Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

750 000 Euro von Carl-Zeiss-Stiftung: Zukunftswerkstatt für intelligente Fahrzeuge in Ulm

25.07.2013
Im Forschungszentrum für kooperative, hochautomatisierte Fahrerassistenzsysteme und Fahrfunktionen wollen Ulmer Wissenschaftler aus den Ingenieurwissenschaften, der Informatik und Psychologie automatisierte Fahrzeuge entwickeln, die sich ganz ohne Fahrereingriff sicher durch den Straßenverkehr bewegen.

Die Autos sollen sogar untereinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren. Jetzt hat die Carl-Zeiss-Stiftung zugesagt, das Forschungszentrum in den kommenden vier Jahren mit 750 000 Euro zu unterstützen (Programms zur Stärkung von Forschungsstrukturen an Universitäten).

Abstandswarnsysteme, Brems- und Parkassistenten finden sich schon heute in vielen Serienfahrzeugen – allerdings erleichtern sie nur bestimmte Situationen im Straßenverkehr. Im Forschungszentrum für kooperative, hochautomatisierte Fahrerassistenzsysteme und Fahrfunktionen (F3) wollen Ulmer Wissenschaftler aus den Ingenieurwissenschaften, der Informatik und Psychologie diese Technologien erweitern und letztlich automatisierte Fahrzeuge entwickeln, die sich ganz ohne Fahrereingriff sicher und effizient durch den Straßenverkehr bewegen.

Diese intelligenten Automobile sollen sogar untereinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren können und sich individuell auf den jeweiligen Fahrer einstellen. Die Forschungsvision der Wissenschaftler um Professor Klaus Dietmayer, Direktor des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik, hat die Carl-Zeiss-Stiftung überzeugt: In den kommenden vier Jahren wird sie die Einrichtung des Zentrums mit 750 000 Euro unterstützen. Die Förderung erfolgt im Rahmen des Programms zur Stärkung von Forschungsstrukturen an Universitäten 2013.

Mit dem Zentrum F3 wird in Ulm eine bundesweit einzigartige Struktur für die anwendungsnahe Grundlagenforschung im Bereich des automatisierten Fahrens geschaffen. Professor Klaus Dietmayer, Sprecher des Zentrums, erklärt die Hintergründe: „Die Zahl der Verkehrstoten ist seit einigen Jahren rückläufig – auch dank verbesserter Fahrerassistenzsysteme. Analysen schwerer Unfälle zeigen jedoch, dass weiter optimierte Assistenzsysteme und insbesondere das hochautomatisierte Fahren die Unfallzahlen weiter senken könnten.“ Solche selbst steuernden Fahrzeuge würden zudem älteren Menschen helfen, trotz altersbedingter Einschränkungen länger mobil zu bleiben.

Dazu kommt der Wunsch vieler Autofahrer nach Komfort: Vermutlich würden sich viele Fahrer gern von ihrem „intelligenten Fahrzeug“ zum Arbeitsplatz chauffieren lassen. Bei diesen „Routinefahrten“, häufig im zäh fließenden Verkehr, könnten sie zum Beispiel E-Mails lesen. Autos, die untereinander sowie mit der Verkehrsinfrastruktur vernetzt sind, tragen womöglich zu einer effizienteren Nutzung des Straßennetzes bei. Sie bräuchten weniger Treibstoff, würden also weniger Kohlenstoffdioxid ausstoßen.

Und so könnten die technischen Rahmenbedingungen der (hoch-)automatisierten Fahrzeuge aussehen: Sensoren senden die nötigen Umweltinformationen an das Auto. Dann analysieren integrierte Mini-Computer die Daten, vergleichen sie mit der eigenen Wahrnehmung durch bordeigene Sensoren, planen die nächsten Manöver und steuern Bremse, Gas und Lenkrad an. Über Funkmodule können die Autos untereinander beziehungsweise mit ihrer Umgebung kommunizieren und nahende Fahrzeuge zum Beispiel vor Staus oder Baustellen warnen. Multimodale Bedienkonzepte im Auto erlauben die flexible Interaktion mit dem Fahrer.

Als „Werkstatt und Labor“ für diese Zukunftsmobile bietet die Universität Ulm beste Bedingungen: Klaus Dietmayer und seine Mitarbeiter forschen seit über zehn Jahren zu Fahrerassistenzsystemen – unter anderem im gemeinsamen Innovationszentrum mit der Daimler AG „driveU“. Die Ingenieure bringen zudem mehrere Versuchsfahrzeuge in das Forschungszentrum ein.

Wie sich „intelligente“ technische Systeme auf ihre Nutzer einstellen können, wird im kürzlich verlängerten interdisziplinären Sonderforschungsbereich/TRR 62 „Eine Companion-Technologie für kognitive technische Systeme“ erforscht, an dem mehrere F3-Mitglieder beteiligt sind. Außerdem ist die Mensch-Maschine-Interaktion ein Schwerpunkt der in Ulm stark kognitions- und technikorientierten Psychologie.

Im Forschungszentrum wird Professorin Anke Huckauf, Leiterin der Abteilung für Allgemeine Psychologie, von dem zukünftigen Professor – respektive von der Professorin – für Human Factors mit dem Schwerpunkt Verkehrspsychologie unterstützt.

Auf Seiten der Informatik tragen Professor Michael Weber, Direktor des Instituts für Medieninformatik und Experte für Bedienschnittstellen in Fahrzeugen, und Professor Frank Kargl, Direktor des Instituts für Verteilte Systeme mit den Schwerpunkten Kommunikation, IT-Sicherheit und Datenschutz im Automobilbereich, zum Schwerpunkt bei. Die Gruppe wird durch Professor Christian Waldschmidt (Institut für Mikrowellentechnik) komplettiert, der an neuen Radarsensorkonzepten für Fahrerassistenzsysteme forscht.

In den kommenden Jahren wollen die Wissenschaftler die Fähigkeiten eines menschlichen Fahrers teilweise auf Automobile übertragen. Sie planen, eine robuste 360-Grad-Erfassung der Fahrumgebung zu entwickeln und das „Situationsverstehen“ der Autos zu verbessern. Dazu soll das Fahrzeug auch in eine intelligente Verkehrsinfrastruktur eingebunden werden und aktiv mit benachbarten Fahrzeugen kommunizieren. Weiterhin will die Gruppe zu neuen Kombinationsmethoden von Kameras, Radaren sowie Lasersystemen forschen und letztlich innovative Methoden für die Regelung hochautomatisierter Fahrfunktionen vorstellen. „Aus psychologischer Sicht untersuchen wir, wie Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer hochautomatisierte Fahrfunktionen schätzen und akzeptieren, und was der Umgang mit ihnen bewirkt“, erklärt Psychologieprofessorin Anke Huckauf. Weitere Forschungsaktivitäten zur Rolle des Fahrers und zu seinen potentiellen Nebenaufgaben (E-Mail lesen, Videos schauen) runden den Fragenkatalog ab.

Die Carl-Zeiss-Stiftung fördert Natur- und Ingenieurwissenschaftliche Forschung an staatlichen Hochschulen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen: Im Programm zur Stärkung von Forschungsstrukturen an Universitäten unterstützt die Stiftung wissenschaftlich exzellente, interdisziplinär arbeitende Gruppen bei der Behebung struktureller Defizite. Die Förderdauer beträgt vier Jahre. Weiterhin fördert die Stiftung den wissenschaftlichen Nachwuchs und hat zusammen mit der „German Scholars Organization“ ein Rückkehrerprogramm für Wissenschaftler ins Leben gerufen, die im Ausland forschen.

Die Carl-Zeiss-Stiftung wurde 1889 von Ernst Abbe gegründet und nach seinem Geschäftspartner Carl Zeiss benannt. Heute ist die Stiftung mit Sitzen in Heidenheim an der Brenz und Jena Alleininhaberin der Carl Zeiss AG Oberkochen und der SCHOTT AG Mainz.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Klaus Dietmayer: 0731/50-26302
Prof. Dr. Christian Waldschmidt, Tel.: 0731/50-26356

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops