Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1,5 Millionen Euro für Grundlagenforschung zur Bewegungssteuerung

30.11.2012
Europäische Union fördert das Projekt MU-TUNING. Dr. Till Marquardt vom European Neuroscience Institute erforscht die molekularen Grundlagen der Bewegungssteuerung durch das zentrale Nervensystem.

Wie werden im Gehirn entworfene Verhaltensprogramme in Bewegungen umgesetzt? Antworten soll das Projekt „MU-TUNING“ – „Motor unit functional tuning“ unter der Leitung von Dr. Till Marquardt vom European Neuroscience Institute (ENI) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) liefern. Dr. Marquardt will die molekularen Mechanismen entschlüsseln, die der Steuerung des Bewegungsapparats durch das zentrale Nervensystem zu Grunde liegen.

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council - ERC) fördert die Grundlagenforschung mit einem Consolidator Grant in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Förderung erfolgt im Rahmen des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms. Das Projekt ist November 2012 gestartet.

„Mit dem Consolidator Grant für Dr. Marquardt hat die UMG bereits den zweiten EU-Grant in diesem Jahr eingeworben. Das ist eine bemerkenswerte Leistung unserer Forscher und belegt, dass die Universitätsmedizin Göttingen ein attraktives und professionelles Umfeld für erfolgreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bietet“, sagt Prof. Dr. Heyo Kromer, Dekan und Sprecher des Vorstandes der UMG.

MOTONEURONE ALS KONTROLLEURE
Spezielle Nervenzellen im Rückenmark, sogenannte Motoneurone, stehen im Mittelpunkt der Forschung von MU-TUNING. Motoneurone sind die einzige Schnittstelle zwischen dem zentralen Nervensystem und dem Bewegungsapparat. Sie kontrollieren über elektrische Impulse die Aktivität der Skelettmuskulatur und sind deshalb elementar wichtig dafür, dass „Bewegung“ überhaupt möglich wird. Dabei besitzen Motoneurone die Fähigkeit, eine Vielzahl elektrischer „Befehle“ des übrigen Nervensystems zu integrieren und so in einen Code elektrischer Impulse umzusetzen, der die flüssige Ausführung von Körperbewegungen vermittelt. Fallen sie krankheitsbedingt aus oder ist die Verbindung zwischen Gehirn und Motoneuronen beziehungsweise zwischen Motoneuronen und der Muskulatur beschädigt, führt dies zu Lähmung. Ziel der Grundlagenforschung von Dr. Marquardt ist es, die molekularen Mechanismen zu entschlüsseln, die für die besonderen funktionellen Eigenschaften von Motoneuronen verantwortlich sind.

„Wir wollen erst einmal die molekularen „Schalter“ identifizieren, die es Motoneuronen erlauben ihre Funktionen auszuführen. Dann interessiert uns, wie die Schalter genau funktionieren“, sagt Dr. Till Marquardt. Bekannt ist bisher: Die Funktionsweise dieser Schalter unterliegt nutzungsabhängigen Kontrollmechanismen. Diese werden wiederum durch erhöhte oder verringerte Aktivität der Motoneurone aktiviert, bedingt etwa durch Ausdauersport oder Bettlägerigkeit. Diese aktivitätsabhängigen Mechanismen sind außerdem wichtig, um die Funktionsweise der Motoneurone und ihren Energiestoffwechsel auf den konkreten Bewegungsbedarf anzupassen. „Die Identifizierung der entsprechenden Mechanismen wird letztendlich helfen, neue Angriffspunkte für die Behandlung krankheits- oder altersbedingter Beeinträchtigungen des neuromuskulären Systems zu finden“, so Dr. Marquardt. „Die Förderung durch den ERC ermöglicht es uns, diese Forschung auf eine breite Grundlage zu stellen und die Voraussetzungen für den Erfolg des Projekts zu schaffen."

Dr. Till Marquardt (40) leitet seit 2007 die Forschungsgruppe Neuroentwick-lungsbiologie am European Neuroscience Institute in Göttingen. Der promovierte Biologe beschäftigt sich mit den molekularen Grundlagen der Bewegungssteuerung durch motorische Neurone und den dynamischen zellulären Prozessen welche die koordinierte Entwicklung motorischer, sensorischer und autonomer Erregungskreise steuern.

Bildunterschrift: Bewegungen werden durch hochspezialisierte Nervenzellen im Rückenmark, Motoneurone, gesteuert. Die Motoneurone übersetzen hierbei "Befehle" des Gehirns (INPUT) in definierte Nervenimpuls-Codes, welche Muskelaktivität und damit Bewegungen (OUTPUT) auslösen. Wie Motoneurone diese Leistungen erbringen, soll die Forschung von Dr. Marquardt aufklären.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität
European Neuroscience Institute – Göttingen (ENI-G)
Leiter des Developmental Neurobiology Laboratory
Dr. Till Marquardt, Telefon 0551 / 39-13400
Grisebachstr. 5, 37077 Göttingen
T.Marquardt@eni-g.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)
26.05.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften