Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausgezeichnete Forschung zu Hirntumoren bei Kindern

13.09.2011
Der Heidelberger Wissenschaftler und Kinderarzt Dr. Stefan Pfister erhält den mit 10.000 Euro dotierten Alfred-Müller-Preis 2011. Die Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat den Preis gestiftet und gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum ausgeschrieben.

Krebs bei Kindern kann ganz unterschiedlich schwer verlaufen. Da die Behandlung oft Spätfolgen nach sich zieht, ist es wichtig, möglichst genau einschätzen zu können, wie die Erkrankung fortschreitet. Ganz besonders gilt dies für Hirntumoren des Kindesalters, denn Operation, Strahlen- und Chemotherapie können das Gehirn der Kleinen dauerhaft schädigen und so zu Entwicklungsstörungen und anderen langfristigen Folgeschäden führen.

Privatdozent Dr. Stefan Pfister leitet im Deutschen Krebsforschungszentrum eine Arbeitsgruppe in der Abteilung Molekulare Genetik. Gleichzeitig arbeitet er als Kinderarzt in der Abteilung Pädiatrische Onkologie des Universitätsklinikums Heidelberg. Im Mittelpunkt von Stefan Pfisters Arbeit stehen Hirntumoren bei Kindern, besonders die häufigen Medulloblastome, aber auch Ependymome, niedriggradige Astrozytome und Glioblastome. Stefan Pfister und seine Mitarbeiter konnten zeigen, dass in den Zellen dieser Tumoren das Erbgut auf charakteristische Weise verändert ist. Dabei weist jeder Patient andere Veränderungen auf, die mit dem Grad der Bösartigkeit seiner individuellen Krebserkrankung in Zusammenhang stehen. Dazu zählen etwa die Vervielfältigung oder Verluste bestimmter Erbgutbereiche oder ganzer Chromosomen.

Anhand solcher genetischer Merkmale lassen sich jetzt Risikogruppen klassifizieren, die unterschiedlich schwer verlaufen. Bei sehr guter Prognose können die Ärzte zum Beispiel weniger intensiv behandeln und damit mögliche Spätfolgen reduzieren. Bestimmte Hochrisikopatienten dagegen, die mit den üblichen klinischen und feingeweblichen Untersuchungen nicht erfasst werden, können nun von Anfang an intensiver behandelt werden, was ihre Heilungschancen verbessert.

Mit seinen herausragenden Arbeiten schlägt Stefan Pfister eine Brücke von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung. Damit hat er sich bereits in jungen Jahren in der pädiatrischen Neuroonkologie fest etabliert. Seine bahnbrechenden Ergebnisse führten zu international hoch anerkannten weiterentwickelten Tumor-Klassifikationen und neuen Erkenntnissen über die Entstehung dieser Tumoren. Stefan Pfisters Forschungsergebnisse haben bereits heute unmittelbaren Einfluss auf die Behandlungsstrategien kindlicher Hirntumoren.

Stefan Pfister, 1974 geboren, ist Vater von zwei kleinen Kindern und erhielt für seine Arbeiten bereits eine Vielzahl an Wissenschaftspreisen. Dazu zählen unter anderem der Dr. Hella-Bühler Preis der Universität Heidelberg sowie der Kind-Philipp Preis, die renommierteste Forschungsauszeichnung in der pädiatrischen Onkologie in Deutschland. Der Alfred-Müller-Preis 2011 wird am 13. September im Rahmen des Symposiums „Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung – Herausforderung und Perspektiven“ in München verliehen.

Alfred Müller war viele Jahre Vorstandsmitglied der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. In dieser Funktion hat er vor allem die Fokussierung des Unternehmens auf die Life-Science-Branche vorangetrieben und dabei auch stets die Grundlagenforschung aktiv unterstützt und ihre Bedeutung für die Entwicklung neuer Therapien hervorgehoben. Er erkrankte 2008 an einem Gehirntumor und erlag seiner Krankheit im gleichen Jahr. Ernst & Young und das Deutsche Krebsforschungszentrum wollen mit dem „Alfred-Müller-Preis“ Preis dauerhaft an ihn erinnern. Der Preis soll herausragende Forschung im Bereich der Neuroonkologie auszeichnen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope
20.10.2017 | Freie Universität Berlin

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise