Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dr. Leopold-Lucas-Preisträger des Jahres 2008: Dieter Henrich, München

07.02.2008
Für 2008 wurde die Dotierung des Dr. Leopold-Lucas-Preises der Eberhard Karls Universität Tübingen von 40.000 auf 50.000 Euro erhöht. Der Preis geht in diesem Jahr an Dieter Henrich, Professor emeritus für Philosophie in München. Die Preisverleihung wird am 27. Mai 2008, um 17.15 Uhr, im Festsaal der Eberhard Karls Universität stattfinden.

Dieter Henrich wurde 1927 in Marburg/Lahn geboren. 1946 Abitur des Humanistischen Philipps-Gymnasiums Marburg, Studium in Marburg, Frankfurt/M. und Heidelberg (1946-1950). Promotion (1950) und Habilitation (1956) in Heidelberg. Professuren an der Freien Universität Berlin (1960-1965), Heidelberg (1965-1981) und München (seit 1981). Gastprofessuren an der Columbia Universität, der Harvard Universität, der Universität Tokio und der Yale Universität. Präsident der Internationalen Hegel-Vereinigung (1970), seit 1971 Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, seit 1984 auch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Mitglied der Academia Europaea, der American Academy of Arts and Sciences und der Académie Internationale de Philosophie de l'Art. Ehrendoktor der Theologischen Fakultäten in Münster (1999) und Marburg (2002) sowie der Philosophischen Fakultät in Jena (2005). Hölderlin-Preis der Stadt und Universität Tübingen (1995), Hegel-Preis der Stadt Stuttgart (2003) und Deutscher Sprachpreis (2006).

Das wissenschaftliche Werk von Henrich, in dessen Zentrum die Frage nach Selbstsein und Selbstbewusstsein steht, ist in seiner Fülle und Ausstrahlung kaum zu überschätzen. Henrichs Beiträge besonders zur Hegel-Forschung, aber auch zu anderen Vertretern des Deutschen Idealismus haben Epoche gemacht. Zu einer Zeit, in der schon der Bezug auf das Selbstbewusstsein veraltet und angesichts der Perspektiven von Strukturalismus, Dekonstruktionismus und Systemtheorie oder neuerdings der in der Hirnforschung vertretenen Auffassungen geradezu als obsolet erschien, hat Henrich beharrlich an der unhintergehbaren Bedeutung von Subjektivität festgehalten und diese wissenschaftlich demonstriert.

"Menschen leben nicht nur, sie haben ihr Leben aus dem Wissen von sich selbst heraus zu führen. Darum ist ihr Selbstbewusstsein gegenüber allem, was sie als Menschen ausmacht, elementar und unmittelbar", so beginnt sein vor kurzem erschienenes Buch "Denken und Selbstsein", das seine Vorlesungen über Subjektivität dokumentiert. Hier tritt exemplarisch hervor, dass Henrichs Philosophie durchweg dem elementaren Anspruch der Humanität verpflichtet ist.

Die zahlreichen Veröffentlichungen des Philosophen umfassen auch Themen der Ethik, der Ästhetik und Kulturtheorie sowie der Religionsphilosophie und der Theologie. Weltweit Beachtung gefunden haben auch seine Untersuchungen zur Vorgeschichte des Idealismus und zu Hölderlin. Zahlreiche Ehrungen und Preise aus dem In- und Ausland sowie die Gastprofessuren und Akademiemitgliedschaften in Europa, Amerika und Asien unterstreichen die enorme Resonanz, die Henrichs wissenschaftliche Arbeit gefunden hat.

Der Dr. Leopold-Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Raimund Popper, Michael Walzer und Michael Theunissen, Repräsentanten des religiösen Lebens wie Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, oder der polnische Erzbischof Henryk Muszynski, sowie der Kultur und Politik wie Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident, und Richard von Weizsäcker. Preisträger des letzten Jahres war der Neutestamentler Bischof Eduard Lohse.

Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, ehemals Ehrensenator der Eberhard Karls Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Friedrich Schweitzer,
Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät
Tel.: 07071-2972538
friedrich.schweitzer@uni-tuebingen.de
EBERHARD KARLS UNIVERSITÄT TÜBINGEN
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit * Michael Seifert
Wilhelmstr. 5 * 72074 Tübingen
Tel.: 0 70 71 / 29 - 7 67 89 * Fax: 0 70 71 / 29 - 5566
E-Mail: presse1@verwaltung.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Idealismus Subjektivität Theologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe
22.09.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie