Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aachener Ingenieurpreis für Berthold Leibinger

08.09.2014

RWTH und Stadt Aachen zeichneten Ingenieur für sein Lebenswerk aus

Bei einem Festakt im Alten Kurhaus ist am 5. September zum ersten Mal der Aache-ner Ingenieurpreis verliehen worden. Die RWTH Aachen und die Stadt Aachen zeichneten das Lebenswerk von Professor Berthold Leibinger (83) aus. Der passio-nierte Ingenieur und visionäre Vordenker aus dem schwäbischen Ditzingen hat maßgeblich dazu beigetragen, die Lasertechnik in Deutschland zu etablieren und weiterzuentwickeln.

Das Wesen des Ingenieurs im Allgemeinen und das Leben und Wirken Leibingers im Besonderen fasste Laudator Professor Reinhart Poprawe zusammen. Er leitet seit 1996 den Lehrstuhl für Lasertechnik der RWTH Aachen und ist Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik Aachen.

„Ein guter Ingenieur ist fleißig, neugierig und ehrfürchtig vor der Natur. Und er kombiniert wohlgeordnete Erkenntnis mit Technik“, so Poprawe. Diese Eigenschaften könnten insbesondere dem Preisträger zugeschrieben werden. Dessen Lebensmotto zitierte Poprawe: „Irgendwann wurde mir klar, dass wir auf der Welt sind, um etwas zu tun.“

Das hat Leibinger mit Energie und Zielstrebigkeit umgesetzt. Er begann eine Lehre bei der Firma Trumpf und studierte parallel dazu Maschinenbau an der Technischen Hochschule Stuttgart. Bei Trumpf entwickelte er neue Maschinen und führte Ende der 1970-er Jahre den Laser als Werkzeug zum Schneiden und Schweißen ein. Dazu entwickelte er eigene Laser, die immer leistungsfähiger und präziser wurden. Als Teilhaber der Firma Trumpf baute er das Unternehmen zu einem weltweit erfolgreichen Werkzeugmaschinen-Hersteller aus. Dass heute 40 Prozent aller Strahlquellen weltweit in Deutschland produziert werden, ist auch das Verdienst Leibingers.

Laudator Reinhart Poprawe bescheinigte dem ersten Aachener Ingenieurpreisträger nicht nur technischen Genius. Berthold Leibinger verstehe Technik immer auch als Teil unserer Kultur. Er scheue keinen Aufwand, den Dingen bis ins Detail nachzugehen, dazu sei er „asketisch, fokussiert, unprätentiös“. Deshalb dürfe man auf Leibinger eine alte Bezeichnung anwenden, die man im 19. Jahrhundert für Ingenieure verwandte: Er sei ein wahrer Kunstmeister.

Mit dem Aachener Ingenieurpreis wollen die RWTH und die Stadt Aachen ein Signal vor allem an junge Menschen aussenden, betonte Oberbürgermeister Marcel Philipp. Die Lebensleistung des ersten Preisträgers führe gerade den Absolventen der Ingenieurwissenschaften beispielhaft vor, dass man für Erfolg Ehrgeiz und Esprit brauche.

Die Vorbildfunktion des Preisträgers und der neuen Auszeichnung hob auch RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg hervor, zugleich Sprecher des Beirats, der die Preisträger auswählt. Mit Berthold Leibinger sei ein würdiger Vertreter gefunden worden, der Chancen erkannt und sie in seinem Unternehmen auch mit höchstem Erfolg zur Anwendung gebracht habe.

Berthold Leibinger nahm den neuen Preis in Form einer Skulptur, bestehend aus kreuzenden Stahl-Ellipsen, beeindruckt entgegen. Zur RWTH habe er stets eine besondere Beziehung gehabt, sei es durch die Teilnahme an Kolloquien oder durch Einladungen, selbst Vorträge in Aachen zu halten. Bei der Entwicklung eigener Laser vor etwa 40 Jahren habe man die Unterstützung der Wissenschaft gebraucht. Die deutsche Laserindustrie sei von Aachen aus inspiriert und begleitet worden. Heute stünden deutsche Unternehmen im harten internationalen Wettbewerb vor allem mit der neuen Konkurrenz aus China. Die RWTH und der Standort Aachen spielten hier eine große Rolle, sich den Herausforderungen zu stellen.

Sponsor des Preises, der künftig einmal im Jahr vergeben wird, ist die Sparkasse Aachen. Sie will damit den Ruf der Stadt und der RWTH als Talentschmiede für künftige Fachkräfte und Unternehmensgründer fördern. Gestiftet wird die Skulptur vom VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. Dessen Präsident Professor Udo Ungeheuer bezeichnete die RWTH „als eines der weltweit renommiertesten Aushängeschilder der deutschen Ingenieurausbildung“. Für angehende Ingenieurinnen und Ingenieure sei es „wichtig und richtig, sich der eigenen bedeutenden Rolle in der Gesellschaft und dem steigenden Image dieses Berufszweiges bewusst zu sein. Auch hierzu soll und wird der Aachener Ingenieurpreis beitragen.“ Die Auszeichnung zeige Erfolgsgeschichten, die Orientierung geben, inspirieren und der Öffentlichkeit zeigen würden, was Ingeni-eure für die Gesellschaft leisten.

Eine Höchstleistung ganz anderer Art erlebten der Preisträger und die zahlreichen Gäste aus Wissenschaft, Gesellschaft und Politik: Die elfjährige Pianistin Laetitia Hahn verzauberte das Publikum mit Werken von Bach und Mendelssohn-Bartholdy und setzte damit das künstlerische Ausrufezeichen der festlichen Preisverleihung.

Thomas von Salzen | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Ingenieurpreis Laser Lasertechnik Leibinger RWTH Skulptur Technik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über zwei Millionen für bessere Bordnetze
28.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie