Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ordnung im bakteriellen Zellchaos

03.03.2008
Den dieses Jahr erstmals verliehenen Forschungspreis der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) erhält Prof. Dr. Peter Graumann von der Universität Freiburg. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für herausragende aktuelle Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiologie wird im Rahmen der VAAM-Jahrestagung in Frankfurt/Main am 10. März 2008 überreicht.
Graumann konnte hochgradig organisierte Zellstrukturen in Bakterien aufklären und sichtbar machen, die für Vorgänge wie die Zellteilung notwendig sind.

Im Zentrum von Graumanns Arbeiten steht die Chromosomenbewegung und -sortierung während der Zellteilung. Bislang war unbekannt, welche Prozesse bei der Aufteilung der Chromosomen während der Vermehrung von Bakterien eine Rolle spielen. Graumann konnte zeigen, dass das bakterielle Chromosom kein Zufallsknäuel, sondern eine hochgradig organisierte Struktur ist. Die Arbeitsgruppe identifizierte einen Komplex aus verschiedenen Proteinen, die zusammenarbeiten, damit die DNA in geordneter Weise zu den Zellpolen gezogen wird. Viele molekulare Details dieses Vorgangs konnten Graumann und seine Mitarbeiter mittlerweile beschreiben und in hochrangigen Fachzeitschriften publizieren. Die Arbeitsgruppe zeigte darüber hinaus, dass an der Chromosomenverteilung auch Proteine beteiligt sind, die das bakterielle "Zellskelett" bilden und somit der Struktur und Stabilität der Zelle sowie dem Zellzyklus dienen. Mit modernen bildgebenden Verfahren wies Graumann kürzlich erstmals nach, wie Bakterien DNA aus der Umgebung aufnehmen und in ihr Genom einbauen. Seine Gruppe identifizierte am Zellpol die Aufnahmeöffnung sowie zwei dafür notwendige Proteine. Möglicherweise lässt sich mit diesem Wissen die Übertragung von Antibiotika-Resistenzgenen zwischen Bakterien eines Tages einschränken.

Die VAAM - 1975 als Zweig der American Society for Microbiology (ASM) gegründet und seit 1985 selbständige Gesellschaft - vertritt rund 3000 mikrobiologisch orientierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Forschung und Industrie. Die Bandbreite der Forschung reicht von Bakterien und Pilzen in Lebensmitteln und Gewässern über Krankheitserreger bis hin zu Genomanalysen und industrieller Nutzung von Mikroorganismen und ihren Enzymen. Die jährliche Frühjahrstagung findet dieses Jahr vom 9. bis 11. März in Frankfurt/Main statt.

... mehr zu:
»Chromosom »Protein

Prof. Dr. Peter Graumann (Jahrgang 1967) studierte an der Marburger Philipps-Universität Biologie mit dem Schwerpunkt Genetik. In der dortigen Arbeitsgruppe von Prof. Mohamed Marahiel erforschte er im Rahmen seiner Doktorarbeit die Eigenschaften eines Proteins aus Bacillus, das unter Kälteschock-Bedingungen aktiv wird. Nach einem Postdoktorat im renommierten Labor von Prof. Dr. Richard Losick an der Harvard-Universität in Cambridge, USA, ermöglichte ihm ein Emmy-Noether-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Gründung einer eigenen Arbeitsgruppe in Marburg. Hier entstanden wichtige Arbeiten über den bakteriellen Zellzyklus sowie über die Reparatur von DNA-Brüchen im Chromosom am Beispiel des Bakteriums Bacillus subtilis. Diese Arbeiten mündeten 2003 in die Habilitation. Bereits ein Jahr später nahm Graumann einen Ruf auf eine C3-Professur an der Universität Freiburg an.

Ansprechpartnerin:
Dr. Katrin Muth (Leitung der VAAM-Geschäftsstelle)
Mörfelder Landstraße 125
60598 Frankfurt
Tel: +49(0)69-66 05 67 20
Fax: +49(0)69-66 05 67 22
E-mail: muth@vaam.uni-halle.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.vaam.de

Weitere Berichte zu: Chromosom Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Der Herr der Magnetfelder: EU verleiht HZDR-Forscher begehrte Forschungsförderung in Millionenhöhe
12.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht ERC Grant: Wie sich Pflanzen an vielfältige Umweltbedingungen anpassen
09.04.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics