Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zerreißprobe für Rotorblatt-Giganten im 90-Meter Prüfstand

08.06.2011
Mit einem Festakt am Donnerstag, den 9.6. eröffnet das Fraunhofer IWES seinen 90-Meter Prüfstand für Rotorblätter.

Nach einer Bauzeit von anderthalb Jahren verdoppelt die 20.000 Quadratmeter große Einrichtung die vorhandene Kapazität für die Ganzblattprüfung. Ein kippbarer Einspannblock gewährleistet auch bei sehr langen Blättern eine Durchbiegung der Blattspitze und beschleunigt die Montage. Der Neubau für 11 Mio. Euro leistet einen wertvollen Beitrag zur Qualitätssicherung von Rotorblatt-Prototypen.


Lang, länger, am längsten - die neue Prüfhalle mit der weiß-braunen Fassade bietet neue Testmöglichkeiten. Foto: Wolfhard Scheer


Prüfingenieur im Mannloch - dort wird das Rotorblatt im Prüfstand fixiert. Foto: Falko Bürkner, Fraunhofer IWES

Ein Prüffeld für Schwerlasten auf sandigem Untergrund direkt an der Wasserkante - die Ausgangssituation versprach eine außergewöhnliche Herausforderung. Als die 200 Pfeiler kurz nach dem ersten Spatenstich im Januar 2010 gesetzt wurden, erinnerte das Baufeld an die Ausgrabungsstätte einer antiken Tempelanlage. Ein 1000 Tonnen schwerer Einspannblock und eine Lastabtragung bis 500kN pro Lastpunkt, die bei einer Prüfung auf das Rotorblatt aufgebracht werden, machen diese Konstruktion notwendig.

Das Fraunhofer IWES hat am Standort Bremerhaven eine in ihrer Art einmalige Prüfeinrichtung geschaffen, in der Rotorblatt-Prototypen besonders realistisch belastet werden können. Finanziert wurde die Einrichtung durch Mittel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), der Fraunhofer Gesellschaft, des Landes Bremen sowie des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Die Rotorblattprüfung liefert gemäß IEC-Vorgaben nach wenigen Monaten belastbare Aussagen darüber, ob ein Rotorblatt eine 20-jährige Betriebsdauer unbeschadet übersteht. Gegenüber der seit 2009 betriebenen, vollausgelasteten 70-Meter Prüfhalle, bietet die neue Einrichtung neben Platz für sehr lange Rotorblätter einen kippbaren Einspannblock. Dieser Stahlkoloss ermöglicht durch eine Neigung von maximal 20 Grad auch bei sehr langen Rotorblättern eine Durchbiegung der Spitze über 30 Meter und beschleunigt die Montage.

Mit einer Prüfkapazität für Rotorblätter, wie sie für künftige 10 MW-Turbinen geplant sind, sieht sich das IWES für die Zukunft gut aufgestellt: „Mit den 90 Metern, auf die unser Prüfstand ausgelegt ist, kommen wir sicherlich die nächsten Jahre hin. Dem derzeitigen Trend zu großen Rotoren wurde mit diesem Prüfstand Rechnung getragen“, stellt Prof. Dr. Andreas Reuter, Leiter des Fraunhofer IWES Bremerhaven in Aussicht. Statt großer Generatorgrößen werden vielmehr größere Rotordurchmesser in den Fokus rücken. Damit lassen sich mehr Volllaststunden erzeugen, erklärt Reuter die Motivation der Verlagerung. Die zentrale Herausforderung ist dabei, die aerodynamische Effizienz ohne spürbare Gewichtszulagen und Zusatzkosten zu verwirklichen.

Die Anforderungen der Industrie sind in die Konzeption des Prüfstandes eingeflossen: Von der vorbereitenden Planung bis zur Betriebsphase hat ein Steuerungsgremium aus Industrievertretern das Projekt begleitet. So können neue Werkstoffkombinationen und neue Rotorblattdesigns bedarfsgerecht untersucht werden, bevor sie in die Serienproduktion gehen. Häufig geschieht dies auch im Rahmen von öffentlichen Forschungsprojekten. „Wir entwickeln innovative Prüf- und Überwachungsmethoden, die dem Kunden zeigen, wie das Rotorblatt sich unter realistischen Belastungen verhält,“ berichtet Dr. Arno van Wingerde, Leiter des Kompetenzzentrums Rotorblatt des Fraunhofer IWES.

Die erste Prüfung startet bereits wenige Tage nach der Eröffnungsfeier. Da auch der neue Prüfstand bereits gut ausgelastet ist, lässt der nächste Erweiterungsschritt nicht lange auf sich warten: Im Herbst wird ein weiterer Einspannblock in der 90-Meter Halle installiert.

Britta Rollert | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.iwes.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Linearpotentiometer LRW2/3 - Höchste Präzision bei vielen Messpunkten
17.05.2017 | WayCon Positionsmesstechnik GmbH

nachricht Neues 100 kW-Wechselrichtermodul für B6-Standard halbiert Gewicht und Volumen
17.05.2017 | Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie