Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1,5 Millionen Euro gegen den Zelltod

12.01.2015

Dr. Miriam Erlacher vom Universitätsklinkum Freiburg erhält höchste Nachwuchs-Förderung der Europäischen Union

Die Kinderärztin Dr. Miriam Erlacher von der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie des Universitätsklinikums Freiburg wird mit einem ERC Starting Grant der Europäischen Union in Höhe von 1,5 Millionen Euro für fünf Jahre unterstützt.

Der ERC Starting Grant ist die höchste Förderung des Europäischen Forschungsrats für junge Wissenschaftler. Dr. Erlacher untersucht, wie ein krankhaft verstärkter Zelltod Blutkrankheiten und letztlich Leukämie auslösen kann. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist sie weiterhin als Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin tätig.

Dr. Erlacher erforscht, welche Rolle der programmierte Zelltod, Apoptose genannt, bei angeborenem Knochenmarkversagen und myelodysplastischen Syndromen (MDS) spielt. Beide Erkrankungsformen sind durch unzureichende Blutbildung und das Risiko einer späteren Leukämie-Entwicklung charakterisiert.

„Wir wissen, dass in diesen Erkrankungsformen vermehrt Blutstammzellen und Blutvorläuferzellen in den programmierten Zelltod gehen. Wie, wann und warum das passiert, verstehen wir aber noch nicht genau“, erklärt Dr. Erlacher. „Im Projekt ApoptoMDS wollen wir jetzt diese Zelltod-Mechanismen in unterschiedlichen Erkrankungsstadien untersuchen und daraus Therapie-Wege entwickeln.“

Zwar wird allgemein ein unzureichender Zelltod mit einem erhöhten Krebs-risiko verbunden. Doch Dr. Erlacher vermutet, dass auch ein übermäßiger Zelltod die Krebsentstehung fördern kann: „Wenn zu viele Zellen absterben, erhöht sich der Druck auf die überlebenden Zellen, sich zu teilen. Dabei können sich bösartige Zellen eher durchsetzen, da sie sich häufiger teilen oder weniger Wachstumsfaktoren benötigen.“ Die Forscher nehmen an, dass der programmierte Zelltod auf diese Weise die Tumorentstehung beschleunigen kann. Dr. Erlacher und Kollegen von der Medizinischen Universität Innsbruck konnten bereits in früheren Experimenten die Leukämie-Entstehung durch eine Hemmung der Apoptose verzögern.

„Sollte sich unsere Hypothese auch für angeborenes Knochenmarkversagen und MDS bewahrheiten, kann durch Apoptose-Hemmung im Knochenmark die Symptomatik der Patienten abgemildert und gleichzeitig die Leukämie-Entstehung verzögert werden“, erklärt die Kinderärztin. Aus diesem Grund liegt ein besonderer Schwerpunkt von ApoptoMDS in dem Versuch, die Krankheitsentwicklung dadurch zu verändern, dass der programmierte Zelltod in frühen Erkrankungsstadien gehemmt wird und so mehr Stammzellen für die normale Blutzellen-Bildung zu Verfügung stehen.

Auch Prof. Dr. Charlotte Niemeyer, Ärztliche Direktorin der Klinik für Pädiat-rische Hämatologie und Onkologie des Universitätsklinikums Freiburg, ist hoch erfreut über die Förderung: „Diese hohe Auszeichnung für Dr. Miriam Erlacher ist zum einen ein Beweis ihrer wissenschaftlichen Exzellenz. Zum anderen zeigt es auch, dass sich Spitzen-Forschung und die Arbeit mit Patienten sehr gut vereinbaren lassen.“

Dr. Miriam Erlacher wurde 1978 in Bozen, Italien, geboren. Sie studierte an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Österreich, wo sie 2003 in Humanmedizin promovierte und anschließend bis 2006 ein PhD-Studium absolvierte. Die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin hat bereits eine Reihe von Auszeichnungen und Stipendien erhalten, unter anderem ein Margarete-von-Wrangell Stipendium vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und vom Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) der Universität Freiburg.

Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-freiburg.de Universitätsklinikum Freiburg

Benjamin Waschow | Universitätsklinikum Freiburg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie