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Zum Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl: Deutsche
Bundesstiftung Umwelt (DBU) will auch zukünftig den Ausbau alternativer
Energieformen aktiv vorantreiben
25.04.2001
- Osnabrück. "Die Katastrophe in Tschernobyl vor 15 Jahren hat es
schmerzhaft bewusst gemacht: Für eine sichere und umweltbewusste
Zukunft müssen regenerative Energien stärker berücksichtigt
werden", sagt Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück. Seit ihrer Gründung vor
zehn Jahren habe die DBU ein besonderes Augenmerk auf die Förderung von
erneuerbaren Energien gelegt. "Mit einer Summe von 117 Millionen
Mark für weit über 500 Projekte haben wir dazu beigetragen, die
Akzeptanz von Sonne, Wind, Wasser und Biomasse zu erhöhen", Brickwedde.
"Zwar stellen erneuerbare Energien heute sehr oft noch ein
Zuschussgeschäft dar. Doch angesichts der unbestreitbaren Endlichkeit
herkömmlicher Energiequellen wie Öl, Gas und Kohle, die zudem die
Umwelt belasten, muss eine Umorientierung auf dem Energiesektor
stattfinden", macht Brickwedde deutlich. Unter normalen
Wettbewerbsbedingungen hätte sich auch Atomstrom nie durchsetzen können.
Es seien hier massive staatliche Subventionen und Steuerbegünstigungen
nötig gewesen, um die heutige Position zu erreichen. Ähnliches müsse
nun auch zugunsten der regenerativen Energien geschehen. Die DBU setze
daher hier nicht nur auf einzelne, vorbildhafte Projekte, sondern bemühe
sich auch um Initiativen mit größtmöglicher Öffentlichkeitswirkung.
So stoße die Initiative "Kirchengemeinden für die
Sonnenenergie" auf beispielloses Interesse. Hier mache sich die
DBU bewusst die Vorbildwirkung der Kirchen für eine bessere Akzeptanz
der Sonnenergie zunutze, indem sie den Bau von Solaranlagen auf den Dächern
kirchlicher Gebäude fördere. "Unser Hauptaugenmerk liegt dabei
auf einer guten Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinden, die bei dieser
Initiative Voraussetzung für eine Unterstützung ist", hebt
Brickwedde hervor. Das Kuratorium der Stiftung habe daher beschlossen,
auf das überwältigende Echo zu reagieren und die Fördersumme auf 20
Millionen Mark für rund 600 Kirchengemeinden zu verdoppeln.
Die verschiedenen Arten der Nutzung von Sonnenenergie stellten einen
Schwerpunkt in der Arbeit der Stiftung dar: Für mehr als 300 Projekte
habe man hier über 35 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Doch auch
bei der Biomasse-Nutzung, Wasserkraft und Windenergie seien mit knapp
150 Projekten und 65 Millionen Mark Fördersumme viele innovative Ideen
unterstützt worden.
Besonders vorbildhaft für die Nutzung erneuerbarer Energien sei die
energieökologische Modellstadt Ostritz-St. Marienthal in
Sachsen. Dieser Stadt sei es mithilfe der DBU gelungen, die
Aufbruchstimmung nach der Wiedervereinigung zu nutzen und ihren
Energiehaushalt völlig auf lokale, erneuerbare Energien umzustellen:
Biomasse, Wasser, Wind und Sonne. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt
habe das herausragende Gesamtkonzept im Rahmen zahlreicher
Einzelprojekte mit mehr als 22 Millionen Mark gefördert. Dazu gehört
auch die Bildungsstätte im Gebäude des Zisterzienserinnenklosters St.
Marienthal. Durch dieses Internationale Begegnungszentrum werde
insbesondere auch die umweltbezogene, grenzüberschreitende
Zusammenarbeit in die Nachbarländer unterstützt.
Modelle, die die verschiedenen Möglichkeiten zur Erzeugung von
erneuerbaren Energien optimal kombinierten, seien für ihre breite
Akzeptanz besonders wichtig. Initiativen wie der mittlerweile
bundesweite "Tag der erneuerbaren Energien", der anlässlich
des zehnten Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl von der Stadt
Oederan (Sachsen) ins Leben gerufen wurde, stellten weitere wichtige
Pfeiler für eine Verbreitung von alternativen Energien dar. "Im
letzten Jahr haben wir Oederan als Anerkennung einen der Hauptpreise in
unserem TAT-Orte-Wettbewerb verliehen", erläutert
Brickwedde. Dieser Wettbewerb prämierte vorbildliche Umweltideen und
-taten kleinerer Gemeinden und Initiativen, um durch diese einen
Nachahmungseffekt zu erzeugen. Die Idee des "Tages der Erneuerbaren
Energien" sowie die umfangreiche Nutzung erneuerbarer Energien in
Oederan habe hierbei mit den Ausschlag für die Auszeichnung gegeben.
Auch bei dem seit 1993 jährlich verliehenen Deutschen Umweltpreis
habe die DBU immer wieder die Arbeit von Pionieren im Bereich der
Klimaforschung und des Klimaschutzes honoriert: "Einer unserer
ersten Preisträger war 1993 die Firma Foron, die den ersten
FCKW- und FKW-freien Kühlschrank entwickelte und damit erheblich zu
einer Verringerung der ozonschädigenden Gase beigetragen hat",
sagt Brickwedde. Es folgten die Klimaforscher Dr. Frank Arnold
und Professor Dr. Dr. h. c. mult. Paul J. Crutzen, der ein Jahr
später den Nobelpreis für Chemie erhalten habe. Die Firma INTEGRAL
habe den Umweltpreis 1997 für ihre innovative Kältetechnik, die auf
Wasser statt auf giftigen oder ozonschädigenden Substanzen basiere,
erhalten. 1998 sei der Preis Georg Salvamoser verliehen worden,
der ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel hohe persönliche Risiken
in Kauf genommen habe, um ein mittelständisches Unternehmen in der
Photovoltaikbranche aufzubauen und im Bereich der erneuerbaren Energien
zu einer Trendwende in Deutschland beizutragen. Im letzten Jahr habe man
mit Aloys Wobben einen der Pioniere der Windenergie
ausgezeichnet.
"Man muss der Bevölkerung vermitteln, dass neben den nicht von der
Hand zu weisenden ökologischen Faktoren regenerative Energien auch ökonomische
Vorteile bieten", sagt Brickwedde. So seien bereits 70.000
Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien entstanden; bis 2020
rechne man mit weiteren 200.000. Deutschland übernehme zurzeit bei den
Industrienationen eine Vorbildfunktion: 50 Prozent des in der gesamten
EU erzeugten Stroms aus Windkraft würden hier erzeugt. "Diese
Vorreiterrolle wollen auch wir zukünftig stützen", betont
Brickwedde
dbu
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