Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

250.000 Euro DFG-Forschungsförderung für Greifswalder Kriminologie

19.09.2012
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat für ein Forschungsprojekt an der Universität Greifswald 250.000 Euro bewilligt.
Das Projekt Untersuchungshaft in Europa wird von Dr. Christine Morgenstern am Lehrstuhl für Kriminologie (Prof. Dr. Frieder Dünkel) geleitet. Ziel ist, rechtliche und praktische Bedingungen der Untersuchungshaft in Europa zu vergleichen und Möglichkeiten und Risiken grenzüberschreitender Zusammenarbeit auf diesem Gebiet auszuloten.

Untersuchungshaft wird angeordnet, um bei Flucht- oder Verdunkelungsgefahr das Strafverfahren abzusichern. Andere Zwecke – etwa eine der Tat auf dem Fuße folgende Bestrafung oder auch eine frühe Abschreckung durch Gefängniserfahrung – dürfen nicht verfolgt werden.

In den 47 Mitgliedstaaten des Europarats gab es im September 2009 etwa 370.000 Untersuchungsgefangene. Innerhalb der Europäischen Union waren es ca. 136.000, in Deutschland gut 11.000. Viele von ihnen waren nicht Staatsbürger des Landes, in dem die Untersuchungshaft vollzogen wurde. Für alle Untersuchungsgefangenen gilt die Unschuldsvermutung.

Dennoch dauert diese Haft, in der die Insassen europaweit in aller Regel schlechtere Bedingungen als im Strafvollzug vorfinden, oft viele Monate, manchmal auch Jahre. Dies wird unter Menschenrechtsgesichtspunkten problematisiert, bereitet den Justizverwaltungen jedoch auch unter Organisations- und Kostenaspekten erhebliche Sorgen. Die mediale Aufmerksamkeit für spektakuläre Fälle und die Bedürfnisse einer mitunter populistischen Kriminalpolitik sorgen für zusätzliche Schwierigkeiten in diesem Bereich. Gleichzeitig wird das Ausmaß, in dem Untersuchungshaft eingesetzt wird, im europäischen Vergleich aber als Ausdruck eines bestimmten rechtskulturellen Niveaus betrachtet.

Verurteilungen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen überlanger Untersuchungshaft oder schlechten Haftbedingungen sind politisch unerwünscht. Innerhalb der EU stellt die Tatsache, dass auch Beschuldigte aus dem EU-Ausland noch immer häufig mit dem pauschalen Hinweis auf Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen werden, ein drängendes aktuelles Problem dar. Untersuchungshaftvermeidung muss daher sowohl national wie auch auf europäischer Ebene ein kriminalpolitisches Anliegen sein. Es fehlt aber an Forschung, die ein solches Anliegen begleiten könnte und die sowohl fundierte Kenntnisse nationaler Systeme – d. h. ihres Rechts und ihrer Praxis – als auch ein ausreichendes Verständnis für die europarechtlichen Vorgaben und die europäischen kriminalpolitischen Bedingungen aufbringt. Diese Lücke soll das vorliegende Projekt schließen.

Das Greifswalder Projekt, das am Lehrstuhl von Prof. Dr. Frieder Dünkel angesiedelt ist, soll innerhalb von 36 Monaten abgeschlossen werden. Wichtiger Bestandteil des Forschungsprogramms sind Arbeitsaufenthalte in den untersuchten Staaten, die Besuche in Haftanstalten und Interviews bei Gerichten und Staatsanwaltschaften einschließen. Unerlässlich für das Gelingen ist auch die Zusammenarbeit mit europäischen Kolleginnen und Kollegen. Hier kann Dr. Christine Morgenstern auf ein von ihr mit initiiertes Forschungsnetzwerk zurückgreifen, das von der European Science Foundation und der EU gefördert wird.

Dr. Christine Morgenstern absolvierte ihr Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg, Hamburg und San Sebastian. Seit 1997 arbeitet Frau Dr. Morgenstern am Lehrstuhl für Kriminologie der Universität Greifswald. Mit dem Thema „Internationale Mindeststandards für ambulante Strafen und Maßnahmen“ erwarb sie im Jahr 2002 ihren Doktortitel an der Universität Greifswald. Ihre Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald e. V. für herausragende Dissertationen der Universität Greifswald ausgezeichnet.

Das Foto kann für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Dabei ist der Name des Bildautors zu nennen.
Download http://www.uni-greifswald.de/informieren/pressestelle/download-presseinformationen/pressefotos-2012/pressefotos-september-2012.html

Ansprechpartnerin an der Universität Greifswald
Dr. Christine Morgenstern
Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl für Kriminologie
Domstraße 20b, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-2147
mostern@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie