Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Besserer Bypass durch Gentherapie?

15.04.2008
Vorbehandelte Venen werden im Tierversuch weniger eng / Heidelberger Herzchirurg für Forschungsarbeit ausgezeichnet

Wie können Bypass-Operationen noch erfolgreicher werden? Fast die Hälfte der verpflanzten Venen, die den Blutfluss im Herz wieder herstellen sollen, ist nach zehn Jahren verschlossen. Eine gentherapeutische Vorbehandlung der Venenstücke könnte diese Gefahr bannen, da sie die Wanderung von Muskelzellen in die Gefäßwand stoppt. Für diese Erkenntnis hat eine Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Klaus Kallenbach, Oberarzt in der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg, den mit 5.000 Euro dotierten Robert-Stich- Preis für exzellente Forschung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie erhalten.

Zur Umleitung des Blutflusses um verstopfte Arterien am Herzen oder in den Beinen werden den Patienten in Bypass-Operationen meist Ersatzstücke aus ihren eigenen Wadenvenen eingesetzt. Innerhalb dieser Venenabschnitte wandern jedoch nach der Operation häufig glatte Muskelzellen aus der mittleren Gefäßwand in die innere Gefäßwand ein, wo sie wachsen und sich vermehren. So entsteht eine neue Schicht der inneren Gefäßwand (Neointima), die den Innendurchmesser des implantierten Blutgefäßes verengt. Im Bypass kann Arteriosklerose entstehen.

Gen sorgt für eine langsamere Wanderung der Muskelzellen

... mehr zu:
»Bypass »Gefäßwand »Muskelzelle »Vene

Die Forschungsgruppe fand nun zunächst in Reagenzglasversuchen im Labor heraus, dass glatte Muskelzellen ein Zellkulturmodell der Gefäßwand viel langsamer durchwandern, wenn sie besonders große Mengen des Enzyms Matrix-Metalloproteinase-3 (MMP-3) herstellen. Dazu schleusten sie das Gen für diesen Wirkstoff mit Hilfe eines Virus in die Muskelzellen ein und stellten - im Vergleich zu einer Kontrollgruppe - eine bis zu 20mal geringere Beweglichkeit der genetisch veränderten Zellen fest.

Diesen Befund erhärteten Dr. Kallenbach und seine Mitarbeiter in Versuchen mit Kaninchen, die mit einer cholesterinreichen Kost gefüttert wurden. In einer Bypassperation wurde den Tieren ein Stück ihrer Halsvenen zur Umgehung ihrer Halsarterien eingesetzt. Venenstücke, die vor der Operation mit Hilfe der Vieren gentherapeutisch veränderten wurden und dadurch übermäßig viel MMP-3 herstellten, zeigten im weiteren Verlauf der Versuche eine deutlich verringerte Verdickung ihrer inneren Wand. Bei den Tieren, denen unbehandelte Venenstücke implantiert worden waren, hatten sich die Gefäßwände dagegen viel schneller verengt.

Enzym MMP-3 schützt die Gefäßwand

"Diese erstmals gewonnenen Ergebnisse sind überraschend", sagt Klaus Kallenbach. "Denn bisher gilt das Enzym MMP-3 vor allem als Förderer des Umbaus und der Verdickung der Gefäßwände." Einer Machete vergleichbar, die einen Dschungel lichtet, bahnt das aggressive, proteinspaltende Enzym MMP-3 den glatten Muskelzellen nämlich normalerweise einen Weg durch das dichte Fasergestrüpp aus Kollagen und anderen Proteinen, von dem sie umgeben sind. "Hohe Konzentrationen von MMP-3 scheinen demgegenüber einen schützende Funktion für die Gefäße zu haben", kommentiert Kallenbach seine preisgekrönte Arbeit. "Jetzt kommt es darauf an, den Mechanismus aufzuklären, mit dem die gentherapeutisch angeregte MMP-3-Überproduktion den langfristigen Erfolg von Bypassoperationen verbessern kann."

Literatur:
Kallenbach K., Salcher R, Bog A, Geveke S, Mörike C, Heim A, Cebotari S, Haverich A. Reduction of Neointima Formation in Autologous Vein Grafts in vivo by Overexpression of Matrix Metalloproteinase-3 (Stromeylsin-1).Circulation 2006; Suppl. II, Vol.114,18:794

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden.)

Kontakt:
Priv. Doz. Dr. Klaus Kallenbach
Universitätsklinikum Heidelberg
Chirurgische Klinik, Klinik für Herzchirurgie
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 37982
Fax: 06221 / 56 5585
E-Mail: klaus.kallenbach@med.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Bypass Gefäßwand Muskelzelle Vene

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert für weitere drei Jahre Forschungen zu Kieselalgen
22.03.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Effiziente Tools für bildgebende Studien
21.03.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen