Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Descartes Preis an Infektionsforscher verliehen

13.03.2008
Listeria-Forschergruppen in Deutschland, Frankreich und Spanien ausgezeichnet

Die EU-Kommission hat heute den mit 1,36 Millionen Euro dotierten Descartes-Preis für herausragende transnationale und kooperative Forschung verliehen. Die Fördersumme wird unter drei Preisträgergruppen aufgeteilt.

Ein Drittel des Geldes fließt in das Projekt "VIRLIS", in dem die Infektionsfähigkeit, die sogenannte Virulenz des bakteriellen Krankheitserregers Listeria monocytogenes untersucht wird. Neben namhaften französischen und spanischen Forschern sind an diesem Projekt auch deutsche Wissenschaftszentren beteiligt, unter anderem das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) aus Braunschweig.

Listeria monocytogenes gehört zu den Lebensmittelkeimen, die Fleisch- oder Milchprodukte kontaminieren können. Besonders gefährlich ist der Kontakt mit dem Bakterium für Immungeschwächte und Schwangere -- unter Umständen kann Listeria bei ihnen Hirnhautentzündungen hervorrufen. Denn Listerien besitzen die Fähigkeit, die natürlichen Schranken des Wirtes zu durchdringen: sowohl die des Darms, als auch die zwischen Plazenta und Fötus, und sogar die Blut-Hirn-Schranke. In solchen Fällen verlaufen mehr als 30% der Listeria-Infektionen tödlich.

... mehr zu:
»HZI »Listeria »Wirtszelle

Im VIRLIS-Projekt arbeiten acht französische, deutsche und spanische Forscherteams seit mehr als einem Jahrezehnt erfolgreich zusammen. "Hier am HZI arbeiten wir schon über 15 Jahre an Listerien - die Koordinatorin von VIRLIS, Pascale Cossart am Institut Pasteur in Paris, sogar schon über 20 Jahre.", so Prof. Dr. Jürgen Wehland, Leiter der Abteilung Zellbiologie am HZI. Gemeinsam haben die Forscherteams in den vergangenen Jahren viel über die genetische und zelluläre Ausrüstung des Bakteriums herausfinden können -- und was es im Gegensatz zu seinen harmlosen Verwandten so gefährlich macht. Listerien nutzen das Zytoskelett des Wirtes zur Fortbewegung in der Zelle. "Hier am HZI haben wir Verfahren entwickelt, mit denen man Listerien dabei beobachten kann, wie sie sich innerhalb der Wirtszelle bewegen.", so Wehland. "Außerdem untersuchen wir mit Methoden der Proteomforschung die molekularen Details der Wechselwirkung zwischen Listerien und Wirtszellen."

Im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit auf europäischer Ebene konnten gemeinsam die kompletten Genome mehrerer Listeria-Arten, darunter auch Listeria monocytogenes sequenziert werden. Am Institut Pasteur in Paris wurde das erste Virulenz-Gen kloniert: das Hämolysin-Gen, das für das Eindringen in die Wirtszelle notwendig ist. Eine der spanischen Arbeitsgruppen hat sich auf die Fragestellung "Wie überlebt Listeria im Inneren der Wirtszelle?" fokussiert.

Das Bakterium hat nämlich eine Vielzahl von Mechanismen entwickelt, um die Abwehrmechanismen des Wirts zu umgehen: es besiedelt sogar die Fresszellen des Wirtes, die Makrophagen, die eigentlich der Immunabwehr dienen. "Für uns ist Listeria ein unersetzlicher Modellorganismus, um grundlegende Infektionsmechanismen aufzuklären.", so Wehland. "Der Descartes-Preis unterstreicht die Wichtigkeit unserer Arbeit."

Hannes Schlender | Helmholtz-Gemeinschaft
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Berichte zu: HZI Listeria Wirtszelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)
26.05.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften