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Ulm soll Batterie-Hauptstadt werden

31.08.2009
Ulm, bislang schon selbst ernannte "Solarhauptstadt Deutschlands", soll sich künftig auch zur Batterie-Hauptstadt der Republik entwickeln.

Das wünscht sich jedenfalls Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan, in deren Beisein "drei ausgewiesene Partner" (Schavan) am Freitag eine Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elektrochemischen Energiespeicherung unterzeichneten: Das Karlsruhe Institut für Technologie (KIT), das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und die Universität Ulm. "1 + 1 + 1 sind in diesem Fall mehr als drei", sagte die Ministerin in diesem Zusammenhang, "ich bin überzeugt, dass dies ein Spitzenbündnis wird".

Dabei steht allen Beteiligten zufolge die Entwicklung neuer Speichertechnologien keinesfalls nur für die Automobilindustrie im Vordergrund. "Elektromobilität ist nicht alles. Wir brauchen auch Speichermöglichkeiten für andere Bereiche, sonst ist der mittels regenerativer Energiequellen gewonnene Strom nicht zu nutzen", erklärte Professor Eberhard Umbach, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe, das Anfang Oktober bekanntlich mit der dortigen Universität zum KIT fusionieren wird. "Wir müssen auch auf dem Gebiet der statischen Energiespeicherung aktiv werden", machte Professor Horst Hahn deutlich, Direktor des Instituts für Nanotechnologie.

Und Professor Karl Joachim Ebeling, Präsident der Universität Ulm, rechnet mit weitreichenden Folgen der angestrebten Forschungsergebnisse: "Das wird auch die Sonnenenergie revolutionieren, letztlich sogar die Gesellschaft verändern." Klar definiert seien demnach die Zielsetzungen für die Batterien der Zukunft: Kleiner, leichter, leistungsfähiger, haltbarer, sicherer und nicht zuletzt kostengünstiger.

Unisono sehen die Verantwortlichen der Kooperationspartner auf dem Gebiet zudem Nachholbedarf, nicht nur für die Elektromobilität. "Deutschland hat auf dem Gebiet der Elektrochemie viel an Kompetenz verloren, ist von Platz eins ins Mittelfeld abgerutscht", räumte Ministerin Schavan ein. Aber: "Wir haben alle Chancen, das aufzuholen, wenn wir unser Potenzial nutzen." Noch deutlicher wurde Professor Umbach: "Wir haben in der Vergangenheit viel verschlafen, das muss man ehrlich zugeben." Ein Fehler etwa sei gewesen, viele Lehrstühle für Elektrochemie umzuwidmen.

"Aber nicht in Ulm. Hier hat man auf das richtige Pferd gesetzt." Unabhängig davon sieht er "Japan nur bei Kleinbatterien vorne, bei mittleren und großen jedoch nicht." Überdies sieht er in der Kooperation dreier sich ideal ergänzender Partner "hervorragende Voraussetzungen, schnell voranzukommen". Gleichwohl warnte er vor überzogenen Erwartungen: "Von der Vorstellung, dass schon übermorgen alle in Elektroautos fahren werden, sind wir noch weit entfernt." Schließlich reiche es nicht, bestehende Komponenten weiter zu entwickeln. "Vielmehr sind fundamental neue Grundlagen notwendig, neue Materialien und Herstellungsverfahren vor allem."

Die sollen nun im Rahmen der Kooperation entwickelt werden, die von der Bundesregierung aus Mitteln des Konjunkturpakets II mit insgesamt zehn Millionen Euro unterstützt wird. Wobei sich bereits ein kräftiger Ausbau vorhandener Kompetenzen abzeichnet. Drei neue Professuren zum Beispiel, die im so genannten Helmholtz Lab eingerichtet werden sollen, der Vorstufe sozusagen für das angestrebte Helmholtz-Institut in Ulm, Präsident Ebeling zufolge "Fernziel der Universität und ein sehr wichtiges Element für die Entwicklung der Wissenschaftsstadt". Vorgesehen seien die Professuren für die Bereiche Materialentwicklung, Elektrochemische Prozesse und Theorie der Modellierung.

"Wir sind für die Zukunft bestens gerüstet", erklärte Dr. Margret Wohlfahrt-Mehrens, Leiterin des Fachgebietes Elektrochemische Materialentwicklung am ZSW und bei der Unterzeichnung Vertreterin von Professor Werner Tillmetz, dem Leiter des Ulmer Standorts. Für sie "ist bei der Elektromobilität der Zug im Vergleich zu Asien und den USA noch nicht abgefahren". Grundlagenforschung sei stets langfristig angelegt, so die Wissenschaftlerin, "die Ergebnisse sind nicht in drei Jahren im Auto serienreif zu realisieren".

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

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