Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

U-Bahn 2.0: Stromerzeugung beim Bremsen

16.09.2010
Gewonnene Energie wird zur späteren Verwendung in Akkus gespeichert

Der U-Bahn-Netzbetreiber Southeastern Pennsylvania Transportation Authority (SEPTA) erprobt derzeit ein System, das aus dem U-Bahn-Verkehr Strom generiert. Dabei wird die kinetische Energie, welche eine U-Bahn beim Bremsen erzeugt, mittels Generatoren an den Rädern in Elektrizität umgewandelt und anschließend in einem Akku gespeichert. Die Technologie verspricht eine Reduktion der Stromkosten um bis zu vierzig Prozent.

Ähnliche Systeme sind auch hierzulande, etwa im Netz der Wiener Linien http://www.wienerlinien.at , im Einsatz. „Unsere U-Bahn-Garnituren und Niederflurstraßenbahnen sind mit Bremskraft-Rückgewinnungssystemen ausgestattet“, erzählt Dominik Gries, Sprecher der Wiener Linien, gegenüber pressetext. Die dadurch mögliche Stromkosten-Ersparnis beträgt beachtliche dreißig Prozent. Die Verwendung eines Akkus und der gewinnbringende Verkauf der gewonnenen Elektrizität, wie es in Philadelphia derzeit erprobt wird, ist hierzulande derzeit allerdings noch kein Thema.

Aus Bremsenergie wird bares Geld

Derzeit wird das Strom-Rückgewinnungssystem nur an einem der 38 U-Bahnhöfe in Philadelphia erprobt. Doch allein dieser eine aufgerüstete Bahnhof könnte im Jahr SEPTA-Schätzungen zufolge eine halbe Mio. Dollar einbringen, wenn der erzeugte Strom gewinnbringend wieder ins Netz eingespeist wird. Würden alle U-Bahnhöfe entsprechend ausgerüstet, würde dies jährlich Einnahmen in Höhe von mehreren Millionen Dollar bedeuten.

„Die Idee, den Strom zu speichern und dann wieder einzuspeisen, ist interessant. Allerdings sind entsprechende Akkus derzeit noch sehr teuer und aufwändig in der Produktion“, kommentiert Gries das Konzept. Für die Zukunft schließt er jedoch nicht aus, dass solche Systeme ihren Weg auch nach Europa finden.

Besonders zu Zeiten, wenn in Städten viel Strom verbraucht wird, könnte sich das Einspeisen des aus der Bremsenergie gewonnenen Stroms ins städtische Elektrizitätsnetz für die U-Bahn-Betreiber auszahlen. Netzbetreiber müssen die Stromproduktion kontinuierlich überwachen und auf steigenden bzw. fallenden Bedarf seitens der Kunden reagieren. Üblicherweise lassen sie dazu einige Kraftwerke mit reduzierter Leistung laufen, die dann bei Bedarf hochgefahren werden. Dies dauert allerdings einige Zeit und kann bei kurzfristigen Nachfragespitzen zu spät erfolgen.

Software entscheidet über Stromverwendung

Akkus, wie sie im SEPTA-Versuch ebenso wie in Elektroautos Anwendung finden, meistern solche Situationen. Sie geben die Energie, die bei einer kurzzeitigen Bedarfsspitze gebraucht wird, ab (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/091216009/) und brauchen keine Zeit, um hochzufahren. Die SEPTA arbeitet gemeinsam mit der Smart-Grid-Firma Viridity http://viridityenergy.com an einer Software, die den Strom je nach Bedarf und dem zu erwartenden ökonomischen Nutzen entweder für den Antrieb der U-Bahnen nutzt oder ihn gewinnbringend ins Netz einspeist

Derzeit läuft das Projekt in einer Pilotphase, die noch bis Sommer 2011 andauern wird. Im Moment arbeiten die Teams von SEPTA und Viridity an der Lösung von zwei Problemen, die der Masseneinführung des Strom-Rückgewinnungssystems im Weg steht. Zum einen wird noch evaluiert, welche Akku-Technologie die Anforderungen im täglichen Betrieb am besten meistert, zum anderen herrscht auch bei der Software noch Entwicklungsbedarf.

Erprobt wurden bereits billige Säure-Blei-Akkus, die in puncto Haltbarkeit enttäuschten. Derzeit evaluieren SEPTA und Viridity leistungsfähige Lithium-Ionen-Akkus, die allerdings teuer sind. Zudem bedarf auch die Smart-Grid-Software noch einiger Anpassungen.

Sie muss Daten aus dem SEPTA-Netz ebenso wie die Daten verschiedener Strombörsen blitzschnell auswerten können und den Strom dann entweder für die U-Bahnen nutzen oder ins Netz einspeisen. Viridity hat ähnliche Lösungen bereits bei mit Solarzellen ausgestatteten Gebäuden erprobt, muss diese allerdings an die Anforderungen im U-Bahn-Betrieb anpassen. Ein Gewinn für die Umwelt sind öffentliche Verkehrsmittel natürlich auch jetzt schon. „Der Energieverbrauch von Öffis beträgt schon jetzt nur etwa ein Zehntel dessen, was Autos bei vergleichbaren Personenzahlen brauchen würden“, sagt Gries. Eine Steigerung der Umweltfreundlichkeit ist dabei freilich immer noch möglich.

Dominik Erlinger | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.septa.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Wussten Sie, dass Infrarot-Wärme die Pralinenherstellung vereinfacht?
14.02.2017 | Heraeus Noblelight GmbH

nachricht Qualitätskontrolle in Echtzeit: „smartFoodTechnologyOWL“ startet erstes Projekt
15.02.2017 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung