Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

2,75 Mio. Euro EU-Förderung für Wolkenforscher Stephan Borrmann

30.10.2012
Mainzer Physiker wird mit dem ERC Advanced Grant für die Erforschung der Aerosol-Zusammensetzung in der oberen Atmosphäre ausgezeichnet

Prof. Dr. Stephan Borrmann erhält für Forschungsarbeiten zur chemischen Zusammensetzung von Aerosolen und Wolken in der oberen Atmosphäre eine Förderung des Europäischen Forschungsrates über 2,75 Millionen Euro.

Es handelt sich um den ERC Advanced Grant, die höchstdotierte Fördermaßnahme der EU, die an individuelle, herausragende Forscher vergeben wird. Borrmann ist Professor am Institut für Physik der Atmosphäre der Johannes Gutenberg-Universität und Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Das Projekt „In-situ experiments on the chemical composition of high altitude aerosols and clouds in the tropical upper troposphere and lower stratosphere” (EXCATRO) wird ab 2013 für fünf Jahre gefördert. Ziel des Projekts ist es, über den Tropen und Subtropen die Schicht der oberen Troposphäre und der unteren Stratosphäre, das heißt von 14 bis 21 Kilometer Höhe, eingehend zu untersuchen. Der Fokus liegt dabei auf Aerosolen, winzigen festen oder flüssigen Schwebteilchen in der Luft. Dazu will Borrmann mit seinem Team in dieser Luftschicht eine Vielzahl von Messungen vom Flugzeug aus durchführen. Forschungsflüge in solche Höhen sind eine große technologische Herausforderung und wurden bisher kaum durchgeführt.

„Wolken und Aerosole sind die wichtigsten, aber am wenigsten verstandenen Komponenten im gesamten Klimageschehen. Sie haben in der extrem dynamischen Schicht am Übergang von der oberen Troposphäre zur unteren Stratosphäre besonders in den Tropen Auswirkungen auf die globale Atmosphäre und auf unser Klima“, sagte Borrmann.

Aerosole entstehen auf natürlichem Weg zum Beispiel über den Wüsten und den Ozeanen und auch aus der Vegetation. Wesentlich sind zudem menschengemachte Emissionen wie beispielsweise aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und von Biomasse. Man weiß, dass die Aerosolpartikel in den Tropen durch aufwärts gerichtete Luftströme bis in die untere Stratosphäre gelangen, wo sie langsam global verteilt werden. In den Polregionen bilden sie die sogenannten polaren Stratosphärenwolken, die dort wiederum zur Zerstörung des Ozons beitragen. „Um den Einfluss der Aerosole beispielsweise in Klimamodellen und auf die Chemie der Atmosphäre bestimmen zu können, müssen wir nicht nur ihre Zusammensetzung verstehen. Wir müssen auch wissen, woher genau die Partikel stammen, ob vom Menschen oder aus natürlichen Prozessen“, ergänzte der Physiker Borrmann.

Innerhalb des fünfjährigen Forschungsprojekts will der gebürtige Mainzer spezielle, voll automatisierte Aerosol-Analysegeräte entwickeln, die dann an Bord des für die Höhenforschung konvertierten ehemaligen russischen Spionageflugzeugs M-55 Geophysica zum Einsatz kommen sollen. Neben einem Forschungsflugzeug der NASA gibt es weltweit nur die Geophysica, die Höhen bis 21 Kilometer erreichen kann.

ERC Advanced Grants werden an herausragende Wissenschaftler vergeben, um Projekte durchzuführen, die aufgrund ihres innovativen Ansatzes als hochriskant gelten, die dadurch aber erst neue Wege in dem jeweiligen Forschungsfeld eröffnen. Die Förderung erhalten nur Forscher, die bereits bedeutende Errungenschaften vorweisen können und die mindestens seit zehn Jahren auf international höchstem Niveau erfolgreich gearbeitet haben. Ausschlaggebend für die Förderung des ERC ist allein die wissenschaftliche Exzellenz der Forschenden und ihres Forschungsprojekts. Damit ist ein ERC Grant auch als individuelle Auszeichnung zu verstehen.

Fotos:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/08_physik_atmosphaere_borrmann_erc01.jpg
Univ.-Prof. Dr. Stephan Borrmann mit einem laseroptischen Wolkenteilchenmessgerät

Foto/©: S. Borrmann

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/08_physik_atmosphaere_borrmann_erc02.jpg
Polare Stratosphärenwolken
Foto/©: Ralf Weigel, IPA, Universität Mainz
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/08_physik_atmosphaere_borrmann_erc03.jpg
Forschungsflugzeug Geophysica
Foto/©: S. Borrmann
Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Stephan Borrmann
Institut für Physik der Atmosphäre
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
D 55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-23396
Fax +49 6131 39-23532
http://www.uni-mainz.de/FB/Physik/IPA/
Prof. Dr. Stephan Borrmann
Max-Planck-Institut für Chemie
Hahn-Meitner-Weg 1
D 55128 Mainz
Tel. +49 6131-305 5001
Fax +49 6131-305 5002
E-Mail: stephan.borrmann@mpic.de
http://www.mpic.de/forschung/partikelchemie.html

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpic.de/forschung/partikelchemie.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Spitzenforschung vom Nanodraht bis zur Supernova: Fünf ERC Consolidator Grants für die TU München
14.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Leibniz-Preise 2018: DFG zeichnet vier Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftler aus
14.12.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik