Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Siemens baut ersten europäischen Landstromanschluss für Kreuzfahrtschiffe

22.07.2014

Die Hamburg Port Authority (HPA) hat Siemens beauftragt, im Kreuzfahrtterminal Hamburg Altona eine schlüsselfertige Landstromanlage zu bauen, die Kreuzfahrtschiffe jeder gängigen Größe und Bordnetz-Auslegung im Hafen mit Strom versorgt. Schiffe können so die eigenen Dieselgeneratoren abschalten und reduzieren die Schadstoffemissionen während der Liegezeit.

Das erste europäische Landstromversorgungssystem dieser Art hat eine Leistung von 12 Mega Volt Ampere (MVA) und arbeitet mit einem patentierten, speziell für den Tidenhub ausgelegten fahrbaren Roboterarm. Herzstück der Anlage ist ein Frequenzumrichter mit Steuerungssoftware, der die Frequenz des örtlichen Verteilnetzes an die des Bordnetzes angleicht.


Das Landstromversorgungssystem von Siemens arbeitet mit einem patentierten, speziell für den Tidenhub ausgelegten fahrbaren Roboterarm.

Zum Lieferumfang von Siemens als Generalunternehmer gehören auch die Mittel- und Niederspannungsschaltanlagen, die Transformatoren, die Brandschutzanlage sowie die Klima- und Lüftungstechnik für das Gebäude. Die Inbetriebnahme ist für das Frühjahr 2015 geplant. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf rund 8,5 Mio. Euro.

Das Landstromversorgungssystem von Siemens erfüllt die geforderten internationalen Standards IEC/ISO/IEEE 80005-1 (mittelspannungsseitige Kabelverbindung zwischen Land und Schiff) und IEC 62613-2 (Stecker, Steckdosen und Kommunikationsverbindungen).

Das modular aufgebaute System von Siemens bedient alle in der Schifffahrt geforderten Leistungsbereiche und ist für die weltweit gängigen Bord-Frequenzen von 50 und 60 Hertz sowie alle erforderlichen Spannungsebenen für die Schifffahrt geeignet. Im 50-Hertz-Bereich werden Spannungen von 6 bzw. 10 Kilovolt (kV), im 60-Hertz-Bereich 6,6 bzw. 11 kV bereitgestellt. Grundsätzlich wird bei der Frequenzumwandlung beispielsweise 50 Hertz Wechselstrom auf 60 Hertz Wechselstrom umgeformt.

Beim Siemens-System sind dementsprechend zwei Umrichter durch einen Gleichspannungszwischenkreis miteinander und jeweils mit den landseitigen und schiffsseitigen Stromrichtertransformatoren verbunden. Damit ist das System in der Lage, nicht nur aus einem Verteilnetz heraus ein Inselnetz zu speisen, sondern auch Stromversorgungsnetze mit unterschiedlichen Parametern einander anzupassen und miteinander zu verbinden.

Siemens setzt auf der Schiffsseite einen Multilevelumrichter ein, der einen sehr oberwellenfreien Wechselstromverlauf garantiert. Stromrichtertransformatoren stellen den Anschluss des Systems an das Versorgungsnetz her. Der schiffsseitige Transformator sorgt für die galvanische Trennung zwischen Schiffs- und Landnetz, wie es die IEC 80005-1 fordert.

Das System bietet über ein speziell entwickeltes Kabelzuführungssystem für Kreuzfahrtschiffe eine schnelle, einfache und flexible Verbindung zwischen Land und Schiff. Das System ist selbstfahrend und kann bei Bedarf vollautomatisch vom Schiff aus bedient werden, so dass auf der Landseite kein zusätzliches Fachpersonal erforderlich ist. Ein Betonkanal entlang der Kaimauer führt eine hochwasserbeständige Leitungskette zur Verfahrbahrkeit des Systems und ist für dieses Projekt mit einer Länge von 300 Metern ausgeführt.

Mittels eines Roboterarms werden die Stecker der Leistungskabel und der Kommunikationsverbindung wie auf einem Tablett durch die Außenluke in das Schiff gebracht. Diese Technik, die gemeinsam mit der Firma Stemmann Technik in Schüttorf entwickelt wurde, gleicht während der Stromversorgung ebenfalls den Tidenhub aus. Die Leistungsübertragung zum Schiff erfolgt ohne Schleifringe und ist somit nicht störanfällig.

Die Stahlplattenabdeckung des Betonkanals kann problemlos mit den geforderten Achslasten befahren werden, so dass die Kaioperationsoberfläche ohne Einschränkungen von Teleskopkränen, Lkw und Bussen während der Liegezeiten befahren werden kann. Das Kabelzuführungssystem wird bei Nichtbetrieb in einer hochwassergeschützten Garage geparkt. Somit ist die Forderung der Hansestadt Hamburg nach einem öffentlichen Zugang von Kaianlagen für Besucher gewährleistet.

Die Verbrennung von Schiffstreibstoffen zur notwendigen Stromerzeugung während der Liegezeit ist eine der Hauptursachen für die lokale Luftverschmutzung in Häfen.

Die Reduzierung von Schadstoffemissionen, die aus der Schifffahrt stammen, ist in Hafenstädten weltweit ein Thema. Bereits seit über zehn Jahre empfiehlt die Europäische Kommission Hafenbehörden, durch Vorschriften, Anreize oder die Erleichterung des Zugangs dafür zu sorgen, dass Schiffe während der Liegezeit im Hafen landseitige Stromquellen nutzen. Diese Empfehlung wurde zuletzt 2006 konkretisiert und erweitert.

Zusätzlich hat die Europäische Kommission 2013 einen Richtlinienvorschlag "Strategie für umweltverträgliche, alternative Kraftstoffe, einschließlich der zugehörigen Infrastruktur" erarbeitet. Demnach sollen die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 60 Prozent verringert werden. Für Seehäfen gewinnen deshalb Alternativen wie Elektrizität am Liegeplatz und Flüssigerdgas (LNG) während der Fahrt an Bedeutung. Gemäß Artikel 4 des Vorschlags sollen die Mitgliedsstaaten sicherstellen, dass in den meisten See- und Binnenhäfen eine landseitige Stromversorgung für Schiffe vorgesehen wird.

Weitere Informationen zum Thema Landstromversorgung unter www.siemens.de/siharbor

Der Siemens-Sektor Infrastructure & Cities (München) mit rund 90.000 Mitarbeitern bietet nachhaltige und intelligente Infrastruktur-Technologien. Dazu gehören Produkte, Systeme und Lösungen für intelligentes Verkehrsmanagement, Schienenverkehr, Smart Grids, Energieverteilung, energieeffiziente Gebäude und Sicherheitslösungen. Der Sektor setzt sich aus den Divisionen Building Technologies, Low and Medium Voltage, Mobility and Logistics, Smart Grid und Rail Systems zusammen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter
http://www.siemens.com/infrastructure-cities

Die Siemens-Division Low and Medium Voltage (Erlangen) bedient das komplette Produkt-, System- und Lösungsgeschäft für die zuverlässige Energieverteilung und -versorgung auf der Niederspannungs- und Mittelspannungsebene. Das Portfolio umfasst Schaltanlagen und Schienenverteiler-Systeme, Stromversorgungslösungen, Installationsverteiler, Schutz-, Schalt-, Mess- und Überwachungsgeräte sowie Energiespeicher für die Integration erneuerbarer Energien in das Netz. Kommunikationsfähige Softwaretools, die die Energieverteilungsanlagen an die Gebäude- oder Industrieautomation anbinden, ergänzen die Systeme. Low and Medium Voltage sichert die effiziente Energieversorgung für Stromnetze, Infrastruktur, Gebäude und Industrie. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: http://www.siemens.com/low-medium-voltage

Reference Number: ICLMV20140503d

Ansprechpartner

Herr Heiko Jahr
Division Low and Medium Voltage

Siemens AG

Freyeslebenstr. 1

91058  Erlangen

Tel: +49 (9131) 7-29575

Heiko Jahr | Siemens Infrastructure & Cities
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Wärme in Strom: Thermoelektrische Generatoren aus Nanoschichten
16.03.2017 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Flüssiger Treibstoff für künftige Computer
15.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie