Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Volle Kraft aus Sonne und Wind

10.03.2014

Wissenschaftler der Universität Mannheim entwickeln im Rahmen eines neuen EU-Projekts eine Softwarelösung, die Rechenzentren in künftigen Smart Cities unterstützen soll, mindestens 80 Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Erste Tests starten im Sommer in Barcelona, Trient und Mailand.

In Zukunft wird es immer wichtiger werden, dass Städte ihre Energieressourcen effizient nutzen und ihre CO2-Emissionen verringern. So genannte Smart Cities sind dafür besonders geeignet. Sie zeichnet aus, dass sie IT-basiert arbeiten und allerlei Daten sammeln, um die Lebensqualität in der Stadt zu erhöhen.

Damit sollen gleichzeitig ein digitaler Lebensstil möglich und die Ressourcen geschont werden. Im EU-Projekt „DC4Cities“ erforschen Mannheimer Wissenschaftler am Lehrstuhl für Softwaretechnik zusammen mit neun weiteren europäischen Projektpartnern, wie sich Rechenzentren diese Entwicklung zu Nutze machen können, um ihren Energiebedarf fast vollständig aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Rechenzentren zählen in Städten mit zu den energie-intensivsten Verbrauchern. Das Projekt wird von der Europäischen Union mit über drei Millionen Euro gefördert. 

Die GreenIT Group am Lehrstuhl für Softwaretechnik von Prof. Colin Atkinson leitet den kompletten Prozess von der Entwicklung der Zielvorstellungen bis zu deren Umsetzung. „Unsere Zukunftsvision ist, dass die Rechenzentren der Energieverwaltung der Smart City Pläne schicken, in welcher Größenordnung sie in den nächsten Tagen Strom verbrauchen möchten“, erklärt Projektleiterin Sonja Klingert.

„Die Smart City wertet dann diese Informationen gegenüber dem Energieangebot aus und berät die Rechenzentren, wie sie ihre Pläne so anpassen können, dass 80 Prozent ihres Bedarfs mit Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt wird.“

Scheint die Sonne in den folgenden Tagen in der Smart City überdurchschnittlich stark, könnte die Energieverwaltung dem Rechenzentrum zum Beispiel vorschlagen, möglichst viel Energie jetzt zu verbrauchen. Die Informationen erhält die Smart City von den Stromproduzenten. „Die komplette Energieproduktion und ihre prozentuale Zusammensetzung aus fossilen, nuklearen und erneuerbaren Energien wird in der Smart City erfasst. Das Rechenzentrum versucht dann mit den Energiequellen, die es zur Verfügung hat, zu haushalten, um den Großteil der Rechenleistung auf erneuerbare Energien zu legen“, sagt Marcus Kessel, im Projekt für die Bedarfsermittlung zuständig. 

Damit dieses Szenario keine Zukunftsmusik bleibt, testen die Wissenschaftler in drei europäischen Städten – Barcelona, Trient und Mailand – eine Softwarelösung, mithilfe derer die Rechenzentren ihren Energiebedarf dem Muster von Sonne und Wind anpassen können. In Barcelona machen die Stadtverwaltung und das angeschlossene Rechenzentrum mit. Hier sollen die üblichen städtischen Dienste, die bereits über das Internet laufen, wie die Beantragung von Ausweisen, Zuschüssen, etc. dem Angebot von Sonne und Wind angepasst werden. „Das kann zum Beispiel bedeuten, dass in der Abendzeit, wenn wenig erneuerbare Energie zur Verfügung steht, bestimmte Anwendungen der Stadt nur in einer abgespeckten Version laufen“, erklärt Sonja Klingert.

Schwieriger könnte es in Trient werden. Hier testen die Wissenschaftler die Software an einem regionalen Gesundheitszentrum zusammen mit dem dazugehörigen Rechenzentrum. „Da in einem Krankenhaus kritische Applikationen laufen, wird das Rechenzentrum keine großen Möglichkeiten haben, energie-adaptiv zu arbeiten. Aber auch hier wollen wir ausloten, inwieweit das möglich ist“, erklärt Marcus Kessel.

Einen dritten Test fahren die Mannheimer Forscher bei dem globalen Technologieunternehmen HP in seinem Innovationszentrum in Mailand. „Wir wollen Solarpanels auf dem Dach des Rechenzentrums anbringen und schauen, wie HP mit zwei Servern dem Verlauf der Sonne folgen kann“, erklärt Projektmitarbeiter Thomas Schulze. „Hier wollen wir testen, inwieweit wir überhaupt in der Lage sind, IT-Services auf Basis der Sonneneinstrahlung anzubieten.“

Die Testläufe starten im Sommer und dauern zwischen zwei bis drei Wochen. Erste Auswertungen der Ergebnisse sind im Herbst zu erwarten. Weitere Informationen finden Sie unter: www.dc4cities.eu

Kontakt:
Sonja Klingert
Lehrstuhl für Softwaretechnik
Universität Mannheim
Schloss
68131 Mannheim
Telefon: 0621 / 181- 3904
E-Mail: klingert@informatik.uni-mannheim.de

Weitere Informationen:

http://www.dc4cities.eu

Katja Bär | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: CO2-Emissionen Cities DC4Cities Energieressourcen Smart

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht SmartMeter analysieren mit Algorithmen den Stromverbrauch
01.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS

nachricht Energiehybrid: Batterie trifft Superkondensator
01.12.2016 | Technische Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie