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1,9 Millionen Euro für Suche nach neuer Behandlung von T-Zell-Lymphomen

08.02.2008
Weltweit einzige Phase III-Studie zur Erforschung neuartiger Behandlungsmethoden für T-Zell-Lymphome wird vom BMBF gefördert. Göttinger Krebsforscher leiten die Studie.

Lassen sich mit modernen Immuntherapien die bislang schlechten Heilungschancen für Patienten mit bösartigem Lymphdrüsenkrebs verbessern? Mit dieser Frage befasst sich die weltweit einzige Phase III-Studie zum so genannten systemischen T-Zell-Lymphom. Die Studie ist im November 2007 angelaufen.

Deutschlandweit beteiligen sich inzwischen rund 50 onkologische Kliniken, darüber hinaus sind Zentren in weiteren sieben europäischen Ländern und Asien beteiligt. Die Leitung der Studie hat Professor Dr. Lorenz Trümper, Direktor der Abteilung Hämatologie und Onkologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Vorhaben in Deutschland maßgeblich mit 1,9 Millionen Euro. Abgeschlossen sein soll die Studie im Jahr 2014. Die Ergebnisse werden international mit großem Interesse erwartet.

"Wir untersuchen zwei verschiedene Wege, die Chemotherapie der T-Zell-Lymphome durch immunologische Mechanismen wirkungsvoll zu ergänzen", erläutert Professor Trümper das grundlegende Studienprofil. Jüngere Patienten mit der seltenen Krebserkrankung erhalten zunächst eine Stammzelltransplantation; die von gesunden Spendern übertragenen Immunzellen richten sich gegen die bösartigen Lymphomzellen. Ältere Patienten mit der Erkrankung erhalten zusätzlich zur Chemotherapie einen monoklonalen Antikörper, der Alemtuzumab heißt.

Dieser von der Firma Bayer-Schering Pharma in Berlin hergestellte Antikörper richtet sich gegen T-Lymphozyten. Er kann möglicherweise die Wirkung einer Chemotherapie verbessern und die Dauer einer Remission verlängern. Dafür sprechen die Ergebnisse einer von der Deutschen Studiengruppe Hochmaligne Lymphome durchgeführten Studie (Leitung: Prof. Dr. Claudia Binder, Abt. Hämatologie und Onkologie – Universitätsmedizin Göttingen).

Mit solchen Kombinationen von Chemotherapien mit Immuntherapien konnten in den letzten Jahren in der Behandlung anderer fortgeschrittener Krebserkrankungen deutliche Verbesserungen erreicht werden. Der Krankheitsverlauf bei den so genannten systemischen T-Zell-Lymphomen, einer besonderen Form bösartiger Erkrankungen des Lymphsystems, lässt sich allerdings auch heute oft nicht günstig beeinflussen. "Diese Situation möchten wir gerne verbessern", erklärt Prof. Dr. Gerald Wulf, Koordinator der Studie: "Wir hoffen, mit diesen neuartigen Behandlungsmethoden die Heilungschancen für Patienten mit T-Zell-Lymphomen deutlich zu verbessern."

Genaue Studienanweisungen und Protokolle stellen in der Studie die Vergleichbarkeit der Ergebnisse der vielen beteiligten Kliniken sicher. Das Institut für Klinische Forschung (IFS) der Universitätsmedizin Göttingen ist verantwortlich für die Qualitätskontrolle: Über ein so genanntes Monitoring überprüft die Göttinger Studienleitung alle Behandlungsergebnisse und wertet sie für die Studie aus. Die behandelnden Ärzte werden vor Ort in ihren Kliniken besucht.

Chemotherapie plus Immuntherapie

In der Behandlung fortgeschrittener Krebserkrankungen konnten in den letzten Jahren durch den Einsatz moderner Chemotherapien deutliche Verbesserungen erreicht werden. Die Wirksamkeit von zytostatischen Therapien wird zunehmend durch moderne Immuntherapien verstärkt. Solche Immuntherapien setzen monoklonale Antikörper ein, die als gentechnisch hergestellte Eiweiße Tumorzellen erkennen und zerstören können. Ein anderer Weg setzt auf Zellen des Immunsystems. Sie werden gezielt aktiviert, um die nach einer Stammzellentransplantation noch verbliebenen Tumorzellen zu vernichten.

Phase III-Studien

Klinische Studien sind Voraussetzung für die Entwicklung und Zulassung von Arzneimitteltherapien. Dabei werden vier Entwicklungsphasen unterschieden. Phase III ist für die behördliche Zulassung entscheidend: Kontrollierte Studien an möglichst vielen Patienten sollen nachweisen, dass die Therapie in einer bestimmten Indikation ("Krankheit") deutlich besser oder genauso gut wirkt wie die anerkannte Standardtherapie. In der Phase IV werden Wirkung, Nutzen und Risiko unter Praxisbedingungen auch im Vergleich zu alternativen Therapien untersucht.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität
Abt. Hämatologie und Onkologie
Direktor: Prof. Dr. Lorenz Trümper, Telefon 0551 / 39-8535
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
E-Mail: t-nhl@med.uni-goettingen.de
www.onkologie-haematologie.med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de
http://www.med.uni-goettingen.de/presseinformationen/presseinformationen_8008.asp

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