Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Otto-Hahn-Medaille

18.06.2008
Die Nachwuchswissenschaftler Patrick Müller und Alexander Stein vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erhalten die Otto-Hahn-Medaille für das Jahr 2007.

Mit der Auszeichnung würdigt die Max-Planck-Gesellschaft jährlich herausragende wissenschaftliche Leistungen junger Forscher. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft am 25. Juni 2008 in Dresden statt. Überreicht wird der Preis durch Max-Planck-Präsident Prof. Peter Gruss.

Bis zu 40 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeichnet die Max-Planck-Gesellschaft jährlich mit der "Otto-Hahn-Medaille" aus. Der Preis ist mit 5000 € dotiert und bietet den Preisträgern auch die Möglichkeit, für ein Jahr ins Ausland zu wechseln. Dieses Jahr erhalten gleich zwei junge Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie die Otto-Hahn-Medaille. Dr. Patrick Müller wird für seine Forschung über ein Signalsystem der Zelle geehrt, das unter anderem bei frühen Entwicklungsprozessen eine wichtige Rolle spielt. Dr. Alexander Stein erhält die Auszeichnung für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Signalübertragung zwischen Nervenzellen.

Nach dem Studium der Molekularbiologie in Göttingen, Berkeley und New York promovierte Patrick Müller in der Arbeitsgruppe "JAK/STAT-Signalübertragung" von Dr. Martin Zeidler. Das von Müller untersuchte Signalsystem - JAK/STAT genannt - wird nicht nur während der Embryonalentwicklung benötigt. Es ist auch lebenswichtig, damit Blutzellen sich richtig ausbilden und das Immunsystem funktioniert. Ist das Signalsystem gestört, kann dies beim Menschen zu Leukämien oder Lymphomen führen.

Bei seiner von der Studienstiftung des deutschen Volkes geförderten Dissertationsarbeit machte sich Müller zunutze, dass dieser Signalweg von der Taufliege (Drosophila melanogaster) bis hin zum Menschen äußerst ähnlich ist. Als Untersuchungsobjekt bietet die Taufliege Wissenschaftlern große Vorteile: Für ihre Untersuchung gibt es ein großes Repertoire genetischer und molekularer Methoden.

Durch geschicktes Kombinieren dieser Methoden führte Müller erstmals im gesamten Erbgut der Fliege Rasterfahndungen nach Genen durch, die für diesen Signalweg bedeutsam sind. Durch seine Pionierarbeit konnte der Nachwuchswissenschaftler rund 100 Gene identifizieren, die dieses Signalübertragungssystem regulieren. Lernen lässt sich daraus jedoch nicht nur etwas über die Taufliege. Rund 60 dieser Gene übernehmen beim Menschen ganz ähnliche Funktionen.

Doch rufen Fehlfunktionen dieser Gene bei Fliege und Mensch auch die gleichen Erkrankungen hervor? Wie Müllers Arbeiten zeigen, könnte in der Tat die Fehlfunktion eines bestimmten Gens sowohl bei der Fliege als auch beim Menschen die Ursache von Blutzelltumoren sein. Müllers Ergebnisse könnten so zukünftig dazu beitragen, Erkrankungen, die auf Störungen dieses Signalsystems beruhen, besser zu diagnostizieren und zu behandeln.

Alexander Stein studierte Biochemie an der Freien Universität in Berlin und wechselte bereits zur Diplomarbeit an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Dort promovierte er Anfang 2008 bei Prof. Reinhard Jahn, Direktor der Abteilung "Neurobiologie". Stein untersuchte in seiner Dissertation, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren.

Signale werden zwischen Nervenzellen durch Botenstoffe übertragen, die von der Senderzelle abgegeben und von der Empfängerzelle erkannt werden. Im Zellinneren werden die Botenstoffe in winzigen membranumschlossenen Bläschen ("Vesikel") gespeichert. Soll ein Signal weitergegeben werden, verschmelzen die Vesikel mit der Zellmembran. Bei dieser Fusion werden die Botenstoffe freigesetzt und lösen in der empfangenden Zelle ein Signal aus. Der gesamte Vorgang ist äußerst schnell und dauert nur wenige 10.000stel Sekunden. Gesteuert wird dieser Prozess durch eine Erhöhung von Kalzium in der Nervenzelle.

Dem Nachwuchswissenschaftler gelang es, einzelne Reaktionsschritte der Membranfusion im Reagenzglas zu rekonstruieren. Er erhielt daraus wichtige neue Erkenntnisse, wie dieser Vorgang mit Hilfe bestimmter Proteine - sogenannter SNARES und Synaptotagmin - reguliert wird. Darüber hinaus gelang es Stein, die Rolle des Synaptotagmins bei der Membranfusion genauer aufzuklären. Mit seinen Experimenten konnte er seit Jahren bestehende Widersprüche in der Literatur auflösen. Die neuen Ergebnisse des jungen Forschers sind jedoch nicht nur für die Neurobiologie, sondern für die gesamte Zellbiologie von Bedeutung: Die Membranverschmelzung ist ein elementarer Vorgang, der bei vielen biologischen Vorgängen wiederkehrt, z. B. bei der Verschmelzung von Eizelle und Spermium oder beim Eindringen eines Virus in seine Wirtszelle.

Kontakt:
Dr. Patrick Müller,
Harvard University, Department of Molecular and Cellular Biology, Cambridge (USA),
Tel.: +1 617 496 4910,
Fax: +1 617 495 9300,
E-Mail: pmuller@mcb.harvard.edu
Dr. Alexander Stein,
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie,
Tel.: +49 551 201-1624,
Fax: +49 551 201-1499,
E-Mail: astein1@gwdg.de
Dr. Carmen Rotte, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie,
Tel.: +49 551 201-1304,
Fax: +49 551 201-1151,
E-Mail: pr@mpibpc.mpg.de

Dr. Carmen Rotte | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpibpc.mpg.de/
http://www.mpibpc.mpg.de/groups/pr/PR/2008/08_13/

Weitere Berichte zu: Botenstoff Gen Nachwuchswissenschaft Nervenzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht BRIESE-Preis 2016: Intelligente automatisierte Bildanalyse erschließt Geheimnisse am Meeresgrund
20.01.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert
20.01.2017 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise