Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auszeichnung für tiefe Einblicke

14.09.2011
Dariush Hinderberger, Forscher am Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P), wurde für seine richtungsweisenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der ESR-Spektroskopie mit dem Dr. Hermann-Schnell-Stipendium ausgezeichnet.

Dariush Hinderberger, Physikochemiker am Max-Planck-Institut für Polymerforschung ist das Dr. Hermann-Schnell-Stipendium der gleichnamigen Stiftung verliehen worden. Die Stiftungskuratoren würdigten Hinderbergers hervorragende Ergebnisse auf dem Gebiet der ESR-Spektroskopie, die einen neuartigen Einblick in die Funktionsmechanismen von Makromolekülen erlauben. Der Mainzer Polymerwissenschaftler nahm den Preis beim Wissenschaftsforum Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Bremen entgegen, die auch als Verwaltungsorgan der Schnell-Stiftung fungiert.

Die seit 1998 vergebene Ehrung wird aller zwei Jahre an Spitzennachwuchsforscher im Bereich der makromolekularen Chemie vergeben. Einige der bisherigen Preisträger haben in der Zwischenzeit renommierte Lehrstühle an Hochschulen weltweit besetzen können. Der erfolgreiche Industriechemiker Herrmann Schnell (1916 – 1999) hatte die Stiftung unter Verwaltung der GDCh 1995 eingerichtet. Unter seiner Leitung als Chefentwickler des Bayerkonzerns wurden über 400 Patente angemeldet, z.B. für die heute so essentiellen Polycarbonate.

Was Moleküle wirklich so treiben

Die Forschung Hinderbergers widmet sich den Methoden der Strukturaufklärung von biologischen und künstlichen Makromolekülen, wie z.B. Eiweißen oder „smarten“ Materialien für den Wirkstofftransport. Oftmals ist deren Beschaffenheit und Zusammensetzung bekannt und bereits gut untersucht. Jedoch geben ihre Funktionalität und ihr molekulares Verhalten noch viele Rätsel auf. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist Albumin. Jeder Liter menschlichen Blutes enthält 30 bis 50 Gramm dieses Proteins. Bisher wusste man dank kristallographischer Analysen, dass Albumin als Transporter Hormone, Fette oder auch Medikamente im molekularen Maßstab durch die Blutbahnen befördert. Aber wie es dazu fähig ist, so unterschiedlichen Molekülen die passende Haltestelle zu bieten, blieb ein Geheimnis. Um festzustellen wie Albumin als Universaltransporter funktioniert, nutzte Dariush Hinderberger die Elektronenspinresonanz (ESR). Diese Messmethode bedient sich der Magnetresonanz, bekannt aus der Medizin als Magnetresonanztomographie (MRT), verwendet aber statt des Atomkerns den Drehimpuls (Spin) eines einzelnen Elektrons im Magnetfeld, um durch Frequenzaufzeichnungen exakt Aufschluss über Verhalten und Struktur der Moleküle zu erlangen: „Durch die ESR kann man Proteinen quasi bei der Arbeit zu sehen, während man zuvor nur Ausschnitte der Abläufe kannte“ erklärt Hinderberger den Vorteil der Methode. Beim Albumin beobachtete er damit Erstaunliches: Das Protein passt seine äußere Gestalt einfach den Bedürfnissen des Transportgutes an, die innere Struktur bleibt dagegen starr - eine fundamentale Erkenntnis.

Mission ins Unbekannte

Und es gibt jede Menge weiterer molekularer Kandidaten deren wahres Wesen noch nicht entschlüsselt ist und die Hinderbergers Interesse wecken. Die so genannten intrinsisch unstrukturierten Proteine sind wahre Chamäleons unter den Eiweißen: Ihre Struktur ist wandelbar und ihre Aufgaben im Körper sind noch weitgehend ungeklärt. Eine Herausforderung wie gemacht für die Fähigkeiten der ESR-Spektroskopie.

Hinderbergers ganzer Forscherdrang äußert sich in der Frage: „Wie ist eigentlich die molekulare Umgebung und der Transportweg beschaffen, auf denen die Makromoleküle ihre Bahnen ziehen? Unsere Vorstellungen davon basieren auf Theorien und sind noch spekulativ.“ Medizin, Biologe, Technik – viele Bereiche sind von diesen Wissenslücken betroffen und letztlich natürlich Menschen.

Der aus Heidelberg stammende Hinderberger promovierte nach seinem Chemiestudium in Heidelberg, Berlin und Seattle am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und war im Anschluss für zwei Jahre an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich tätig. Schließlich kehrte als Projektleiter in den Arbeitskreis von Prof. Hans-Wolfgang Spiess zurück nach Mainz. Im Januar 2011 habilitierte Dariush Hinderberger in Physikalischer Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität.

Stephan Imhof | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpip-mainz.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Zweimal Gold beim Architects’ Darling Award 2016 für dormakaba
28.11.2016 | Kaba GmbH

nachricht Wie das Wissen in der Technik entsteht
17.01.2017 | Technische Universität Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Wie das Wissen in der Technik entsteht

17.01.2017 | Förderungen Preise

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik