Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stromangebotsschwankungen auf dem Energiemarkt der Zukunft begegnen

25.03.2011
Institut für Energiewirtschaftsrecht an der Universität Jena untersucht Effizienzpotenziale durch intelligentes Stromverbrauchsverhalten
Eines ist sicher: Die aktuellen Geschehnisse in Japan werden auch hierzulande zu einer dynamischen Entwicklung des Energiemixes beitragen.

Ziel ist die verstärkte Nutzung regenerativer Energien. Der steigende Anteil von „Grünstrom“ erfordert jedoch nicht nur den dringenden Ausbau von Übertragungs- und Verteilnetzen, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf den Strommarkt.

„Das Stromangebot aus erneuerbaren Energien ist bereits heute zu einem bedeutenden Teil volatil. Dieser Strom steht in Menge und Zeit nicht so kontinuierlich wie Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken zur Verfügung“, erläutert Knut Schmelzer vom Institut für Energiewirtschaftsrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Besonders auffällig sei das am Beispiel der Windkraft. Infolge des verstärkten Ausbaus erneuerbarer Energien müssten sich die Stromversorgungswirtschaft und auch private Verbraucher zunehmend auf Angebotsschwankungen einstellen.

Diese Erkenntnisse fließen auch in das Gemeinschaftsprojekt RESIDENS ein, an dem auch das Jenaer Institut beteiligt ist. Im Jahr 2008 als Forschungs- und Entwicklungsprojekt gestartet steht RESIDENS für die effizientere Energienutzung durch systemtechnische Integration des privaten Endabnehmers. Untersucht werden Potenziale zur Steigerung von Energieeffizienz durch den Einsatz von sog „Smart Metering“ bei Privatverbrauchern, die damit ihrerseits zu Akteuren der Energieversorgung werden. Hauptansatzpunkt ist, Verbrauchsspitzen zu verlagern, auch um so einen gleichmäßigeren Stromverbrauch zu erreichen.

Jüngst hat dazu in Ilmenau ein Feldtest begonnen, an dem sich 200 private Stromkunden beteiligen. Deren Haushalte wurden mit verschiedenen Stromzähler- und Kommunikationssystemen (Smart Meter-Systeme) ausgerüstet, die den aktuellen Verbrauch zeit- und mengenbezogen erfassen und dem Verbraucher über ein Internetportal anzeigen können. Darüber hinaus sind für die Dauer des Tests variable Stromtarife eingerichtet, die variable Zeitzonen unterschiedlich bepreisen. „Wir möchten herausfinden, wie hoch der finanzielle Anreiz sein muss, damit Endkunden ihr Verbrauchsverhalten an das Stromangebot anpassen und somit flexibel sind“, sagt Knut Schmelzer. Gegenwärtig sei es überwiegend so, dass die Kilowattstunde Strom für den Verbraucher einen Festpreis hat, unabhängig davon, zu welcher Tages- oder Nachtzeit und in welcher Menge sie verbraucht wird. In Zukunft dürfte es, auch angestoßen durch energierechtliche Rahmenbedingungen, verstärkt variable Preise geben: So könne der Preis sinken, wenn besonders viel Energie zur Verfügung steht. „Perspektivisch wird der Stromverbrauch zumindest anteilig der Stromerzeugung folgen müssen“, prognostiziert der Jenaer Jurist. Jedoch gelte es auch aufzuzeigen, ab welcher Haushaltsgröße sich das effizientere Management überhaupt lohnt. Neben Privatleuten seien kleinere Betriebe im Handel, Handwerk oder in der Landwirtschaft interessant. Letztendlich müssten aber auch hier Kosten und Nutzen gegenübergestellt werden.

Bundesweit geschieht die Erprobung intelligenter Zähler in verschiedenen Pilotprojekten. RESIDENS verfolgt hierbei einen Ansatz, der über die bloße Verbrauchersicht hinausgeht. „Das Projekt führt eine Gesamtbetrachtung des künftigen Energieversorgungssystems durch und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Markt- und Netzintegration erneuerbarer Energien“, ergänzt Schmelzer.

Das Projekt ist fachübergreifend ausgerichtet und wird vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gefördert. So sind neben dem Jenaer Institut für Energiewirtschaftsrecht die TU Ilmenau, das Fraunhofer IOSB-AST, das Fraunhofer IDMT sowie die Stadtwerke Ilmenau beteiligt. Auf interdisziplinärer Grundlage untersuchen die Wissenschaftler am Jenaer Institut die rechtlichen Rahmenbedingungen des Projekts und entwickeln praktikable Lösungsvorschläge. Laut Schmelzer bestehe auf Seiten der Akteure im Energieversorgungssystem in wichtigen Bereichen gegenwärtig noch große Rechtsunsicherheit, die es zu beseitigen gilt. Eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes, die auch auf größere Rechts- und damit Investitionssicherheit abzielt, wird für Anfang 2012 erwartet.

Auf der HannoverMesse

Über den aktuellen Zwischenstand bei RESIDENS informieren das Institut sowie weitere Projektpartner vom 4. bis 8. April auf der Hannover Messe 2011 am Gemeinschaftsstand „Forschung für die Zukunft“. In Halle 2 am Stand C 37 sind die Länder Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam vertreten.

Kontakt:
Knut Schmelzer (Ass. iur.)
Institut für Energiewirtschaftsrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 942146
E-Mail: k.schmelzer[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.rewi.uni-jena.de/Institut_Energiewirtschaftsrecht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften
29.03.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Elektromobilität: Forschungen des Fraunhofer LBF ebnen den Weg in die Alltagstauglichkeit
27.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten