Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tongue Drive System: Rollstuhlfahren mit Zunge

20.02.2012
Am Georgia Institute of Technology haben Ingenieure eine an einem Zungenpiercing oder Implantat befestigte Fernsteuerung für Rollstuhlfahrer, das sogenannte "Tongue Drive System" entwickelt. Es soll Schwerstbehinderten helfen, nicht mehr auf die ständige Hilfe von Angehörigen oder Pflegepersonal angewiesen zu sein.

"Durch das Verschieben der Sensoren von einem Headset in den Mund, haben wir ein Tongue Drive System geschaffen, das eine erhöhte mechanische Stabilität und einen verbesserten Komfort aufweist und fast unmerklich ist", betont Maysam Ghovanloo, Projektleiter des Tongue Drive Systems. Das neue intraorale System wird heute, Montag, auf der IEEE International Solid-State Circuits Conference in San Francisco http://isscc.org vorgestellt.

Zunge trotz Rückenmarksverletzung aktiv

Der neueste Prototyp ermöglicht es den Nutzern, das System durch eine unauffällige zahnärztliche Halterung im Mund, versehen mit Magnetfeldsensoren, zu steuern. Diese Sensoren wiederum interagieren mit einem kleinen Magneten an der Zunge. Zudem enthält das System eine wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterie und eine Induktionsspule, um den Akku zu laden.

"Um das System zu bedienen, haben wir uns für die Zunge entschieden. Sie ist, anders als Arme und Beine, die über das Rückenmark kontrolliert werden, direkt mit dem Gehirn durch einen Nerv verbunden. Dieser Nerv wird normalerweise selbst durch schwere Rückenmarksverletzungen nicht in Mitleidenschaft gezogen", so Ghovanloo http://users.ece.gatech.edu/mghovan .

Gehirnchirurgie nicht notwendig

Die Ausgangssignale der Sensoren werden drahtlos auf einen iPod oder ein iPhone übertragen, welche am Rollstuhl befestigt sind. Die Software, die auf dem iPod installiert ist, interpretiert dabei die Befehle der Zunge durch Bestimmen der relativen Position des Magneten in Bezug auf die Anordnung von Sensoren in Echtzeit. Diese Informationen werden verwendet, um die Bewegungen eines Cursors auf dem Bildschirm zu steuern oder um für die Joystick-Funktion in einem Elektro-Rollstuhl zu ersetzen.

"Der Nutzer kann unser System sogar darauf trainieren, dass es die Berührung jedes Zahns als ein anderes Kommando erkennt", sagt Ghovanloo. Das sei weitaus flexibler als man es in bisherigen Systemen beobachtet, die durch Ziehen oder Pusten in einen Strohhalm gesteuert wurden. "Ein weiterer Vorteil des Tongue Drive Systems ist, dass es non-invasiv ist und Gehirnchirurgie im Vergleich zu ähnlichen Systemen nicht notwendig ist", so Ghovanloo.

Jana Seywald | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.gatech.edu

Weitere Berichte zu: Magnete Nerv Rollstuhlfahren Rückenmarksverletzung Sensor Tongue Zunge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht SmartMeter analysieren mit Algorithmen den Stromverbrauch
01.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS

nachricht Energiehybrid: Batterie trifft Superkondensator
01.12.2016 | Technische Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie