Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorsicht beim Wetten auf negative Emissionen

22.09.2014

Das Zwei-Grad-Ziel der internationalen Klimapolitik könnte womöglich schwerer zu erreichen sein, als bislang gedacht. Das geht aus der Analyse „Betting on Negative Emissions“ hervor, die die Leitautorin Sabine Fuss vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) kurz vor Beginn des UN-Klimagipfels in New York im renommierten Fachmagazin „Nature Climate Change“ als Leitautorin veröffentlicht hat.

Laut der Auswertung gehen 85 Prozent der vom Weltklimarat IPCC untersuchten Szenarien zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels davon aus, dass die Welt Technologien wie etwa BECSS für negative Emissionen einsetzt. „Bioenergy with Carbon Capture and Storage“ ist eine noch weitgehend unerforschte Kombination aus Bioenergie und dem Abscheiden und Speichern von CO2 (CCS).

Der Atmosphäre soll so CO2 entzogen werden können. Die neue Untersuchung führt die Arbeit des IPCC weiter und zeigt nun, wie sehr diese Optionen auf den tatsächlichen Einsatz von BECCS setzen: mehr als zwei Drittel der Szenarien rechnen für das Jahr 2100 mit einem BECCS-Anteil an der Primärenergie von mehr als 20 Prozent.

„Wir verlassen uns auf einen Lösungsweg, der große Unsicherheiten birgt. Denn derzeit steckt BECCS noch in den Kinderschuhen“, sagt Fuss, Leiterin der MCC-Arbeitsgruppe Ressourcen und Internationaler Handel sowie Mitglied im Lenkungsausschuss des Global Carbon Projects. „Wir können das Zwei-Grad-Ziel noch erreichen. Aber um Klarheit über Chancen und Risiken von negativen Emissionen zu erhalten und diese im industriellen Maßstab zu ermöglichen, muss unter anderem ein Fahrplan für Pilotprojekte entwickelt werden.“

Der Weltklimarat IPCC hatte im April im dritten Teil seines neuen Berichtes gezeigt, wie der Mensch den Klimawandel bremsen kann. Auch hatte er gemahnt, dass alle technischen Optionen auf den Tisch gelegt werden sollten. Die Autoren des Kommentars in „Nature Climate Change“ präzisieren nun die Risiken und verweisen detailliert auf vier Hürden für den umfangreichen BECCS-Einsatz:

Erstens muss nach sicheren geologischen Speichern sowie nach nachhaltiger Biomasse gesucht werden, die nicht in Konkurrenz zu anderen Zielen wie der Nahrungsmittelproduktion steht. Zweitens kommen hohe Kosten für die noch unerforschte Technologie hinzu. Drittens ist die Akzeptanz in der Bevölkerung bisher mangelhaft und viertens ist beim BECCS-Einsatz eine Wechselwirkung mit globalen Gemeinschaftsgütern wie etwa den Ozeanen ungeklärt.

„Bioenergie kombiniert mit der Abscheidung und Speicherung von CO2 wird teuer sein, während Emissionen ohne eine verbindliche Klimapolitik billig bleiben“, schreiben Fuss, die auch Guest Research Scholar am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) ist, und ihre Kollegen von mehreren renommierten Forschungseinrichtungen. „Daher muss jegliche Strategie zur CO2-Entnahme mit einem außergewöhnlichen globalen Rahmenwerk einhergehen, das auch nationale wirtschaftliche Voraussetzungen berücksichtigt.“

Die Wissenschaftler des Global Carbon Projects sprechen sich für die Erforschung der Technologien aus, damit politische Entscheidungsträger die Risiken und Unsicherheiten besser einschätzen können: „Herauszufinden, wie sicher es ist, in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts auf negative Emissionen zu wetten, um gefährlichen Klimawandel zu vermeiden, sollte oberste Priorität haben.“

Über das MCC

Das MCC erforscht nachhaltiges Wirtschaften sowie die Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie globalen Umweltsystemen und sozialen Infrastrukturen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Fünf Arbeitsgruppen forschen zu den Themen Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Ressourcen und Internationaler Handel, Städte und Infrastrukturen, Governance sowie wissenschaftliche Politikberatung. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Weitere Informationen:

Der Artikel im Original: Sabine Fuss, Josep G. Canadell, Glen P. Peters, Massimo Tavoni, Robbie M. Andrew, Philippe Ciais, Robert B. Jackson, Chris D. Jones, Florian Kraxner, Nebosja Nakicenovic, Corinne Le Quéré, Michael R. Raupach, Ayyoob Sharifi, Pete Smith and Yoshiki Yamagata (2014): Betting on negative emissions, Nature Climate Change, 10.1038/nclimate2392

Le Quéré et al. (2014) Global Carbon Budget 2014. Earth System Science Data Discussions (manuscript in discussions), http://dx.doi.org/10.5194/essdd-7-521-2014

Friedlingstein et al. (2014) Persistent growth of CO2 emissions and implications for reaching climate targets. Nature Geoscience, http://dx.doi.org/10.1038/ngeo2248

Raupach et al. (2014) Sharing a quota on cumulative carbon emissions. Nature Climate Change, http://www.nature.com/doifinder/10.1038/nclimate2384

Weitere Informationen:

http://www.mcc-berlin.net
http://www.globalcarbonproject.org/carbonbudget
http://www.globalcarbonatlas.org
http://www.nature.com

Fabian Löhe | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Körperenergie als Stromquelle
22.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht „Cool“ bleiben im Büro: Wasser als Kältemittel im Alltag bald vor Durchbruch?
22.08.2017 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie