Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augenfolgebewegungen und Schizophrenie

26.01.2010
Humboldt-Preis für Prof. John A. Sweeney - Kooperation mit Lübecker Psychiatrie-Projekt

Störungen der langsamen Augenfolgebewegungen können eine ererbte Anfälligkeit für Psychosen anzeigen. Der weltweit erste positive Kopplungsbefund dazu wurde 1997 von einer Arbeitsgruppe der Universität zu Lübeck veröffentlicht.

Jetzt erhält der amerikanische Psychiater, Neurologe und Psychologe Prof. John A. Sweeney von der University of Illinois at Chicago/USA, der mit der Lübecker Gruppe zusammenarbeitet, einen Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Die mit 60.000 Euro dotierte Auszeichnung ermöglicht es Prof. Sweeney, Forschungsprojekte an der Universität Lübeck durchzuführen.

Psychiater und Neurologen der Universitäten Lübeck und Kiel haben die gemeinsame Neurobiomedizin-Initiative "Intermediäre Phänotypen und Biomarker bei Bewegungsstörungen und assoziierten psychiatrischen Erkrankungen" gebildet. Sprecher sind Prof. Dr. Fritz Hohagen aus Lübeck und Prof. Dr. Günter Deuschl aus Kiel. Im Rahmen des Teilprojekts "Veränderungen der sensomotorischen Kontrolle von Augenbewegungen als intermediärer Phänotyp für psychotische Störungen" haben Priv.-Doz. Dr. Rebekka Lencer und Prof. Dr. Christine Klein aus Lübeck Prof. Sweeney für den Forschungspreis vorgeschlagen.

Dr. Lencer hat 2005 zum Thema "Störungen der langsamen Augenfolgebewegung als Endophänotyp für Schizophrenie" habilitiert. Sie untersuchte die Frage, inwieweit Augenfolgebewegungsstörungen bei Patienten mit psychotischen Störungen Hinweise auf Störungen neuronaler Netzwerke geben können. Die Augenfolgebewegung dient also als Model dafür, auf welche Art und Weise und warum neuronale Netzwerke bei psychotischen Störungen verändert sind, so dass zum Beispiel Wahrnehmungsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen oder Störungen der Reizverarbeitung (sensomotorische Transformation) auftreten können. Methodisch setzen die Lübecker Forscher dafür, zusammen mit der Klinik für Neurologie, okulomotorische Untersuchungsverfahren und Untersuchungen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie ein.

Prof. John A. Sweeney, Direktor des Center for Medicine an der University of Illinois at Chicago, ist einer der weltweit führenden Experten auf genau diesem Gebiet. Prof. Sweeney hat in den letzten beiden Jahrzehnten Hunderte von Patienten mit Schizophrenie, Bipolaren Störungen und Autismus hinsichtlich Störungen der Augenbewegungen und fMRT untersucht.

Das Besondere daran ist, dass er zumeist Ersterkrankte, noch nicht medizierte Patienten untersucht hat, so dass daran insbesondere Effekte der Medikation auf neuronale Systeme erforscht werden können. Zur Zeit leitet er eine große Multicenter Studie in den USA, die der Erforschung der genetischen Faktoren von Psychosen mittels phänotypischer Marker dient (BSNIP-Study). Dr. Lencer hat mit einem Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung von 2007 bis 2009 insgesamt 13 Monate in Chicago mit Prof. Sweeney zusammengearbeitet.

Die Preisverleihung an Prof. Sweeney findet während der Jahrestagung 2010 der Alexander-von-Humboldt-Stiftung im Juni in Berlin statt. Dann kommt Prof. Sweeney voraussichtlich auch nach Lübeck, um hier die neuesten Forschungsergebnisse zu diskutieren und die gemeinsamen Projekte konkret zu planen.

Mit dem Humboldt-Forschungspreis werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihr bisheriges Gesamtschaffen ausgezeichnet, deren grundlegende Entdeckungen, Erkenntnisse oder neue Theorien das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen auch in der Zukunft weitere Spitzenleistungen erwartet werden können. Die Preisträger sind eingeladen, selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr durchzuführen. Der Aufenthalt kann zeitlich aufgeteilt werden. Die Humboldt-Stiftung vergibt nach eigenen Angaben jährlich bis zu 100 Humboldt-Forschungspreise. Die Nominierung erfolgt durch Wissenschaftler in Deutschland.

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-luebeck.de
http://www.uni-luebeck.de/aktuelles/pressemitteilungen/2010/0126swee.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht Sensible Daten besser analysieren
16.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften