Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Auf dem Weg zum emissionsfreien Kohlekraftwerk

23.08.2004

Anzeige


Wissenschaftler der Universität Stuttgart koordinieren EU-Forschungsprojekt


...mehr zu:
Kalk Kalkstein Reaktor Wasserstoff

Einen völlig neuen, nahezu emissionsfreien Kraftwerksprozess entwickeln Wissenschaftler der Universität Stuttgart gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie mehrerer europäischer Länder. Das Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen (IVD) der Universität Stuttgart, das langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Energietechnik vorweisen kann, koordiniert das von der Europäischen Kommission mit knapp 1,9 Millionen Euro geförderte Projekt. Dabei wird Braunkohle verwendet, ein in Europa in großen Mengen vorhandener, preiswerter Energieträger. Anstatt die Kohle einfach zu verbrennen, wird sie bei dieser Methode mit Wasserdampf unter Zugabe von gebranntem Kalk vergast. Der Kalk absorbiert das dabei entstehende CO2 und wird in Kalkstein umgewandelt. Je nach zugegebener Kalkmenge ist das entstehende Produktgas kohlenstoffarm oder gar kohlenstofffrei. Bei ausreichender Kalkdosierung wird ausschließlich Wasserstoff produziert, das beispielsweise in heute schon existierenden Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerken nahezu emissionsfrei zu Strom umgesetzt werden kann: bei der Verbrennung von Wasserstoff entsteht nur Wasser. Der produzierte Kalkstein wird in einem zweiten Reaktor wieder gebrannt. Anschließend wird der gebrannte Kalk erneut in den ersten Reaktor zur CO2-Aufnahme zurückgeführt; das beim Kalkbrennen entstehende konzentrierte CO2 kann in begrenzten Mengen an die Industrie (Lebensmittelindustrie, Kühlanlagen, Obstlager) verkauft werden oder in geologischen Speichern (ausgebeutete Erdöllagerstätten, Aquifere) gelagert werden. Ob und zu welchen Preisen solche Speichertechniken nutzbar sind, wird im Moment in Europa und den USA im Rahmen aufwändiger Projekte untersucht.

Neue Perspektiven für die Braunkohle

Gelingt es, die Entwicklung erfolgreich voranzutreiben, so kann die in großen Mengen vorhandene und preiswert verfügbare Braunkohle in Zukunft besonders emissionsarm und umweltfreundlich verwertet werden. Aus dem heute oft kontrovers diskutierten Gegensatz von "schmutziger" Kohletechnologie und "sauberen" regenerativen Energien könnte ein sinnvolles Miteinander werden. Während die regenerativen Energien noch nicht in der Lage sind, den gesamten Energiebedarf zu decken, kann sich die neue Braunkohletechnik zu dem von Wind- und Wetterschwankungen unabhängigen und umweltfreundlichen Stützpfeiler einer sicheren Energieversorgung entwickeln. Mit einer solchen verlässlichen Basis könnte nach Ansicht der IVD-Wissenschaftler auch die weitere Verbreitung regenerativer Stromerzeugungsanlagen vorangetrieben werden.

Auf deutscher Seite an dem EU-Projekt beteiligt sind das Unternehmen IVE Weimer aus Sindelfingen (Dr. Thomas Weimer ist der Initiator der Technik), das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung in Stuttgart, das Bergbauunternehmen Vattenfall Europe Mining sowie die Universität Cottbus. Insgesamt sind dreizehn Partner aus sieben europäischen Ländern vertreten.

Weitere Informationen:

Dr.-Ing. Roland Berger
Leiter der Abteilung Dezentrale Energieumwandlung
Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen
der Universität Stuttgart
Pfaffenwaldring 23 , D-70569 Stuttgart
Tel. +49-(0)711/685-3492, Fax -3491
e-mail: berger@ivd.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.eu-projects.de/ISCC
www.ivd.uni-stuttgart.de

Weitere Berichte zu: Kalk Kalkstein Reaktor Wasserstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht DBFZ-Review zu möglichen Biokraftstoffoptionen aus Mikroalgen veröffentlicht
16.05.2012 | Deutsches Biomasseforschungszentrum

nachricht LED auf Silizium können Herstellung verbilligen
16.05.2012 | Siemens AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Krebsen auf den Zahn gefühlt


Australische Flusskrebse besitzen einen Zahnschmelz, der dem menschlichen sehr ähnelt

Manche besonders gelungenen Entwicklungen kopiert die Natur bei sich selbst. So hat ein Team aus Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam und der Ben-Gurion Universität im israelischen Beer-Sheva herausgefunden, dass die Zähne des australischen Flusskrebses Cherax quadricarinatus mit einem Schmelz überzogen sind, der dem Zahnschmelz von Wirbeltieren ...

Im Focus: Lebende Fossilien der Hirnentwicklung


Göttinger Wissenschaftler rekonstruieren einen radikalen Umbau in der Evolution des Gehirns

Die Hirnarchitektur der Maus hat sich im Laufe ihrer Evolution möglicherweise kaum verändert. Wie bei den winzigen Urahnen der heutigen Säugetiere, die vor etwa 80 Millionen Jahren lebten, sind auch bei der Maus Nervenzellen in der Sehrinde in einem kleinen Hirnbereich zusammengedrängt.

Bei der Evolution größerer Gehirne ist es zu ...

Im Focus: Frühe Blüte bei lädierter biologischer Uhr


Gerste hat sich durch eine Veränderung der inneren Uhr an nördliche Anbaugebiete mit kurzen Sommern angepasst

Eine in Skandinavien verwendete Sommergerste hat Wissenschaftlern vom Max Planck Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln vom John Innes Centre in Norwich zufolge zwar eine ramponierte innere Uhr, ist aber trotzdem sehr ertragreich. Ihr Trick: Sie dämpft die biologische Zeitmessung durch eine Mutation und kann dadurch auch bei kurzem Tageslicht einen ...

Im Focus: Neue Details der Genregulation aufgeklärt


Der Transkriptionsfaktor P-TEFb reguliert RNA-Polymerase nach einem unerwarteten Muster

Wird genetische Information von der Erbsubstanz DNA abgelesen, übersetzt die RNA-Polymerase II sie in RNA-Moleküle. Ein wichtiger Bereich des Polymerase-Moleküls ist die C-terminale Domäne, kurz CTD. Sie übermittelt der Polymerase Informationen darüber, wie der genetische Code abgeschrieben und weiter verarbeitet werden soll. Dazu heftet das Enzym P-TEFb molekulare Botschaften in ...

Im Focus: Futter für das Schwarze Loch


Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Gerd Weigelt vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn berichtet über die Erforschung eines aktiven Galaxienkerns.

Nahinfrarot-Interferometrie ermöglichte es dem Team, eine ring-förmige Ansammlung von Staub, einen sogenannten "Staubtorus", in der inneren Region des Kerns der Galaxie NGC 3783 aufzulösen. Mit dieser Messtechnik erreicht man eine Winkelauflösung, die so gut ist wie die Auflösung eines Riesenteleskops mit 130 Metern Spiegeldurchmesser. Der aufgelöste Staubtorus bildet wahrscheinlich das ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Downsizing erhöht Marktdurchdringung von Ottomotoren

16.05.2012 | Studien Analysen

Krebsen auf den Zahn gefühlt

16.05.2012 | Materialwissenschaften

New 'metamaterial' practical for optical advances

16.05.2012 | Materialwissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Mikrotechnik trifft Medizin – auf der 9. MST-Regionalkonferenz NRW in Dortmund

16.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Soziale Kettenreaktionen und ihre digitale Spuren

16.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Die Ausbreitung von Stress

16.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp