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35 Jahre lang Wegbegleiterin in ein Leben mit Dialyse und Spenderniere

17.04.2012
Kinderhilfe Organtransplantation zeichnete Evelyn Reichwald-Klugger mit Helmut Werner-Preis 2011 für ihr Lebenswerk aus

Dass heute in ganz Deutschland chronisch nierenkranke sowie transplantierte Kinder und Jugendliche umfangreiche psychosoziale Unterstützung erhalten – sei es psychologische Betreuung, Beratung der Familie oder Hilfe zur Bewältigung des Alltags – ist zu großen Teilen das Verdienst von Evelyn Reichwald-Klugger.

Für ihre Lebensleistung ist die 60-jährige Psychologin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg im März 2012 von der Kinderhilfe Organtransplantation mit dem Helmut Werner-Preis 2011 ausgezeichnet worden. Das Preisgeld von 5.000 Euro spendete sie dem Elternverein „Nierenkranke Kinder und Jugendliche e.V. Heidelberg“, der damit die diesjährige Freizeit für junge Nieren-Patienten der Region finanziert.

Die Kinderhilfe Organtransplantation (KiO) ist eine Initiative des Vereins „Sportler für Organspende“. Die Auszeichnung erinnert an den früheren Mercedes-Chef Helmut Werner.

„Evelyn Reichwald-Klugger ist zweifelsohne eine Pionierin der psychosozialen Betreuung chronisch nierenkranker Kinder- und Jugendlicher“, betonte Diplom-Psychologe Dirk Bethe, langjähriger Kollege am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg, bei seiner Laudatio. „Wir gratulieren Evelyn Reichwald-Klugger ganz herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung für ihren herausragenden Einsatz für die jungen Patienten und ihre Familien“, sagt Professor Dr. Georg Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Zentrums. Im Mai 2012 wird sie nach 35-jährigem Einsatz am Universitätsklinikum Heidelberg in den Ruhestand verabschiedet.

Jährlich sind in Deutschland etwa 150 Kinder und Jugendliche von endgültigem Nierenversagen betroffen. Die lebensbedrohliche und unheilbare Erkrankung bestimmt den Alltag der ganzen Familie. Für die Patienten bringt sie häufige schmerzhafte Behandlungen, ggf. dreimal wöchentlich Dialyse, Klinikaufenthalte und strenge medizinische Auflagen wie Diätvorgaben oder Medikamentenpläne mit sich. Darunter leiden nicht nur Schule und Ausbildung, sondern auch Freundschaften und Familienbande.

Erstes psychosoziales Behandlungskonzept für chronisch nierenkranke Kinder
Die enormen seelischen Belastungen für Patienten und Familien kann die medizinische Versorgung allein nicht abfangen. Als Evelyn Reichwald-Klugger 1976 an der Universitäts-Kinderklinik anfing, sieben Jahre nachdem in Heidelberg das erste Kind eine Spenderniere erhalten hatte und zwei Jahre nach Eröffnung des Kinderdialysezentrums, steckte die psychosoziale Betreuung der Familien noch in den Kinderschuhen. „Es gab zwar vereinzelt erste Stellen für Psychologen, aber noch keine Erfahrungen auf diesem Gebiet“, erinnert sich Evelyn Reichwald-Klugger.

Von Anfang an engagierte sie sich dafür, dieses neue Teilgebiet innerhalb der Kindernephrologie zu stärken und auszubauen – nicht nur in Heidelberg, sondern deutschlandweit. Gemeinsam mit Kollegen aus Heidelberg und Münster entwickelte sie im Rahmen eines von der VW-Stiftung geförderten Projekts von 1979 bis 1982 ein bis heute wegweisendes Konzept mit Ratschlägen für die psychosoziale Begleitung der Familien. Gleichzeitig entstanden umfangreiche Informationsmaterialien speziell für Kinder, die Themen wie Nierenerkrankungen, Dialyse und Transplantation altersgerecht erklären.

Langfristiger Erfolg: Psychosoziale Betreuung in Regelversorgung übernommen

Doch was nützt ein Behandlungskonzept ohne Therapeuten, die es umsetzen? Da es bis dato nur an den Universitätskliniken Heidelberg, Münster und Hannover Psychologen für die Betreuung nierenkranker Kinder gab, engagierte sich Reichwald-Klugger 1987 mit finanzieller Unterstützung des damaligen Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung in einem weiteren Modellprojekt. An fünf deutschen Kinder-Nierenzentren wurden psychosoziale Stellen eingerichtet und deren Nutzen für die betroffenen Familien in Heidelberg ausgewertet. Mit Erfolg: Die psychosoziale Betreuung wurde in die Regelversorgung übernommen und ist heute fester Bestandteil der Therapie in allen inzwischen 18 kindernephrologischen Zentren in Deutschland.

Schon während dieser Projektzeit bot das Heidelberger Team Fortbildungen für die neu entstandene Fachgruppe an, es entwickelte sich eine enge bundesweite Zusammenarbeit mit jährlichen Fachsymposien und multizentrischen Studien. „Diese Zusammenarbeit hat sich gut entwickelt, inzwischen werden die Symposien eigenständig von den gastgebenden Kinderzentren ausgerichtet“, freut sich Reichwald-Klugger. Von 1998 bis 2006 leitete die Preisträgerin zudem die „Europäische Arbeitsgruppe zu psychosozialen Aspekten bei chronisch nierenkranken Kindern (EWOPA)“, die sie auch heute noch im Vorstand begleitet. Mitglieder sind u.a. Psychologen, Ärzte, Therapeuten, Diätassistenten, Pfleger, Sozialarbeiter, Lehrer und Geistliche aus ganz Europa.
Ferienfreizeit entlastet Kinder und Familien

Im Zentrum ihrer Arbeit stand jedoch der tägliche Einsatz für ihre „Nierenkinder“ und deren Familien. Seit 1987 leitete sie das psychosoziale Team der Universitäts-Kinderklinik bestehend aus Psychologen, Heilpädagogen und Sozialarbeitern. „Sie begegnet den Menschen mit viel Wertschätzung und Empathie, seien es Patienten, Eltern oder Kollegen“, so Dirk Bethe. So war und ist es für sie selbstverständlich, die Selbsthilfeaktivitäten der Patienten aktiv zu begleiten und zu unterstützen, vor allem im regionalen Elternverein. Besonders am Herzen liegt ihr die alljährliche, unter ihrer Leitung vom Kinderklinikteam durchgeführte Ferienfreizeit für dialysepflichtige und nierentransplantierte Kinder und Jugendliche. „Die Kinder werden dort rundum versorgt und von ihrem Handicap abgelenkt. Anders als in der Schule sind sie unter anderen betroffenen Kindern keine Außenseiter“, beschreibt Reichwald-Klugger. „Zudem entlastet es die Familien.“
Weitere Informationen im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Psychologie-Sozialarbeit.930.0.html
http://www.nierenkinder-heidelberg.de
http://www.ewopa-renalchild.com
http://www.ipsa-pn.de

Kontakt:
Diplom-Psychologe Dirk Bethe
Tel.: 06221 / 56 23 96 (Sekretariat Pädiatrische Nephrologie)
E-Mail: dirk_bethe@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
komm. Leiterin Unternehmenskommunikation
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

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