Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF-Innovationspreis für UKM-Forscher: „Blutgerinnung wird transparenter“

14.01.2008
Prof. Dr. Stefan W. Schneider entlockt dem „von-Willebrand-Faktor“ sein Geheimnis mittels neuer Mikrochip Technologie

Eine hohe Auszeichnung hat jetzt Prof. Dr. Stefan W. Schneider, Oberarzt an der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Münster (UKM) für ein fach- und ortsübergreifendes Forschungsprojekt erhalten, bei dem ein großes Rätsel der Blutgerinnung gelöst wurde. Zusammen mit seinen Kooperationspartnern aus Augsburg und Frankfurt ist er mit dem „Innovationspreis Medizintechnik“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ausgezeichnet worden.

Im Mittelpunkt des preisgekrönten Projektes steht dabei der „von-Willebrand-Faktor“. Dabei handelt es sich um ein Eiweißmolekül mit außergewöhnlichen Fähigkeiten bei der Blutgerinnung. Genau diesem Molekül konnte Prof. Schneider im vergangenen Jahr gemeinsam mit Wissenschaftlern anderer Disziplinen sein letztes Rätsel entlocken. Bei Verletzungen wird das Molekül nämlich aktiv. Die entscheidende Frage lautete: Was ist der exakte Grund für die Aktivierung des Moleküls?

Mit Hilfe der an der Universität Augsburg entwickelten Methode eines „Mikrofluidikchips“ als „künstlichem Blutgefäß“ konnte der Münsteraner Mediziner gemeinsam mit seinem Bruder Dr. Matthias W. Schneider, Physiker an der Augsburger Hochschule, das Rätsel lösen. Bei der so genannten „surface acousitc wave“-Technologie wird auf einer Chipoberfläche von nur einigen Millimetern durch akustische Oberflächenwellen eine Strömung in einem nur wenige Mikrometer breiten Kanal erzeugt. Zum Abschluss der Forschungsarbeit stand fest: Der „von-Willebrand Faktor“ wird durch höhere Fließgeschwindigkeiten des Blutes aktiviert. Die biologische Funktion des Eiweißmoleküls wird rein durch mechanische Kräfte in Gang gesetzt.

... mehr zu:
»Blutgerinnung »Molekül

Prof. Schneider: „Inaktiv ist der „von-Willebrand-Faktor“ eine wenige hundert Nanometer große Kugel, die man sich am besten als eine Art Mini-Wollknäuel vorstellen kann. Bei hohen Fließgeschwindigkeiten wird daraus ein bis zu einem Millimeter langer Faden.“ Und dieser Molekül-Faden ist extrem klebrig. Die Folge: Blutplättchen bleiben daran haften, ein kleiner Blutpfropfen wird gebildet und die Blutung wird gestoppt.

„Durch diese neue Chip-Technik wird die Blutgerinnung enorm transparenter“, blickt Schneider auf künftige Anwendungsmöglichkeiten des Forschungsprojektes. So könne etwa das individuelle Blutungsrisiko vor einer Operation, die Wirkung blutverdünnender Medikamente oder Störungen der Blutgerinnung bald zuverlässiger bestimmt werden. Neben Prof. Schneider und seinem Bruder waren auch Wissenschaftler aus Frankfurt und zwei Unternehmen an dem Projekt beteiligt.

Der „Innovationswettbewerb Medizintechnik“ wurde 2007 bereits zum neunten Mal durch das BMBF ausgerufen. Von insgesamt 92 Wettbewerbseinreichungen war das Forschungsprojekt über den „von-Willebrand-Faktor“ eines von nur vier Projekten, die ausgezeichnet wurden. Der Preis wurde im vergangenen Oktober verliehen. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift Proc. Natl. Acad. Sci. 2007 publiziert.

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de/

Weitere Berichte zu: Blutgerinnung Molekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Space Exploration Masters 2017: Topaktueller Innovationswettbewerb
22.06.2017 | AZO Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen

nachricht Otto-Hahn-Medaille für Jaime Agudo-Canalejo
21.06.2017 | Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie