jüdischen Wurzeln in Wien und Berlin auf. 1933 emigrierte er nach England, wo er in Cambridge das Studium der Geschichte aufnahm.

An der Universität, aber auch schon zuvor in Berlin, wurde er zum überzeugten Kommunisten. Die Mitgliedschaft in der KP Großbritanniens prägte fortan sein Werk, aber auch seine Karriere und seine Rezeption. Erst heute, rund 18 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, zeichnet sich eine vorurteilsfreie Würdigung Hobsbawms auch in Deutschland ab.

Unorthodoxer Marxist und sozialkritischer Historiker

Der Bochumer Historikerpreis setzt hier ein Zeichen. "Eric Hobsbawm ist einer jener unorthodoxen britischen Marxisten, die die Gesellschafts-Geschichte revolutioniert haben", erklären die Preisstifter und betonen zugleich, dass sich Hobsbawm nie habe von der Parteilinie vereinnahmen lassen. Vielmehr sei nun die Breite seines Blicks und die Reichweite seiner Deutungskraft anzuerkennen. Beides bewies Hobsbawm vor allem mit seiner vierteiligen Geschichte der bürgerlichen Moderne und ihren letztlich gescheiterten ideologischen Herausforderungen.

In "The Age of Revolution" (1962) und "The Age of Capital" (1975) beschrieb Hobsbawm den Sieg der bürgerlichen Gesellschaftsordnung über die traditionellen Ancien Regimes. "The Age of Empire" (1987) behandelte ihre Blüte und ihr beginnendes Verblühen; "The Age of Extremes" (1994) versuchte sich an einer Erklärung, warum die sozialistische Systemalternative, der sich Hobsbawm lebenslang mit unerschütterlicher Hoffnung verschrieben hatte, untergehen musste.

Frühere Preisträger: Niethammer und Kocka

Nach Lutz Niethammer im Jahr 2002 und Jürgen Kocka 2005 reiht sich mit Eric Hobsbawm nunmehr der dritte Historiker in die Riege der Träger des Bochumer Historikerpreises ein. Mit dem Preis werden alle drei Jahre herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialgeschichte gewürdigt, die national wie international hohe Aufmerksamkeit gefunden haben.

Für weitere Informationen:

Dr. Jürgen Mittag, Geschäftsführer Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets, Tel: 0234/32-26-920, E-Mail: juergen.mittag@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/
http://www.ruhr-uni-bochum.de/isb/

Weitere Berichte zu: Historikerpreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Wirtschaftspreis für Forschung in Gesundheitsökonomik
21.08.2017 | Joachim Herz Stiftung

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik