Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Echo im Berg: Sonar für den Tunnelvortrieb

12.06.2008
Technologietransfer-Preis 2008 für das Aufspüren von Störzonen beim Tunnelbau

Am gestrigen 11. Juni wurde Dr. Rüdiger Giese und seinem Team vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) der „Technologietransferpreis 2008“ von der Technologie Stiftung Brandenburg für ein neues System zur Tunnelvorerkundung ISIS überreicht.

ISIS (Integriertes Seismisches Imaging System) ist ein Verfahren zur Vorerkundung des Gesteins im Tunnel. Die technische Innovation liegt vor allem darin, dass keine Sondierungssprengungen mehr erforderlich sind und dass das System während der laufenden Tunnelbohrarbeiten eingesetzt werden kann. Damit wird der Tunnelbau sicherer, schneller und effizienter.

Tunnelbau ist trotz allen Fortschritts immer noch ein technisch und wirtschaftlich riskantes Unterfangen. Die größten Unwägbarkeiten liegen darin, dass eine genaue Vorerkundung des Gesteins erforderlich ist, in das die Tunnelbohrmaschine hineinbohren will. Zur Erkundung des Gesteins vor der Tunnelbohrmaschine benutzt man üblicherweise seismische Verfahren: man zündet eine kleine Sprengladung und wertet die Ausbreitung der Schallwellen der Explosion aus. Dazu muss die Tunnelbohrmaschine gestoppt und die Bohrarbeit unterbrochen werden - bei Kosten von rd. 100 Mio. Euro für eine solche Maschine ein erheblicher Kostenfaktor.

... mehr zu:
»ISIS »Tunnelbau

Hier setzt ISIS an. Es ermöglicht die Vorhersage der geologischen Eigenschaften des Gebirges im Vorfeld und Umfeld einer Tunnelauffahrung, ohne den Baubetrieb nennenswert zu behindern - ähnlich wie beim Ultraschall in der Medizin

„Die Idee besteht darin, die Tunnel-Anker zu verwenden, um damit einen Mess-Aufbau von seismischen Dreikomponenten-Empfängern antennenartig so zu installieren, dass ein hochauflösendes seismisches Abbild des Gebirges während der Auffahrung möglich wird,“ sagt Dr. Rüdiger Giese. „Als Empfänger dienen kleine Erdmikrophone (Geophone) , die in die Spitzen der Felsanker eingesetzt werden. Damit können die unterschiedlichen seismischen Wellen hochempfindlich erfasst werden. Die Daten geben uns Auskunft über Wechsel in den Gesteinen und eventuelle wasserführende Lagen.“

Die Anker werden in metertiefen Bohrlöchern verklebt. Sie können vom Tunnel strahlenförmig ausgehen oder in Vortriebsrichtung gesetzt sein.Die seismischen Impulse werden mit einem pneumatischen Schlaghammer oder eine elektromagnetische Vibrationsquelle erzeugt, wobei die Impulse sich in vorgegebene Richtungen abstrahlen und in Sekundenabständen wiederholen lassen.

Das alles kann während der laufenden Tunnelbohrarbeiten geschehen.

Angewendet wurde das System bereits beim Bau des neuen St.Gotthard-Basistunnels und beim Tunnelbau in Nessies Heimat Loch Ness.

„Wir freuen uns, dass mit der Herrenknecht AG der Weltmarktführer im Tunnelbau als Partner zur Markteinführung des Systems ISIS gewonnen werden konnte. Das ist auch der hervorragenden Arbeit des Teams um Herrn Giese zu verdanken. Ich gratuliere von Herzen zu diesem Preis“, sagte Professor Reinhard Hüttl, der Vorstandsvorsitzende des GFZ zu diesem Anlass.

Das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) ist als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft das nationale Forschungszentrum für Geowissenschaften in Deutschland.

Franz Ossing | GFZ Potsdam, a Helmholtz Centre
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/
http://www.gfz-potsdam.de/news/foto/ISIS/welcome.html

Weitere Berichte zu: ISIS Tunnelbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften