Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technik und Wirtschaft präsentieren selbst konstruierten Rennwagen

07.07.2008
Schon im vorangegangenen Jahr waren Studierende der Hochschule mit einem eigenen Rennwagen bei dem internationalen Wettbewerb "Formula Student Germany" vertreten, der Nachwuchsingenieuren unter realen Bedingungen Praxiserfahrung vermitteln möchte. Dabei konnte das Team der Hochschule Karlsruhe einen großen Erfolg verbuchen: Es belegte den dritten Platz unter den 15 Newcomern und Platz 15 unter allen 54 Teilnehmern.

50 Studierende der Fahrzeugtechnologie und 20 Studierende aus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften möchten dieses Ergebnis nun in diesem Jahr gerne noch toppen.

Für den Wettbewerb haben sich die Studierenden daher nicht darauf beschränkt, das Fahrzeug des Vorjahrs nur zu verbessern, sondern sie konstruierten und bauten einen völlig neuen Rennwagen, den sie am gestrigen Donnerstag, 3. Juli 2008, präsentieren konnten. Mit dem "F102" werden sie an der "Formula Student Germany 2008" mit abschließendem Rennen auf dem Hockenheimring teilnehmen.

Und auch hier galt es für das Team eine Hürde zu nehmen: Schon nach vier Minuten waren bei der Online-Anmeldung alle 64 Plätze vergeben, woraufhin die Organisatoren das Teilnehmerfeld auf 78 erweiterte. Erstmals wird das Team der Hochschule Karlsruhe anschließend auch auf der "Formula Student Italy" auf der Ferrari-Teststrecke in Modena vertreten sein.

Die Wettbewerbsaufgabe lautet, einen Prototypen für einen Rennwagen herzustellen, der für die Produktion in einer Kleinserie geeignet ist. Sieger des Wettbewerbs wird nicht der schnellste Wagen des Rennens, sondern das überzeugendste Fahrzeugkonzept, was ebenso Beschleunigungs- und Bremsleistung einschließt wie auch Design, Handling, Gewicht und kalkulierte Kosten.

Vor den eigentlichen Wettbewerben galt es daher für die Studierenden viele Einzelprojekte zu koordinieren. 50 Studierende der Fahrzeugtechnologie kümmerten sich um die technische Entwicklung und Organisation, während rund 20 Studierende aus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften die Wirtschaftlichkeitsberechnungen einer Serienfertigung, Controlling und die Marketingaktivitäten übernahmen. Dabei gab es so manche ingenieurspezifische Herausforderung zu meistern, wollte das aktuelle Team mit ihrem F102 den Rennboliden ihrer Vorgänger noch deutlich übertreffen. Der F102 ähnelt zwar von außen einem Formel 3-Rennwagen, zum Wettbewerb sind aber nur Motoren mit maximal 610 ccm zugelassen.

Trotzdem soll das Triebwerk die Charakterzüge eines Sportmotors aufweisen, also bei möglichst geringem Gewicht eine entsprechende Leistung entwickeln. Diesen Motor galt es dann in das Fahrzeug zu integrieren und mit Getriebe und Fahrwerk abzustimmen. Zum Einsatz kommt hier ein sehr sportlicher Motorradmotor mit einer Leistung von rund 80 PS - 12 PS mehr als im Vorgängermodell. Ebenso wurde das Luft-Ansaugsystem neu gestaltet und die Zahl der Bezininjektoren wurde auf acht verdoppelt. Ein ingenieurspezifisches Highlight ist zudem das Fahrgestell: Es wurde vollständig aus hochwertigem Flugzeug- und Raumfahrtaluminium gefertigt.

Bei möglichst hoher Verwindungssteifigkeit und geringem Eigengewicht verbessert sich so das Handling des Boliden, der sich Damit leichter und schneller durch die Kurven eines Rennparcours steuern lässt. Durch eine selbst entwickelte Trockensumpfschmierung des Getriebes konnte die Höhe der Ölwanne von 13 auf drei Zentimeter reduziert werden. Dadurch ließ sich auch der Motor niedriger einbauen und zusammen mit einer mehr liegenden Fahrerposition ergibt sich ein wesentlich niedrigerer Schwerpunkt des Fahrzeugs, was Straßenlage und Wendigkeit erhöht. Besonders stolz ist das Entwicklungsteam auch auf die Fahrzeugverkleidung, bei der die Negativform die aus Kunstholz gefräst und mit Kohlefasern laminiert wurde. Sie besteht aus fünf Teilen und kann in weniger als fünf Minuten vollständig abmontiert werden.

Das gesamte Fahrzeug wurde mit diesen technischen Verbesserungen wesentlich kompakter, beschleunigt von 0 auf 100 km/h in weniger als vier Sekunden und erreicht in Abhängigkeit von der Übersetzung eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 200 km/h. Und noch ein technischer Leckerbissen: Auch das Cockpit des Rennboliden wurde von den Studierenden in Eigenarbeit entwickelt und wird über selbst programmierte Microcontroller und selbstentworfene Platinen angesteuert.

Nach der heutigen Vorstellung des F102 warten die Studierenden nun auf den Wettbewerb mit anderen Teams im August am Hockenheimring. Aber schon jetzt herrscht trotz der gemeinsamen Anstrengungen beste Stimmung : "Mit der Teilnahme an diesem Konstruktionsprojekt konnten wir Theorie und Kenntnisse aus dem Studium direkt in die Praxis umsetzen", so Tihamer Vendeg, Student der Fahrzeugtechnologie im 8. Semester, "jeder von uns konnte seine Ideen und Fähigkeiten in das Projekt einbringen, lernten viel über den Automobilbau und erhielten zudem interessante Einblicke in kaufmännische und marketingbezogene Arbeitsfelder."

"Der ausgeprägte Praxisbezug ist einer der zentralen Pfeiler unseres Ausbildungskonzepts an der Hochschule", betont Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel, "und das Resultat der aktuellen Projektarbeit - ein selbst konstruierter und gebauter Rennwagen - ist auch ein Beleg dafür, wie schnell unsere Studierenden das erworbene Wissen in die Praxis umsetzen können."

Holger Gust | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-karlsruhe.de
http://www.highspeed-karlsruhe.de/
http://www.hs-karlsruhe.de/servlet/PB/menu/1074207/index.html

Weitere Berichte zu: Fahrzeugtechnologie Wirtschaftswissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Forschungspreis „Transformative Wissenschaft 2018“ ausgelobt
16.02.2018 | Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

nachricht Preis der DPG für superpräzisen 3-D-Laserdruck aus Karlsruhe
14.02.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics