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Auszeichnung für münstersche Kinder-Rheumatologen

30.09.2010
Dass Rheuma erst mit dem Alter kommt, ist ein Vorurteil. Tatsächlich treten manche Formen rheumatischer Erkrankungen bei Kindern häufiger auf als etwa der Diabetes mellitus.

Rheumatische Erkrankungen in jungen Jahren sind heilbar, bei der Behandlung treten aber oft Nebenwirkungen auf. Dr. Dirk Holzinger und Prof. Dr. Johannes Roth arbeiten an einer neuen Methode, um die Therapie besser auf die Bedürfnisse der Patienten abzustimmen. Dafür sind die Forscher vom Institut für Immunologie der Universität Münster jetzt mit dem Förderpreis der Pfizer Speciality Care Forschungsförderung Rheumatologie ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

„Es ist bekannt, dass ein bestimmtes Entzündungsprotein – der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF- α) – das angeborene Immunsystem beeinflusst“, erläutert Dr. Dirk Holzinger. „Medikamente, die die Wirkung des Proteins blockieren, werden erfolgreich zur Rheuma-Therapie eingesetzt.“ Die Hemmstoffe helfen allerdings nicht in allen Fällen; manche Patienten sprechen darauf an, andere nicht. Wie genau TNF-α auf Zellebene wirkt, soll deshalb nun näher untersucht werden. Die Wissenschaftler wollen damit das Fundament für die Entwicklung einer Methode legen, die eine wesentlich präziser auf die Kinder abgestimmte Therapie erlaubt – so ließen sich unnötige Nebenwirkungen und hohe Kosten vermeiden.

Wenn die TNF-α-Wirkung besser verstanden wird, können die entsprechenden Hemmstoffe gezielter angewendet werden. Bisher ist nämlich unklar, welche Kinder in welchem Maß von der Therapie profitieren. Einen ersten Erfolg haben die Forscher bereits errungen: Mit einem in Münster entwickelten Test kann S-100, ein weiteres wichtiges Entzündungsprotein, nachgewiesen werden. Die freigesetzte Protein-Menge ist eng an die Krankheitsaktivität gekoppelt und eignet sich deshalb als Anhaltspunkt für den Therapiebedarf. In den vergangenen Jahren konnten die münsterschen Wissenschaftler belegen, dass Kinder, denen nach erfolgreicher Therapie ein Rückfall der Erkrankung droht, schon Monate im Voraus erhöhte Werte für diesen Entzündungsmarker aufweisen – in diesen Fällen kann durch Medikamente gezielt vorgebeugt werden. Umgekehrt zeigen Patienten mit lang anhaltender Ruhe der Grunderkrankung unauffällige Werte.

In dem neuen Projekt soll nun in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Rotterdam untersucht werden, wie man schon vor Therapiebeginn feststellen kann, welche Patienten von einer TNF-α-Hemmung profitieren. Dafür wird unter anderem das 50.000-Euro-Preisgeld verwendet, das den Forschern nun im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Hamburg von einem internationalen Fachgremium zugesprochen worden ist. An der Medizinischen Fakultät der Uni Münster besteht seit mehr als 20 Jahren ein Schwerpunkt auf dem Gebiet der Kinderrheumatologie.

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/wwu/fak_fb/fb5.html

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