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106. DZG Jahrestagung: Auszeichnungen für Nachwuchswissenschaftler an Sylvia Cremer und Jan Clemens

05.09.2013
Sylvia Cremer vom IST Austria (Institute of Science and Technology Austria, Klosterneuburg) wird für die Erforschung des sozialen Immunsystems bei Ameisen mit dem Walther Arndt Habilitationspreis der Deutschen Zoologischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Der Dissertationspreis der Horst Wiehe Stiftung für ausgezeichnete Arbeiten in der Zoologie geht in 2013 an Herrn Dr. Jan Clemens (Princeton University, USA). Mit Modellbildungen zur neuronalen Verarbeitung und Kodierung von Informationen veranschaulichte er, wie sich Insekten am Gesang erkennen.

Walther Arndt Forschungspreis

Sylvia Cremer wird mit dem Walther Arndt Forschungspreises im Jahr 2013 ausgezeichnet. Der Preis der Deutschen Zoologischen Gesellschaft wird im 2-jährigen Turnus für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit über ein zoologisches Thema an Nachwuchswissenschaftler vergeben. Er ist mit 5000 Euro dotiert und wird auf der diesjährigen Jahrestagung in München am 15.9.2013 verliehen.

Sylvia Cremer hat in Erlangen Biologie studiert und 2002 an der Universität Regensburg bei Prof. J. Heinze promoviert. Nach 3-jährigem Postdoc in der Arbeitsgruppe von Prof. J.J. Boomsma an der Universität Kopenhagen und einem Aufenthalt am Wissenschaftskolleg zu Berlin, baute sie in Regensburg eine Arbeitsgruppe auf, und habilitierte sich dort im Jahr 2010. Seit 2010 ist sie Assistenzprofessorin am IST Austria (Institute of Science and Technology Austria) in Klosterneuburg bei Wien.

Sie untersucht die kollektive Krankheitsabwehr in Ameisengesellschaften, also wie sich Ameisen gegenüber kranken Nestgenossen verhalten und wie sie Epidemien in ihren Kolonien verhindern. Zusätzlich zu dem individuellen Immunsystem einzelner Koloniemitglieder haben Ameisen und andere soziale Insekten ein gemeinschaftliches "soziales Immunsystem" evolviert, das es ihnen ermöglicht, gegen das hohe Ansteckungsrisiko in sozialen Gruppen anzukämpfen. Dies beinhaltet Hygieneverhalten wie gegenseitiges Putzen, Anwendung antimikrobieller Substanzen (z.B. Ameisensäure), sowie die Modulation von Interaktionsraten mit den erkrankten Kolonienmitgliedern. Die Arbeitsgruppe von Sylvia Cremer konnte kürzlich zeigen, dass putzende Ameisen nicht nur infektiöse Partikel von der Körperoberfläche befallener Tiere abknabbern, sondern diese auch noch mit ihrem Gift, der antiseptischen Ameisensäure, desinfizieren (Current Biology 2013). Trotzdem stecken sich pflegende Tiere beim Putzen pilzbefallener Nestgenossen häufig bei diesen an, jedoch nur mit Mini-Infektionen, die ihr Immunsystem stimulieren und sie so vor Krankheit schützen (PLoS Biology 2012).

Sylvia Cremer ist Mitglied der Jungen Akademie der Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, sowie der Jungen Kurie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ihre Forschung erhielt massgebliche Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG und den Europäischen Forschungsrat (Marie Curie, ERG, ERC). Ihre beiden Töchter unterstützen sie tatkräftig bei der Ameisensuche.

Mit dem Forschungspreis möchte die Deutsche Zoologische Gesellschaft das Gedenken an den Berliner Zoologen Prof. Dr. med. Dr. phil. Walther Arndt wach halten, der aus reichem, fruchtbarem Schaffen heraus kurz vor Kriegsende wegen offener, kritischer Äußerungen von der nationalsozialistischen Justiz zum Tode verurteilt und am 26.06.1944 im Alter von 53 Jahren hingerichtet wurde. Der Preis soll sowohl an den politischen Mut, als auch an die wissenschaftlichen Verdienste von Walther Arndt erinnern. Walther Arndt ist zum Andenken Ehrenmitglied für die Dauer des Bestehens der Deutschen Zoologischen Gesellschaft.

Förderpreis der Horst Wiehe Stiftung

Dieser Preis wird alle 2 Jahre für eine herausragende wissenschaftliche Dissertation über ein ausschließlich zoologisches Thema von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft vergeben. Preisträger sind junge WissenschaftlerInnen nach der Promotion und vor der Habilitation. Er wird auf der diesjährigen Jahrestagung der Zoologen in München, am Sonntag, den 15.9.2013 an Jan Clemens verliehen.

Jan Clemens hat an der Humboldt-Universität zu Berlin Biologie studiert. Unter der Mentorenschaft von Bernhard Ronacher und Matthias Hennig promovierte er im Rahmen des Graduiertenkollegs am Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience in Berlin. In seiner Arbeit verknüpft er Theorie und Experiment um grundlegende neurobiologische Fragestellungen zu klären.

Als Modellsystem dient ihm das auditorische System von Insekten vor allem aus zwei Gründen: Erstens besteht das Nervensystem von Insekten im Gegensatz zum menschlichen Gehirn aus relativ wenigen Zellen. Zweitens erfüllen diese auditorischen Systeme klar umrissenen Aufgaben, nämlich die Detektion von Fressfeinden und die Erkennung potentieller Sexualpartner anhand von Lock- und Balzgesängen. Diese Einfachheit und Spezialisierung erleichtert die Verknüpfung neurobiologischer Befunde mit den Ergebnissen von Verhaltensversuchen.

In seiner Doktorarbeit klärte er auf, wie das auditorische System der Grille seine Verarbeitungseigenschaften an sich wechselnde Signalverhältnisse anpasst, um eine optimale Informationsverarbeitung zu gewährleisten. Desweiteren untersuchte er, welchen Prinzipien die Darstellung von Kommunikationssignalen in unterschiedlichen Verarbeitungsstufen in der Hörbahn von Feldheuschrecken unterliegt. Außerdem entwickelte er einen einfachen, neurobiologisch plausiblen Ansatz um die Erkennung des arteigenen Gesanges in Insekten zu erforschen. Das Modell kann die Präferenzfunktionen einer Vielzahl von Arten nachbilden und liefert damit Einblicke in die Grundprinzipien der Gesangserkennung. Dieser Ansatz ist sowohl für die Untersuchung der Evolution von Kommunikationssystemen als auch für die neurobiologische Aufklärung der in der Gesangserkennung involvierten neuronalen Schaltkreise nützlich.

Jan Clemens ist seit September 2012 Postdoktorand an der Universität in Princeton und erforscht dort die Neurobiologie der Gesangserzeugung und -verarbeitung in Drosophila.

Die Deutsche Zoologische Gesellschaft (DZG) e. V. ist Gründungsmitglied im Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V). Sie wurde 1890 in Frankfurt am Main gegründet. Sie ist eine der ältesten, zoologischen Gesellschaften der Welt. Derzeitige Präsidentin der Deutschen Zoologischen Gesellschaft ist Prof. Constance Scharff, Ph.D. (FU Berlin)

Weitere Informationen: Dr. Sabine Giessler (Geschaeftsstelle der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) e.V.(Tel.: +49 (0) 89 54806960,dzg@zi.biologie.uni-muenchen.de

Weitere Informationen:
http://www.dzg-ev.de/de/ehrungen_preise/preise/walter_arndt/walter_arndt2013.php
http://www.dzg-ev.de/de/ehrungen_preise/preise/horst_wiehe/horst_wiehe2013.php

Dr. Kerstin Elbing | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzg-ev.de

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