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21 Millionen für "Synthetische Mikrobiologie"

09.07.2009
Die Ergebnisse in der zweiten Wettbewerbsrunde des hessischen Forschungsförderungsprogramms "LOEWE - Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz" wurden gestern in Wiesbaden bekannt gegeben: Die Philipps-Universität Marburg ist zusammen mit der Max-Planck-Gesellschaft, vertreten durch das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie (MPI), mit dem LOEWE-Zentrum "Synthetische Mikrobiologie" erfolgreich.

Zusätzlich ist die Universität Marburg beteiligt am LOEWE-Zentrum "UGMLC - Universities of Giessen and Marburg Lung Center" sowie am LOEWE-Schwerpunkt "Präventive Biomechanik".

"Es ist ein großer Erfolg, dass wir uns mit diesem Zentrum im LOEWE-Wettbewerb durchsetzen konnten", freut sich Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Nienhaus über das Marburger Ergebnis. Der ausgewählte Antrag belege einmal mehr die Leistungsfähigkeit der Lebenswissenschaften in der für Marburg charakteristischen Interdisziplinarität und Zusammenarbeit mit dem hiesigen Max-Planck-Institut.

Der Präsident dankte den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des MPI und der Universität für ihr anhaltend großes Engagement, das mit der Bewilligung heute belohnt wurde und für die erfolgreiche Realisierung des Vorhabens weiterhin unverzichtbar ist. "Auch die Erfolge der medizinischen Anträge sind überzeugende Belege für die mittelhessische Forschungsstärke", äußerte sich Nienhaus erfreut.

Die Philipps-Universität Marburg und das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie verfügen bereits jetzt über einen der größten Schwerpunkte mikrobiologischer Forschung in Deutschland. "Durch das Zusammenwirken von 26 existierenden Gruppen und durch die Gründung weiterer Arbeitsgruppen sowie einer Graduate School kann nun die Entwicklung des neuen Forschungsfeldes noch stärker vorangetrieben und in Zusammenarbeit mit der Max-Planck-Gesellschaft auf Dauer ein international einzigartiges Zentrum aufgebaut werden", sagt Prof. Dr. Katharina Krause, Marburger Vizepräsidentin für Forschung.

In der "Synthetischen Mikrobiologie" geht die Mikrobiologie über den Schritt des Eingreifens und der Veränderung einzelner Proteine, Biosynthesewege oder Proteinkomplexe hinaus und strebt das gezielte Design größerer Strukturen oder Zellen mit vorgegebenen Eigenschaften an. Dabei verspricht die kombinierte Anwendung von synthetischen und analytischen Forschungsansätzen grundsätzlich neue Einblicke in die Funktionsweise mikrobieller Zellen.

Die wissenschaftliche Koordination des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie verantworten Prof. Dr. Lotte Sogaard-Andersen, die Direktorin im Max Planck Institut für terrestrische Mikrobiologie und Professorin im Fachbereich Biologie ist, und der Marburger Physik-Professor Dr. Bruno Eckhardt. "Unsere Arbeitsgruppen sind auf zentralen Gebieten der Mikrobiologie ausgewiesen und haben wesentlich zum Verständnis mikrobieller Zellfunktionen beigetragen. Diese Expertise wollen wir in Kooperation mit Vertretern aus den Bereichen mathematische Modellierung und Simulation biologischer Systeme, Bioinformatik und Bioethik zu einem interdisziplinären Forschungszentrum ausbauen", erklären Sogaard-Andersen und Eckhardt das neue LOEWE-Zentrum, das zunächst auf eine Laufzeit von sechs Jahren angelegt ist.

Im zweiten erfolgreichen LOEWE-Zentrum "UGMLC - Universities of Giessen and Marburg Lung Center", das die Universität Gießen zusammen mit der Universität Marburg und dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung Bad Nauheim beantragt hat, sollen alle relevanten wissenschaftlichen und klinischen Kompetenzen der universitätsmedizinischen Standorte Gießen und Marburg und des MPI für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim auf dem Gebiet der entzündlichen und hyperproliferativen Erkrankungen der Lunge und Atemwege zusammengeführt und fortentwickelt werden. Erkrankungen der Lunge und der Atemwege gehören hinsichtlich Morbidität, Mortalität und sozioökonomischer Belastung des Gesundheitssystems weltweit zu den dominierenden Krankheitsgruppen. Ziel UGMLC ist es, ein international führendes translationales Forschungszentrum zu errichtren und verbesserte diagnostische und therapeutische Konzepte für die betroffenen lungenerkrankten Patienten zu entwickeln.

Der dritte erfolgreiche Antrag zu dem LOEWE-Schwerpunkt "Präventive Biomechanik" wurde von der Fachhochschule Frankfurt, der Universität Frankfurt, der Universität Marburg und der Berufsakademie Mosbach gestellt. Er zielt auf ein besseres Verständnis von Weichgewebsregionen und die Reduktion von Gefährdungen durch Stützkonstruktionen beziehungsweise Hilfsmittel ab.

Forschungsprojekte im Volumen von 53,4 Millionen Euro bewilligt

Für das Forschungsförderprogramm der Hessischen Landesregierung wurden in der zweiten Staffel zwei Antragsprojekte für LOEWE-Zentren (Förderlinie 1) und vier Antragsprojekte für LOEWE-Schwerpunkte (Förderlinie 2) ausgewählt. Diese Zentren und Schwerpunkte, an denen sich Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Hessen kooperierend beteiligen, werden vom Land mit insgesamt 53,4 Millionen Euro unterstützt. "Dieser Betrag ist der Höchste, den eine hessische Landesregierung jemals zur Förderung der Forschung im Land zur Verfügung gestellt hat", sagte der LOEWE-Kommissionsvorsitzende, Staatssekretär Gerd Krämer bei der Pressekonferenz in Wiesbaden.

Zentrale Auswahlkriterien seien die Relevanz des Antragsthemas, die Kohärenz des Antrags, die fachliche Kompetenz der beteiligten Wissenschaftler, die insbesondere durch die Drittmitteleinwerbung und Publikationen ausgewiesen seien, sowie die Aussichten, durch das Antragsprojekt nachhaltige Strukturen zu erreichen. Der Vorsitzende des LOEWE-Programmbeirats und frühere Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, betonte, dass das LOEWE-Programm in seiner wettbewerblich ausgerichteten Programmatik und in seinem Finanzvolumen bundesweit einzigartig sei.

"Synthetische Mikrobiologie"

FÖRDERUNG: 21,3 Millionen Euro über eine Laufzeit von 3 Jahren

FORSCHUNGSTHEMA: Stimuliert durch technologische Neuentwicklungen hat sich die neue wissenschaftliche Disziplin der "Synthetischen Biologie" entwickelt. In diesem Feld geht die Forschung über den Schritt der Veränderung einzelner Gene, Proteine oder Proteinkomplexe hinaus und strebt das gezielte Neudesign von biologischen Einheiten an. Die Synthetische Biologie entwickelt sich derzeit besonders rasch in der Mikrobiologie, da Mikroorganismen eine vergleichsweise geringe Komplexität aufweisen. Mikroorganismen sind omnipräsent, und ihre Anwesenheit ist Voraussetzung für Leben auf unserem Planeten, aber sie sind auch Verursacher vieler Krankheiten.

Dies und ihre breite biotechnologische Nutzbarkeit erklärt das große Forschungsinteresse an dieser Organismengruppe. Die "Synthetische Mikrobiologie" integriert als stark interdisziplinäres Fachgebiet die Bereiche mikrobielle Biochemie, Strukturbiologie, Molekularbiologie, vergleichende Genomanalyse, Ökologie sowie mathematische Modellierung und Simulation biologischer Systeme und Bioinformatik.

ZIELE: Das LOEWE-Zentrum hat zwei übergeordnete Ziele: Zum einen sollen unter Einbeziehung von synthetischen und analytischen Forschungsansätzen die bisher eher statischen Komponenten und Funktionsanalysen von mikrobiellen Zellen hin zu einem quantitativen, dynamischen, theoretisch modellierbaren Funktionsverständnis weiter entwickelt werden. Zum anderen soll das innovative Ziel verfolgt werden, über rationales Design neue Funktionseinheiten zu synthetisieren, zu kombinieren und in den Funktionsapparat der Zelle zu integrieren, um Mikroorganismen mit neuen Eigenschaften und Anwendungspotenzial herzustellen.

INFRASTRUKTUR: Die Philipps-Universität Marburg und das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie fördern bereits jetzt einen der größten Schwerpunkte mikrobiologischer Forschung in Deutschland. Die Forschungsaktivitäten der sechs Bereiche Synthetische Zellen, Biochemie & Strukturbiologie, Molekulare & Zelluläre Mikrobiologie, Vergleichende Genomik, Mikrobielle Ökologie und Bioethik werden mit dem LOEWE-Zentrum "Synthetische Mikrobiologie" zusammengeführt, sodass die Synthetische Mikrobiologie in ihrer gesamten Breite abgedeckt ist.

Die bereits vorhandenen Kompetenzen sollen im Rahmen des LOEWE-Zentrums mit drei neuen Professuren, vier Nachwuchsgruppen und einer gemeinsam genutzten Infrastruktur verstärkt und in einem neuen Gebäude untergebracht werden. Ein strukturiertes Promotionsprogramm und Programme zur Förderung von Chancengleichheit runden die interdisziplinären Forschungsaktivitäten ab. Die geplante Gesamtkonstellation wird Marburg weltweit zu dem führenden Zentrum für Synthetische Mikrobiologie werden lassen.

KOORDINATOREN: Prof. Lotte Søgaard-Andersen, M.D., PhD, MPI für terrestrische Mikrobiologie, Tel.06421 178201, Email: sogaard@mpi-marburg.mpg.de

sowie Prof. Dr. Bruno Eckhardt, Fachbereich Physik der Philipps-Universität Marburg, Tel. 06421 2821316, bruno.eckhardt@physik.uni-marburg.de

Johannes Scholten | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

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