Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäisches Eiskernprojekt EPICA erhält Descartes-Preis der Europäischen Union

12.03.2008
Das europäische Eiskern-Bohrprojekt EPICA (European Project for Ice Coring in Antarctica) ist einer der diesjährigen Gewinner des Descartes-Wissenschaftspreises der Europäischen Union.

Der mit insgesamt 1,36 Millionen Euro dotierte Descartes-Preis wird jedes Jahr an bis zu vier europäische Forschergruppen für hervorragende grenzüberschreitende Projekte in Natur- und Geisteswissenschaften vergeben. Dem von zwölf Partnern aus zehn europäischen Ländern durchgeführten Projekt gelang es Klimadaten zu gewinnen, die für die Diskussion des derzeitigen Klimawandels von größter Bedeutung sind. So war es möglich, erstmals Temperaturen und Treibhausgaskonzentrationen der letzten bis zu 800.000 Jahre zu rekonstruieren sowie den Zusammenhang des Klimas der Nord- und Südhemisphäre im Detail zu untersuchen.

Seit über zehn Jahren arbeiten Wissenschaftler aus zehn europäischen Ländern, darunter Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden und die Schweiz, im EPICA-Projekt auf verschiedensten Gebieten der Eiskernforschung und der Glaziologie zusammen. Als deutscher Partner in EPICA ist das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft für die Durchführung der Eisbohrung im Dronning-Maud-Land in der Antarktis und für eine Vielzahl der Analysen verantwortlich. Prof. Heinrich Miller, stellvertretender Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, koordiniert unter dem Dach der European Science Foundation (ESF) die gesamten Forschungsarbeiten des Großprojekts. Finanziert wird EPICA durch Beiträge der beteiligten Länder und durch die Europäische Union.

"Nur in dieser engen Zusammenarbeit aller europäischen Arbeitsgruppen war es überhaupt möglich, solch ein Großprojekt logistisch und wissenschaftlich umzusetzen", sagt Dr. Hubertus Fischer, Glaziologe am Alfred-Wegener-Institut und Koordinator des Antrags für den Descartes-Preis. "Gerade für junge Wissenschaftler und Studenten ist EPICA eine Gelegenheit, Spitzenforschung gemeinsam mit Kollegen aus ganz Europa durchzuführen und so eine wissenschaftliche Karriere aufzubauen. Mit dem Descartes-Preis können wir diese Vernetzung und europäische Zusammenarbeit noch weiter intensivieren", so Fischer weiter.

... mehr zu:
»Antarktis »EPICA

Im Rahmen von EPICA wurden über mehrere Jahre zwei tiefe Eisbohrungen durch den circa 3000 Meter dicken ostantarktischen Eisschild - weitab der ganzjährig besetzten Forschungsstationen an der Küste - gebohrt. Die Bohrungen fanden unter extremen klimatischen Bedingungen statt. Eine Bohrung erfolgte an Dome C bei 75°06'S, 123°24'E bei einer mittleren Jahrestemperatur von minus 54,5 °C. Die zweite Bohrung hat das Alfred-Wegener-Institut federführend im Dronning-Maud-Land bei 75°00'S, 0°04'E und einer mittleren Jahrestemperatur von minus 44,6°C durchgeführt. Im Anschluss wurden die Eiskerne in gefrorenem Zustand nach Bremerhaven verschifft und in Teilstücken in den verschiedenen europäischen Labors untersucht.

Anhand der Eisbohrkerne haben die Wissenschaftler die Temperatur- und Niederschlagsraten, die Aerosolzusammensetzung der Atmosphäre, die Aktivität der Sonne, den Fluss extraterrestrischen Staubes auf die Erde und die Treibhausgas-Konzentrationen der Luft in der Vergangenheit gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas in den letzten 650.000 Jahren nie so hoch waren wie in unserer Zeit, in der der Mensch künstlich Treibhausgase in die Atmosphäre abgibt. Dabei ist der Kohlendioxidgehalt in der Vergangenheit eng an die Temperaturänderungen der Antarktis, beziehungsweise des Südozeans gekoppelt. Unter anderem waren in den Warmzeiten vor 450.000 Jahren die Temperaturen und Kohlendioxid-Konzentrationen geringer als in der heutigen Warmzeit, dem Holozän. Auch die Temperaturänderungen in der letzten Eiszeit weisen diese Kopplung auf, wobei langsamere Temperaturänderungen in der Antarktis eng mit schnellen eiszeitlichen Klimaschwankungen im Nordatlantikraum verknüpft waren. Diese Verknüpfung wird durch den Wärmetransport des Ozeans zwischen Nord- und Südatlantik verursacht.

EPICA ist eines der Kernprojekte des Forschungsprogramms "Meeres-, Küsten- und Polarsysteme" am Alfred-Wegener-Institut im Bereich "Erde und Umwelt" der Helmholtz-Gemeinschaft.

SPERRFRIST: Veröffentlichung nicht vor Mittwoch, 12. März 2008, 15:00 Uhr (MEZ).

Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartner am Alfred-Wegner-Institut sind Dr. Hubertus Fischer (Tel. 0471 4831-1174; E-Mail: hubertus.fischer@awi.de) und Prof. Heinrich Miller (Tel. 0471 4831-1210; E-Mail: heinrich.miller@awi.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471 4831-2008; E-Mail: ude.cieluch@awi.de). Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschland.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de/

Weitere Berichte zu: Antarktis EPICA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht EU-Förderung in Millionenhöhe für Regensburger Wissenschaftler
21.04.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung