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Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen übergibt Gutachten / Bundesregierung will Potenzial nachwachsender Rohstoffe stärker nutzen
Zehn Prozent des Weltenergiebedarfs ließe sich mittelfristig durch Biomasse decken. Zu diesem Schluss kommt der Wissenschaftliche Beitrat Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem neuen Gutachten, das die Wissenschaftler am Mittwoch der Bundesregierung übergeben haben. Entscheidend für den langfristigen Erfolg der Biomasse ist aus Sicht der Verfasser der Studie, dass die Energieerzeugung nicht auf Kosten der Nahrungsmittel-Produktion sowie des Natur- und Klimaschutzes geht. Damit das gelingt, sollten auf nationaler und auf internationaler Ebene verpflichtende Nachhaltigkeitsstandards eingeführt werden.
"Zentrale Empfehlungen zum Forschungsbedarf haben wir bereits aufgegriffen", sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan bei der Übergabe des Gutachtens. Als Beispiel nannte die Ministerin Förderschwerpunkte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wie "Bioenergie 2021 - Forschung für die Nutzung von Biomasse" und "Nachhaltiges Landmanagement". Handlungsbedarf sehen die Wissenschaftler insbesondere beim Erforschen präziser Treibhausgasbilanzen bei verschiedenen Arten von Biomasse. Zudem sollte die Wechselwirkung zwischen der Energieerzeugung mit Biomasse und der landwirtschaftlichen Nutzung weiter untersucht werden. "Hier setzen wir mit unserer Zukunftsinitiative 'Bioenergie und gesunde Ernährung' an, in die wir in den nächsten Jahren 200 Millionen investieren werden", sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan.
"Der Wissenschaftliche Beirat hat treffsicher das brisante globale Umweltthema Biomasse aufgegriffen", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. "Ich fühle mich durch das neue Gutachten darin bestätigt, Nutzungskonkurrenzen zwischen Bioenergie und Lebensmittelproduktion zu vermeiden und die Nachhaltigkeit der Bioenergienutzung sicherzustellen. Mein Haus hat wesentliche Handlungsempfehlungen bereits aufgegriffen. So sind im Strom-, Wärme- und Kraftstoffbereich bereits die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen, zukünftig nur noch nachweislich nachhaltig erzeugte Biomasse für die jeweiligen Förderinstrumente anzuerkennen. Mit der Neuausrichtung der Bioenergiestrategie hat das Bundesumweltministerium bereits wichtige Weichen für den Einsatz von Biomasse aus Rest- und Abfallstoffen und für die stärkere Berücksichtigung des Klimaschutzbeitrags bei der Bioenergienutzung gestellt."
"Wir begrüßen sehr, dass dieses Gutachten sowohl die umwelt- als auch die entwicklungspolitischen Auswirkungen von Bioenergie bewertet", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesentwicklungsministeriums Karin Kortmann. "Dabei wird sehr deutlich: Unsere Anstrengungen zur Verringerung von CO2 dürfen nicht zu Armut, Hunger, Umweltzerstörung und dem Verlust von Artenvielfalt in der Welt führen. Das Recht auf Nahrung wiegt schwerer als das Recht auf Mobilität." Dem Gutachten zu Folge können Beimischungsquoten für Agrarkraftstoffe die Ernährungssicherheit gefährden und Landnutzungskonkurrenzen verstärken. Deshalb fordert Karin Kortmann: "Um eine nachhaltige Nutzung von Bioenergie zu garantieren, müssen wir soziale und ökologische Mindeststandards integrieren." Chancen für Entwicklungsländer bestehen im Aufbau dezentraler Energieversorgung, zum Beispiel durch Verbrennung organischer Abfälle oder Nutzung von Pflanzenölen zur Stromerzeugung. So kann Bioenergie einen Beitrag zur Überwindung von Energiearmut leisten.
Das Gutachten ist die erste Studie zur Bioenergie, die das Thema umfassend im Zusammenhang mit der globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik untersucht. Aus Sicht der Verfasser ist für die optimale Nutzung der Bioenergie auch weitere Forschung entscheidend. Den größten Beitrag zum Klimaschutz leistet die Bioenergie nach der Analyse des Beirates bei der Stromproduktion. Die Wirkung für den Klimaschutz ist hierbei ungefähr doppelt so groß wie beim Verkehr oder bei der reinen Wärmeerzeugung. Wegen ihres hohen Wirkungsgrades empfehlen die Wissenschafterinnen und Wissenschaftler vor allem die Kraft-Wärme-Kopplung. Die Energieversorger sollten dabei bevorzugt auf Reststoffe wie Holzabfälle, Gülle oder Stroh setzen, da diese ideale Energieträger seien und ihre fachgerechte Nutzung kaum Risiken für Böden, Wasser oder Klima berge. Zudem stehen sie nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.
Silvia von Einsiedel | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.bmbf.de/press/2429.php
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