Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Astrophysiker auf Kollisionskurs

20.07.2015

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert neue Forschergruppe an der Universität Jena mit rund 2,2 Millionen Euro

Sie haben Namen wie „2M1207 b“, „Kepler-42 b bis d“ oder „Gliese 876 d“, bestehen aus Gas oder Stein und sind Lichtjahre von uns entfernt: extrasolare Planeten und Planetensysteme. Seit einigen Jahren lassen immer wieder neue Entdeckungen von Exoplaneten aufhorchen.


Computersimulation einer sogenannten Trümmerscheibe (engl.: debris discs): das sind Gürtel aus Kometen, Asteroiden und Staub, die einen zentralen Stern umkreisen.

Quelle: Löhne, AIU/FSU


Dr. Harald Mutschke, Dr. Torsten Löhne und Prof. Dr. Alexander Krivov (v.l.) von der Uni Jena werden im Rahmen der DFG-Forschergruppe die Entwicklung von Trümmerscheiben analysieren.

Foto: Jürgen Scheere/FSU

„Es hat sich unter Wissenschaftlern und auch Laien geradezu ein Jagdfieber nach solchen Himmelskörpern entwickelt, die – ähnlich wie die Planeten in unserem Sonnensystem – einen zentralen Stern umkreisen“, stellt Prof. Dr. Alexander Krivov von der Friedrich-Schiller-Universität Jena fest. Und der Astrophysiker weiß: Wo Planeten sind, gibt es oft auch sogenannte Trümmerscheiben. Doch anders als neu entdeckte Planeten stehen diese Gürtel aus Kometen, Asteroiden und Staub weit weniger im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Und auch wissenschaftlich fristeten Trümmerscheiben (engl.: debris discs) bislang eher ein Schattendasein. Doch das soll sich jetzt ändern: Die Astrophysiker um Prof. Krivov werden die Scheiben aus Gesteinsbrocken und Staub in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit Arbeitsgruppen aus Jena, Kiel, Braunschweig und Hamburg intensiv untersuchen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die neu gegründete Forschergruppe „Trümmerscheiben in Planetensystemen“ bis 2018 mit insgesamt 2,2 Millionen Euro. Etwa 1,6 Millionen davon gehen an die Uni Jena. Neben Forschern des Astrophysikalischen Instituts aus der Gruppe von Prof. Krivov und einer weiteren Gruppe sind auch Wissenschaftler des Instituts für Festkörperphysik, des Instituts für Angewandte Physik und Mineralogen der Jenaer Universität beteiligt.

„Trümmerscheiben wurden inzwischen um etwa jeden fünften sonnenähnlichen Stern entdeckt. Sie kommen damit ungefähr genauso häufig vor wie mit aktuellen Methoden detektierte Exoplaneten“, erläutert Prof. Krivov, der Sprecher der neuen Forschergruppe ist und deren Arbeit koordiniert. Im Laufe der Planetenentstehung bildet sich auch eine Vielzahl wesentlich kleinerer Materiebrocken, die den zentralen Stern umrunden. Auf ihrem Weg um ihren Zentralstern kollidieren diese Brocken stetig und erzeugen dabei jede Menge Staub. Für die Forscher sind diese Staub- und Materieansammlungen ebenso wichtige Informationsquellen wie die Planeten selbst: „Sie können z. B. Signaturen noch unentdeckter Planeten tragen oder Auskunft über die Entwicklungsprozesse in Planetensystemen geben“, macht Astrophysiker Krivov deutlich.

Mit der neuen Forschergruppe wird es, so ihr Sprecher weiter, deutschlandweit jetzt die erste größere konzertierte Anstrengung geben, die Trümmerscheiben zu untersuchen. Geplant sei zum einen, die Entwicklung dieser Scheiben anhand theoretischer Modelle zu analysieren.

„Zum anderen werden wir in Laborexperimenten selbst Kollisionen in Trümmerscheiben simulieren und die ablaufenden Prozesse während der Einschläge sowie die Wechselwirkung von Staub und Sternenstrahlung untersuchen“, kündigt Krivov an. Dabei kommen auch Laser zum Einsatz:

So wollen die Forscher die Kollisionen von Meteoriten oder kleineren Gesteinsbrocken mittels ultrakurzer Laserpulse simulieren. Anhand der theoretischen und experimentellen Ergebnisse sollen in den kommenden drei Jahren nun detaillierte Modelle bereits bekannter Trümmerscheiben erstellt und langfristig auch Vorhersagen für zukünftige Beobachtungen ermöglicht werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Alexander Krivov
Astrophysikalisches Institut und Universitätssternwarte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Schillergässchen 2-3, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 947530
E-Mail: krivov[at]astro.uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten