Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technologieplattform für nachhaltige Kernenergie stellt strategische Forschungsagenda vor

03.12.2008
Die im September 2007 ins Leben gerufene europäische Technologieplattform für nachhaltige Kernenergie SNE-TP (Sustainable Nuclear Energy Technology Platform) hat ihre strategische Forschungsagenda (SRA) vorgestellt, in der die wissenschaftlichen und FuE-Prioritäten (Forschung und Entwicklung) für die nächsten zehn Jahre festgelegt werden.

Zwei Themen haben einen deutlichen Vorrang: Verringerung der Alterungseffekte bestehender "Leichtwasser"-Reaktoren sowie die Vorbereitung einer Demonstration der "schnellen Neutronenreaktoren der vierten Generation".

Die Technologieplattform führt Experten aus der Industrie, von Forschungsorganisationen, Universitäten und Nichtregierungsorganisationen zusammen, um die Anstrengungen im Rahmen einer gemeinsamen Vision für Forschung, Entwicklung und Innovation für Kernenergiesysteme zu koordinieren. Die Plattform umfasst 60 Mitglieder aus 19 europäischen Ländern.

Der Europäischen Kommission zufolge "leistet die Kernenergie, die derzeit 31% der EU-Stromproduktion liefert, einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der kohlenstoffarmen Wirtschaft". Zur Erfüllung der Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in Europa um 20% bis 2020 und als Teil der Bemühungen zur Realisierung einer kohlenstoffarmen Gesellschaft (low-carbon society) bis 2050 hat die Europäische Kommission die FuE-Aussichten für kohlenstoffarme Energietechnologien in ihrem Strategieplan für Energietechnologie (SET-Plan) im November des letzten Jahres festgelegt. Dieser Plan nennt die Energie aus Kernspaltung einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des 2020-Ziele.

Schnelle Neutronenreaktoren können die Energieproduktion einer bestimmten Menge Uran um das 50-fache oder mehr multiplizieren. In der SRA heißt es, eine neue Generation dieser Reaktoren sei notwendig, um derzeitige Standards und Normen zu Sicherheit, Betrieb und Wettbewerbsfähigkeit zu erfüllen.

"Es wird angepeilt", lautet es in der SRA, "dass diese neue Generation von schnellen Neutronenreaktoren (Gen-IV) parallel mit den verbesserten Leichtwasserreaktoren der dritten Generation (Gen-III), die derzeit in Europa gebaut werden, betrieben wird. Damit wird der Anteil von einem Drittel an der Energieproduktion in Europa bewahrt."

Obwohl die Entwicklung der nächsten Generation von Reaktoren klaren Vorrang hat, "ist es unentbehrlich, den Bau von neuen Leichtwasserreaktoren der dritten Generation zu fördern", heißt es in dem Bericht. "Um einheitliche Genehmigungsanforderungen in Europa zu erzielen, sollte die Bauartzulassung harmonisiert werden."

Das Abfallmanagement erhält in dem Bericht ebenfalls Priorität. Dabei wird hervorgehoben, dass es wichtig sei, effizientere Kerne und Brennstäbe einzusetzen, um eine optimale Leistung zu erhalten und die Menge und Lebensdauer von Abfällen zu minimieren. Außerdem wird die Wichtigkeit fortgesetzter Forschungen zu Partitionierungs- und Transmutationtechnologien unterstrichen. Innerhalb von zehn Jahren, heißt es in dem Bericht, werden die ersten geologischen Endlager für hochradioaktive Abfälle in der EU in Betrieb sein.

Die strategische Forschungsagenda legt klare Ziele für die Entwicklung anderer Anwendungen für Nukleartechnologie dar, die auf fossilen Brennstoffen basierende Industrieverfahren wie die Massenproduktion von Wasserstoff für die Synthetisierung von Dünger oder die Raffinierung von Rohöl ersetzen können.

Forschungen in Bereichen der Werkstoffverbesserung, der Herstellungs- und Schweißverfahren, der innovativen Energieumwandlungssysteme, der verbesserten Sicherheit und innovativen Brennstoffe erhalten ebenfalls Vorrang, ebenso wie die rechnergestützte Modellierung für detaillierte Simulationen von Reaktorverhalten in einer Reihe von Szenarien bei Normal- und Unfallbedingungen.

Das Thema Sicherheit zieht sich durch die gesamte Agenda. "Die Forschung zur kerntechnischen Sicherheit wird Arbeiten zu menschlichen wie auch zu organisatorischen Faktoren umfassen", heißt es dort. "Darüber hinaus müssen Forschungen durchgeführt werden, die zum Bau von wirklich sicheren schnellen Neutronenreaktoren der vierten Generation beitragen."

Die Kosten für den Unterhalt von Forschungsinfrastrukturen sind hoch. In der SRA wird hervorgehoben, dass ein Netzwerk von komplementären Anlagen in Europa eingerichtet werden sollte; dazu gehören die Modernisierung bestehender sowie der Bau neuer Anlagen. Zu den neuen Anlagen gehören experimentelle Anlagen zum Brennstoffkreislauf und extrem große Nuklearforschungsanlagen wie der Jules-Horowitz-Materialprüfungsreaktor in Frankreich.

Darüber hinaus spricht die SRA die Wichtigkeit von Aus- und Weiterbildung an, da dringend hoch qualifiziertes Personal benötigt wird. "Der Nuklearsektor muss sich mit der Notwendigkeit befassen, seinen Kompetenzpool zu verstärken und weiterzuentwickeln, das bestehende Wissen zu verwalten und Netzwerke von Forschungsinfrastrukturen zu organisieren." Anstrengungen zur Aus- und Weiterbildung erhalten die maßgebliche Unterstützung des European Nuclear Education Networks (ENEN), das unter den EU-Rahmenprogrammen (RP5 bis RP7) finanziert wird.

Die diese Woche in Brüssel vorgelegte Strategische Forschungsagenda steht der Öffentlichkeit zur Verfügung und von allen Interessengruppen werden Stellungnahmen erbeten.

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://www.snetp.eu
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Graduiertenschule HyPerCells entwickelt hocheffiziente Perowskit- Dünnschichtsolarzelle
17.08.2017 | Universität Potsdam

nachricht Lasersensoren LAH-G1 – Optische Abstandssensoren mit Messwertanzeige
15.08.2017 | WayCon Positionsmesstechnik GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten