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Antikörper bremst Hirntumor

01.07.2013
Ein Frankfurter Wissenschaftler hat einen Antikörper identifiziert, mit dem die Ausbreitung von Hirntumoren eingeschränkt werden kann. Dafür erhält der Nachwuchsforscher den Förderpreis des Burse e.V. für herausragende wissenschaftliche Leistungen.

Glioblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumore bei Erwachsenen. Die Heilungschancen für Betroffene sind bisher sehr schlecht. Die Überlebensrate der Patienten, bei denen ein Glioblastom diagnostiziert wurde, liegt nach drei Jahren bei unter 20 Prozent.

Dr. Florian Andreas Geßler (28), Assistenzarzt in der Klinik für Neurochirurgie am Frankfurter Universitätsklinikum, hat nun im Rahmen seiner Doktorarbeit herausgefunden, dass das Protein mit dem Namen Tissue Factor (TF) für das Tumorwachstum mitverantwortlich ist. Auf dieser Grundlage konnte er auch einen Antikörper identifizieren, durch den das Tumorzellwachstum deutlich reduziert werden kann.

Für diese Arbeit hat Dr. Geßler den Förderpreis des Burse e.V. für herausragende wissenschaftliche Leistungen erhalten. Die Auszeichnung wurde am 27. Juni im Rahmen der Akademischen Feier der Freunde und Förderer der Goethe-Universität offiziell übergeben.

„Ich freue mich, dass Dr. Geßlers hervorragende wissenschaftliche Leistung mit diesem Preis gewürdigt wird. Mit seiner Arbeit hat er die Grundlage für eine wirksamere Therapie von Glioblastomen gelegt“, sagt Prof. Volker Seifert, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum und Geßlers Doktorvater.

Das Signal zum Tumorwachstum dämpfen

Wegen des unkontrollierten Wachstums der Glioblastome ist das Verständnis der molekularen Prozesse von Zellvermehrung und -invasion für eine wirksame Therapie notwendig. Es ist bekannt, dass das Protein TF die Blutgerinnung mit auslöst und damit eine für den Körper wichtige Funktion bei Verletzungen erfüllt. Demgegenüber konnte aber in vorherigen Studien auch eine zentrale Rolle von TF bei der Ausbreitung verschiedener Tumoren nachgewiesen werden. Dr. Geßler hat in seiner Arbeit konkret den Einfluss von TF auf das Verhalten von Hirntumoren untersucht. Für die Ausbreitung von Tumoren – wie bei vielen anderen Veränderungen der Zellen auch – sind sogenannte Signale notwendig, durch die zelluläre Veränderungsprozesse erst in Gang gesetzt werden. In der Forschungsarbeit konnte nachgewiesen werden, dass TF eine wesentliche Funktion in der Signalübermittlung von Hirntumorzellen hat und daher zu einer Vermehrung von Tumorwachstum, -zellbewegung und -invasion führt. Darüber hinaus konnte Dr. Geßler zeigen, dass die Proteine PAR-2 und beta-Arrestin 1 wesentlich an der durch TF vermittelten Signalübertragung beteiligt sind und wichtige Funktionen in der Entwicklung der Tumoren besitzen.
In Kenntnis dieser Ergebnisse wurde in der Arbeit ein Antikörper eingesetzt, der die Signalübermittlung von TF hemmt, gleichzeitig jedoch die wichtige Gerinnungsinitiierung von TF nicht beeinträchtigt. Mit dem Antikörper behandelte Glioblastomzellen zeigten in der Folge eine deutlich reduzierte Tumorzellbewegung sowie -invasion und auch das Tumorzellwachstum war reduziert. Die Unterdrückung der TF-Signale mit Hilfe eines Antikörpers stellt also einen vielversprechenden Ansatz zur Therapie der bösartigen Hirntumore dar.

Über Burse e.V.

Burse e.V. ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Studentenhilfe an der Goethe-Universität Frankfurt. Zu den Aufgaben des Vereins gehören unter anderem die Unterhaltung eines Studentenwohnheims, die Unterstützung Studierender durch Stipendien, die Förderung der Begegnung zwischen Studierenden der Goethe-Universität und ausländischen Universitäten sowie insbesondere die Verleihung des Förderpreises für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Die Vergabe des mit 3.000 Euro dotierten Preises findet in diesem Jahr erstmalig im Rahmen der Akademischen Feier der Freunde der Universität statt.

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

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