Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1,64 Millionen für Nachwuchsforscher

05.07.2010
Stuttgarter Physiker erhält einen der höchst dotierten deutschen Wissenschaftspreise

Einer der höchst dotierten Wissenschaftspreise in Deutschland, der Sofja Kovalevskaja-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung, geht an einen Nachwuchswissenschaftler der Universität Stuttgart: Dr. Lapo Bogani vom 1. Physikalischen Institut erhält im Rahmen dieser Auszeichnung 1,64 Millionen Euro, um mit Hilfe winziger Kohlenstoffnanoröhrchen einzelne magnetische Moleküle zu messen.

Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung alle zwei Jahre gestiftete Preis bietet jungen ausländischen Wissenschaftlern die Möglichkeit, über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg in Deutschland ein hoch ambitioniertes Forschungsprojekt durchzuführen. Die offizielle Preisverleihung durch Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan findet in Berlin im November statt.

Lapo Bogani, 1978 in Florenz geboren, verfolgt eine interdisziplinäre Forschungsrichtung, indem er die fortgeschrittenen Fertigkeiten der synthetischen Chemie mit fundierten Kenntnissen aus spektroskopischen und magnetischen Messmethoden sowie mit theoretischen Berechnungen verbindet. Seine wichtigsten Forschungsschwerpunkte sind Nanomaterialien, also Materialien von mikroskopischer Größe, in denen lediglich einige Tausend Atome miteinander verbunden werden. Im Vergleich zu normalen Materialien können die Eigenschaften solcher Systeme sehr unterschiedlich ausfallen. Sie werden in einer immer breiteren Palette von Anwendungen eingesetzt, von Medizin bis Sensortechnik, von Energieumwandlung bis Elektronik.

Bogani befasst sich vorrangig mit der Synthese und Charakterisierung von Nanomagneten, also von magnetischen Materialien, die nur wenige Atome umfassen. In seiner Doktorarbeit untersuchte er Ketten von molekularen Magneten, welche aus magnetischen Polymeren bestehen; jede Kette verhält sich wie ein extrem dünner magnetischer Draht. Zwei seiner wichtigsten Ergebnisse umfassen die erste zielgerichtete Synthese solcher Ketten sowie das Verstehen der Bedeutung solcher Effekte, die durch die Größe bestimmt werden. Ein weiteres Forschungsprojekt beim European Laboratory of Nonlinear Spectroscopies (LENS) zielte darauf, herauszufinden, wie man magnetische Eigenschaften von Nanomagneten mit Hilfe von Licht kontrollieren und messen kann, um magnetische Materialien optisch zu schalten. Dies führte zur Erfindung eines hochempfindlichen optischen Magnetometers und zur Entdeckung von spin-plasmonischen Effekten in magnetischen Nanopartikeln. Während seines Forschungsaufenthaltes in Grenoble erweiterte Lapo die Bandbreite seiner Interessen auf die Anwendung von Kohlenstoff-Nanostrukturen für Messgeräte und elektronische Bauteile. Es ist ihm gelungen, die ersten hybriden Nanostrukturen von Kohlenstoff-Nanoröhrchen und Einzelmolekülmagneten zu entwickeln.

„Die mit dem Preis gewährten Mittel bieten die perfekten Rahmenbedingungen, um hochempfindliche Geräte zu entwickeln, mit denen die Magnetisierungsprozesse eines einzelnen Moleküls beziehungsweise Atoms beobachtet werden können“, freut sich Bogani. Ein Forschungsziel, das ebenso ambitioniert wie herausfordernd ist. Deshalb wird es in einer Kooperation zwischen dem 1. Physikalischen Institut (Prof. Martin Dressel), dem 3. Physikalischen Institut (Prof. Jörg Wrachtrup) sowie dem Max Planck Institut für Festkörperforschung (Prof. Klaus Kern) verfolgt. Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte dies einerseits viele grundlegende wissenschaftliche Fragen über das Verhalten von magnetischen Einzelatomen beantworten und würde andererseits zu einem immensen technologischen Fortschritt der gegenwärtig möglichen Messtechnologie führen.

Italiener mit Liebe zur schwäbischen Lebensart
Lapo Bogani studierte Chemie in Florenz und promovierte dort im Labor für Molekularen Magnetismus (LaMM). Im Rahmen eines Europäischen Marie Curie-Stipendiums forschte er danach zweieinhalb Jahre am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) Grenoble, Frankreich. Seit Anfang 2009 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am 1. Physikalischen Institut der Uni Stuttgart tätig. Bogani lebt mit seiner Frau und einer sieben Monate alten Tochter in Stuttgart. Schnell hat er die schwäbische Lebensart schätzen gelernt: Er kocht leidenschaftlich gerne, segelt auch bei schlechtem Wetter und liebt klassische Musik sowie die italienische Oper.

Der Sofja Kovalevskaja-Preis wurde erstmals im Januar 2002 vergeben und verfolgt das Ziel, international umworbene Forschertalente bereits zu Beginn einer vielversprechenden Karriere in Kooperationen mit Wissenschaftlern in Deutschland einzubinden. Benannt ist die mit bis zu 1,65 Millionen Euro dotierte Auszeichnung nach der 1850 geborenen russischen Mathematikerin Sofja Kovalevskaja. Sie wurde 1874 an der Universität Göttingen mit einer Dissertation „Zur Theorie der Partiellen Differentialgleichungen“ promoviert und erhielt 1889 eine ordentliche Professur für Mathematik an der Universität in Stockholm.

Weitere Informationen bei Prof. Martin Dressel, 1. Physikalisches Institut, Tel. 0711/685-64946, e-mail: dressel@pi1.physik.uni-stuttgart.de , Informationen zum Preis unter http://www.humboldt-foundation.de/web/dossier-kovalevskaja-preis.html

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.humboldt-foundation.de/web/dossier-kovalevskaja-preis.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neurobiologie - Vorausschauend teilen

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffiziente Reinigung von Industrieabgasen

27.02.2017 | Energie und Elektrotechnik