Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weiche Materie in hartem Gestein

28.08.2009
BP fördert Grundlagenforschung am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Finanzkrise oder nicht: Die Erdölvorräte gehen allmählich zur Neige. Deshalb sucht die Ölindustrie nach neuen Ideen und stellt große Fördersummen bereit, um grundlegende physikalische Prozesse zu erforschen, die bei der Erdölgewinnung eine Rolle spielen.

Erdöllagerstätten bestehen meist aus porösen Gesteinsschichten, zum Beispiel früheren Flußdeltas, die später abgesackt sind und zu Sandstein verfestigt wurden. Diese Gesteinsporen sind noch immer durchsetzt von dem Wasser, das dort einmal geflossen ist, ebenso von den Resten der Organismen, die dort gelebt haben.

Diese sind inzwischen unter dem Druck, der in der Tiefe herrscht, zu Erdöl geworden, das sich im Laufe der Jahrmillionen als 'Fettaugen' an den höchsten Stellen der meist stark aufgefalteten Gesteinsschichten gesammelt hat. Diese Fettaugen bilden die Rohöllagerstätten, aus denen wir heute unser Heizöl und Benzin, aber auch den Rohstoff für viele High-Tech-Materialien beziehen.

Bei der Ölförderung kommt aber nicht nur das Rohöl, sondern auch das Porenwasser zum Vorschein: Zirka 40 Prozent des Öls verbleibt im Gestein. Wissenschaftler haben das gemeinsame Fließen von Wasser und Öl im porösen Stein bislang nur sehr wenig verstanden. So ist beispielsweise noch unklar, ob und wie man die Fördertechnik verbessern könnte. Grundlagenforschung ist also an dieser Stelle von Nöten, nicht nur für die Ölgewinnung, sondern auch für mögliche spätere Verwendungen der Ölfelder, etwa als Massenspeicher für Kohlendioxid.

Denn in dem Porenwasser der Gesteinsschichten könnte man ein Vielfaches des Kohlendioxids lösen, das durch Verbrennung des dort geförderten Öls entsteht. Weil es sich nicht nur im Wasser löst, sondern unter geeigneten Bedingungen sogar durch Fällung zu Kalkstein wird, würde es nie wieder 'herauszischen' können.

Für dieses Forschungs-Großprojekt sind Wissenschaftler des Erdöl-Giganten BP um die Welt gereist und haben an den führenden Forschungsstätten nach geeigneten Partnern gesucht. Drei Forschergruppen haben sie nun ausgewählt, von denen jede eine Million Dollar jährlich für Grundlagenforschungsprojekte zur Verfügung gestellt bekommt. Das Projekt ist auf zweimal fünf Jahre angesetzt. Eine der Gruppen ist die Abteilung "Dynamik komplexer Fluide" unter Leitung von Stephan Herminghaus am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen.

Dort werden nun ab 1. September zehn weitere Wissenschaftler beschäftigt werden können, die sich unter sehr komfortablen Bedingungen mit der Dynamik mehrkomponentiger Flüssigkeiten, zum Beispiel Emulsionen, in geometrisch komplexer Umgebung befassen werden. Hierbei wird es wesentlich um Fragen gehen, die mit der Benetzung und der Flussdynamik in mikroskopischen Kanalsystemen aus unterschiedlichem Wandmaterial zu tun haben.

Das Team um Stephan Herminghaus wird eng mit Wissenschaftlern der Universitäten in Göttingen, Saarbrücken und Santa Barbara (USA) kooperieren, ebenso mit den beiden anderen ausgewählten Gruppen, die in Twente (Niederlande) und Kopenhagen (Dänemark) angesiedelt sind. Ferner wird es einen intensiven Datenaustausch mit den Wissenschaftlern der Forschungslabors von BP geben.

Kontakt:
Prof. Dr. Stephan Herminghaus
Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen
Fon: +49 (551) 5176 - 200
Fax: +49 (551) 5176 - 202
stephan.herminghaus@ds.mpg.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www-dcf.ds.mpg.de/build.php/Titel/Research_deutsch.html?sub=1&ver=de
http://213.155.73.172/tvsender/stations/mpg/index.asp?VideoNr=596&player=2
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Mit Strom vorankommen
21.02.2017 | FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

nachricht Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE
20.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten