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Die derzeit vorbereitete Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) eröffnet neue Möglichkeiten, die Flexibilisierung des konventionellen Kraftwerksparks voranzubringen. Gut regelbare Kraftwerke, die besonders schnell auf eine schwankende Nachfrage und volatile Stromeinspeisung aus Wind- und Sonnenenergie reagieren können, werden im Rahmen der Energiewende dringend benötigt. Darauf hat die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) hingewiesen und die Regierungskoalition aufgefordert, die Chance zu nutzen und im anstehenden Gesetzgebungsverfahren entsprechende Korrekturen vorzunehmen.
Konkret fordert die DUH, das Gesetz so auszugestalten, dass die Markteinführung kleiner, gasbetriebener Blockheizkraftwerke (BHKW), die zusammen ein "virtuelles Großkraftwerk" bilden, im KWKG effektiv gefördert wird. Die einzelnen BHKW-Einheiten versorgen dabei auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Gebäude mit Wärme und das lokale Stromnetz mit elektrischer Energie. Im Konzept des "virtuellen Großkraftwerks" wird der Einsatz vieler kleiner Kraftwerkseinheiten über eine Leittechnik zentral gesteuert. Angeschlossene Wärmespeicher sorgen dafür, dass die Erzeugung von Strom und Wärme weitgehend entkoppelt werden kann. So bestimmt nicht mehr der Wärmebedarf, wann die KWK-Anlage anspringt, sondern der Strombedarf. Strom wird exakt dann erzeugt, wenn er wegen der täglichen Bedarfsspitzen oder einer Windflaute gebraucht wird.
"Wir sind überzeugt, dass virtuelle Kraftwerke auf Basis vieler kleiner, stromgeführter KWK-Anlagen einen wesentlichen Beitrag liefern können für die notwendige Flexibilisierung unseres Kraftwerksparks. Derzeit kann das Konzept helfen, insbesondere in Süddeutschland den beschleunigten Zubau erneuerbarer Stromerzeugungskapazitäten aus Sonne und Wind zu ergänzen", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Die Anlagen seien nicht nur in der Lage, sehr schnell auf Lastschwankungen zu reagieren. Sie könnten auch zügig und ohne langwierige Genehmigungsverfahren "in jeden Keller eines Mehrfamilien- oder Bürohauses eingebaut werden".
Die Leiterin Klimaschutz und Energiewende der DUH, Cornelia Ziehm, kritisierte, dass die Bundesregierung in ihrer vor Weihnachten im Kabinett verabschiedeten Gesetzesnovelle, zwar erstmals die Förderung von Wärmespeichern möglich gemacht habe, dabei aber ausgerechnet das Konzept der virtuellen Kraftwerke unberücksichtigt geblieben sei.
Ziehm: "Kraft-Wärme-Kopplung war bisher eine Methode zur hocheffizienten Erzeugung von Strom und Wärme. Jetzt kann sie darüber hinaus ein wichtiger Baustein bei der Flexibilisierung des konventionellen Kraftwerksparks werden und so die Energiewende befeuern. Das haben leider noch nicht alle in der Bundesregierung verstanden". Ziehm rief die Koalitionsfraktionen und die Länder im Rahmen der Verhandlungen im Bundesrat auf, im weiteren Gesetzgebungsverfahren entsprechende Korrekturen des Förderrahmens vorzunehmen.
Das Konzept virtueller Kraftwerke hat in den vergangenen Jahren unter anderem der Hamburger Ökostromhändler Lichtblick gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern unter dem Namen "SchwarmStrom-Konzept" bekannt gemacht und begonnen zu realisieren. Tausende so genannter "ZuhauseKraftwerke" - Blockheizkraftwerke auf Basis von VW-Motoren mit nachgeschaltetem Wärmespeicher - sollen zusammengeschaltet werden und gezielt dann Strom liefern, wenn der Strom im Netz rar und teuer ist. Gut 20.000 der ZuhauseKraftwerke, jedes mit einer elektrischen Leistung von 19 kW, ergeben beispielsweise eine mit einem großen Gaskraftwerksblock der heute üblichen 400-Megawatt-Klasse vergleichbare Leistung. Vorteil der dezentralen Erzeugung: Große Stromtrassen werden nicht benötigt, Widerstand von Bürgern ist nicht zu erwarten und die Mini-BHKW können noch schneller gestartet und abgeschaltet werden als ein modernes Gaskraftwerk.
Die DUH hält es für wünschenswert, dass das Konzept virtueller Kraftwerke bei der Umsetzung der Energiewende eine wesentliche Rolle spielt. "Ob sich das Konzept durchsetzt und es andere Hersteller von Blockheizkraftwerken übernehmen, hängt jetzt davon ab, ob die KWK-Novelle ausreichende Anreize zur Markteinführung setzt", erklärte Ziehm. Das kürzlich von der Bundesregierung, unabhängig von der KWKG-Novelle, neu aufgelegte Programm zur Förderung von Mini-KWK-Anlagen sei ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber zur Etablierung virtueller Kraftwerke der vorgeschlagenen Größe nicht aus. Es gehe "nicht um eine Dauersubvention, sondern um einen befristeten KWK-Aufschlag zur Markteinführung, der sich auf den Stromrechnungen praktisch nicht bemerkbar machen würde".
Nach Berechnungen der DUH ergibt sich insbesondere in Süddeutschland bis zur Abschaltung der letzten Atomkraftwerke Ende
2022 nach heutigem Kenntnisstand eine Reduzierung konventioneller Kraftwerkskapazitäten von etwa 8.000 Megawatt (Details siehe Anhang).
Ausgeglichen werde der Rückgang einerseits durch den weiteren zügigen Zubau Erneuerbarer Energien und von Pumpspeicherkraftwerken zur Sicherung der Netzstabilität. Andererseits werden nach Überzeugung der DUH auch der effizientere Einsatz von Energie und die Steuerung des Stromverbrauchs in der Industrie und in Grenzen in den privaten Haushalten eine zunehmende Rolle spielen. Spätestens nach 2020 rechnet Baake damit, dass zudem größere Windstrommengen über Stromautobahnen aus dem Norden nach Süddeutschland geleitet werden.
"Ein Risiko liegt in dem zu erwartenden Kapazitätsrückgang bei konventionellen Kraftwerken nur, wenn wir gar nichts tun. Auf der anderen Seite wartet ein ganzes Bündel von Chancen nur darauf, ergriffen zu werden", erklärte der DUH-Bundesgeschäftsführer. Eine davon sei die Errichtung virtueller Kraftwerke. Da wegen unsicherer Renditeerwartungen derzeit Investoren in große Gaskraftwerke kaum in Sicht seien, liege es nahe "mit einer entsprechenden Ausgestaltung der KWKG-Novelle einen wichtigen Schritt in Richtung Flexibilisierung unseres Kraftwerksparks zu gehen". Der Vorteil sei auch, dass es hier ein klares Interesse aus der Industrie gebe, das Konzept umzusetzen.
Mehr Informationen und Hintergründe zum Thema finden Sie unter:
http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=2772
Pressekontakt:
Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0; Mobil: 0151 55016943;
E-Mail: baake@duh.de
Dr. Cornelia Ziehm, Leiterin Klimaschutz und Energiewende, Hackescher Markt 4, 10178 Berlin; Mobil: 0160 94182496;
Tel.: 030 2400867-0, E-Mail: ziehm@duh.de
Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik & Presse, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0; Mobil: 0171 5660577;
E-Mail: rosenkranz@duh.de
Dr. Gerd Rosenkranz | Quelle: presseportal
Weitere Informationen: www.duh.de
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