Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kieselgelfaser-Auflage zur raschen Wundheilung

29.05.2008
Forschungspreis für Fraunhofer ISC-Forscher

Mit Hilfe von gesponnenen Kieselgelfasern wollen Forscher in Zukunft die Wundheilung bei Verbrennungen oder schwer heilenden Wunden beschleunigen.

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC in Würzburg haben nun eine solche Wundauflage entwickelt. Damit soll vor allem Patienten, die an großflächigen und schlecht heilenden Wunden leiden, geholfen werden. Für ihre Forschungsarbeit haben die beiden Entwickler Jörn Probst und Walther Glaubitt den Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2008 erhalten.

Die bisher gängigen Wundauflagen aus Kollagen oder Polymilchsäuren haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Das neuartige Vlies aus Kieselgelfasern hat im Vergleich zu anderen Produkten zahlreiche Vorteile: Es ist formstabil, pH-neutral und 100 Prozent bioresorbierbar - das heißt, es bleibt nach dem Auflegen im Körper und wird dort ohne Rückstände abgebaut. Zudem bietet das Vlies den gesunden Zellen an den Wundrändern eine Leitstruktur, die sie zusätzlich zu einer adäquaten Nährstoffversorgung für ein gerichtetes Wachstum benötigen. Um Infektionen zu vermeiden, muss die Behandlung der Wunde absolut steril erfolgen. "Da nur noch der äußere Verband gewechselt werden muss, ist die Gefahr die Wunde zu verunreinigen gering", meint Probst. Dank des "Klettergerüsts" für die Zellen stehen die Chancen auf einen narbenfreien natürlichen Wundverschluss sehr gut.

... mehr zu:
»Vlies »Wundauflage »Wundheilung

Basis der Fasern ist eine nasschemische Werkstoffsynthese, ein so genanntes Sol-Gel-Verfahren. Dabei wird aus Tetraethoxyisilan (TEOS), Ethanol und Wasser in einem mehrstufigen, sauer katalysiertem Syntheseprozess ein transparentes, honigartiges Gel hergestellt, das sich in einem Spinnturm weiterverarbeiten lässt. Wenn das Gel bei konstanten Temperaturen und Luftfeuchte durch feine Düsen gepresst wird, entstehen feine Endlosfäden, die aufgefangen und in einem bestimmten Muster gesponnen werden. Daraus entsteht ein etwa DIN A4 großes Vlies aus mehreren Schichten. Anschließend werden die Wundauflagen geschnitten, verpackt und sterilisiert.

Wie wichtig solche Wundauflagen in der Medizin sind, bestätigen Untersuchungen: Allein in Deutschland leiden etwa drei Mio. - zumeist ältere - Menschen an großflächigen und schlecht heilenden Wunden. Die Ursachen sind neben Diabetes vor allem das so genannte Wundliegen. Die Erfindung der beiden Würzbürger Forscher wird von einer Tochter des Pharmakonzerns Bayer vermarktet. In drei Jahren will man die innovative Wundauflage bereits in die Krankenhäuser bringen. Die beiden Forscher wollen nun Wirkstoffe - wie etwa Antibiotika oder Schmerzmittel - in die Wundauflage integrieren, um die Heilung weiter zu verbessern und zu beschleunigen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.isc.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Vlies Wundauflage Wundheilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht CAU-Wissenschaftlerin erhält EU-Förderung zur Entwicklung neuer Implantate
22.11.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Illegal geschlagenes Holz in Alltagsprodukten aufspüren
21.11.2017 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Autonomes Fahren – und dann?

22.11.2017 | Verkehr Logistik

Material mit vielversprechenden Eigenschaften

22.11.2017 | Materialwissenschaften

Forscherteam am IST Austria definiert Funktion eines rätselhaften Synapsen-Proteins

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie