Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherheit ohne Kompromisse: 90 Jahre VDE-Zeichen

20.04.2010
Es findet sich in jedem Haushalt, an elektrischen Rasenmähern, Photovoltaik-Anlagen oder an Zahnarztstühlen. Es garantiert Verbrauchern ein Höchstmaß an Sicherheit, es ist Teil des "Made in Germany" und in diesem Jahr feiert es seinen 90. Geburtstag: Das VDE-Zeichen. Dass das Sicherheitsniveau elektrotechnischer Produkte und Anlagen in Deutschland weltweit am höchsten ist und die Zahl der durch Stromunfälle ums Leben gekommenen Menschen sich seit Jahrzehnten von einstmals über 400 auf heute unter 50 Fälle pro Jahr reduziert hat, ist unter anderem ein Verdienst des Dreiecks mit den drei Buchstaben VDE.

Der Erfolg des VDE-Zeichens war im Jahr seiner "Geburt" nicht absehbar. Im Jahr 1920 richtete der 1893 gegründete VDE in Berlin eine zentrale Prüfstelle ein, die auf die Übereinstimmung elektrotechnischer Produkte mit den bestehenden VDE-Bestimmungen achten sollte. Von diesem Angebot machten zunächst nur wenige Hersteller Gebrauch.

Ab 1924 - mit der Stabilisierung der Währung - nahmen die Anträge der Hersteller jedoch rapide zu. Im Jahr 1934 trugen bereits fast 4.000 Produkte das VDE-Zeichen. In der Industrie, in Krankenhäusern, in Bahnen, Flugzeugen und Kraftwerken begleitete das VDE-Zeichen den Aufschwung mit dem Ergebnis, dass das Sicherheitsniveau elektrotechnischer Produkte und Anlagen in Deutschland seit Jahrzehnten weltweit als das höchste gilt. Heute tragen weltweit 200.000 Produkttypen mit einer Million Modellvarianten das VDE-Zeichen, das praktisch in der gesamten Elektroindustrie bekannt ist und das rund zwei Drittel der Verbraucher kennen.

Insgesamt stammen 60 Prozent der 7.000 Kunden des VDE-Instituts aus dem Ausland. Vor allem aus Asien steigt die Nachfrage nach dem VDE-Sicherheitszeichen, China ist nach Deutschland zweitgrößter Kunde. Mit der VDE Global Services GmbH und der ASIG GmbH ist der VDE mit Niederlassungen in China, Hongkong, Taiwan, Japan und Südkorea vertreten. In Europa ist der VDE in Italien, Schweiz, Frankreich, Türkei und Spanien vertreten. In Osteuropa stellen Polen und Russland die wichtigsten Kunden.

50 Prozent der Produkte fallen durch Erstprüfung durch
Die Prüfungen des VDE-Instituts sind hart. In Fachkreisen gilt das Prüfsiegel des VDE als Synonym für höchste Sicherheitsstandards. "50 Prozent der von den Herstellern bei uns eingereichten Produkte bestehen die Eingangstests unserer Prüfingenieure nicht", verrät Wilfried Jäger, Geschäftsführer des VDE-Instituts. Die Produkte, die das "Klassenziel" nicht erreichen, müssen entsprechend nachgebessert werden, ehe sie das VDE-Zeichen führen dürfen. Viele Hersteller lassen nicht erst das fertige Produkt testen, sondern arbeiten schon während der Entwicklungsphase mit den VDE-Experten zusammen, um später das VDE-Zeichen zu erhalten.
Nur CE-Kennzeichnung? Aufpassen!
Hersteller, die sich für das VDE-Dreieck entscheiden, tun dies freiwillig. Was viele Verbraucher nicht wissen: Im Europäischen Wirtschaftsraum gibt es mit wenigen Außnahmen keine gesetzliche Prüfpflicht für elektrotechnische Produkte. Bei Produkten, die kein Prüfsiegel wie das VDE-Dreieck vorweisen können, heißt es aufpassen. Daran ändert erst einmal auch die CE-Kennzeichnung nichts, mit der der Hersteller erklärt, dass sein Produkt den Anforderungen der europäischen Richtlinien entspricht. Denn Sorgen machen den VDE-Experten Billigprodukte, die ganz ohne Sicherheitsüberprüfung in den deutschen Markt kommen und häufig falsch deklariert oder gefälscht und gefährlich sind. Zum Glück achten die Verbraucher zunehmend auf unabhängige Sicherheitszeichen. In einer Repräsentativ-Umfrage gaben rund zwei Drittel der Befragten an, dass das Thema Sicherheit und die Auszeichnung mit einem Prüfzeichen eine herausragende Rolle beim Kauf eines elektrotechnischen Produktes spiele. Hersteller mit VDE-geprüften Produkten dürfen daher einen Marktvorteil erwarten. "Zu Recht!", freut sich Wilfried Jäger.
Vom Haushaltsgerät über die Photovoltaikanlage bis hin zum Medizinprodukt
Egal ob Haartrockner, Waschmaschine oder Photovoltaik-Anlage, die unabhängigen Prüfer des VDE-Instituts unterziehen in ihren Offenbacher Labors jährlich rund 100.000 elektrotechnische und elektronische Geräte aus aller Welt einem Härtetest, bevor sie das VDE-Dreieck erhalten. Galt früher die Faustregel "Wo Strom fließt, wird auf Sicherheit geprüft", hat das VDE-Institut seine Produktpalette deutlich erweitert. Im Rahmen von "VDE Quality Tested" prüfen die Ingenieure Umweltverträglichkeit, Energieeffizienz oder Gebrauchstauglichkeit. Bei einer Waschmaschine wird beispielsweise neben der Sicherheit die Bedienbarkeit, Geräuschemission auch die Waschqualität inklusive der Hygiene überprüft.

Insbesondere in den Bereichen Umweltprüfungen und Prüfungen von Hightech-Endgeräten baute das VDE-Institut im vergangenen Jahr sein Dienstleistungsportfolio weiter aus. Im Bereich der EMV-Messungen entwickelte das VDE-Institut gemeinsam mit der TU München ein weltweit einmaliges Messverfahren für elektromagnetische Verträglichkeit von Elektroprodukten bis hin zu Elektrofahrzeugen. Die Akustikmessungen in der großen Absorberhalle sind unter anderem für die Prüfung von Haushaltgeräten im Rahmen des EU-Energielabels vorgesehen und für Geräte, die im Freien verwendet werden, wie Gartengeräte, Kraftstromerzeuger oder Kompressoren. Im Chemielabor findet die chemische Produktprüfung und Werkstoffanalyse statt. Hier wird unter anderem auf krebsauslösende Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, den sogenannten PAKs, geprüft.

Auch die Prüfung und Zertifizierung von Brennstoffzellen gehört zum Programm. Hier kooperieren das VDE-Institut und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Darüber hinaus prüft das VDE-Institut gemeinsam mit dem ISE Photovoltaik-, Module-, Systeme- und -Anlagen. Im Zeitraffer werden in den Prüflabors Hitze, Kälte und Feuchtigkeit simuliert. "Einige Versicherungen verringern ihre Policen, wenn die Anlage von uns positiv geprüft wurde", erklärt Wilfried Jäger. Auch Systeme im Bereich der Medizintechnik werden vom VDE-Institut zertifiziert.

Bei Teddy und Co. hört der Spaß auf
Auch bei der Sicherheit von Spielzeug kennen die Prüfingenieure des VDE-Instituts keinen Spaß. Noch immer liegen zu viele ungeprüfte Spielwaren in den Verkaufsregalen. Das Risiko ist hierbei groß. Die Ingenieure des VDE-Instituts testen deshalb, ob bei Spielzeug die Einzelteile groß genug sind, damit für Kinder kein Erstickungsrisiko besteht. Enthält das Spielzeug krebserregende Weichmacher? Im Chemielabor werden Spielzeuge mit Röntgenfluoreszenzmethoden auf ihre Giftigkeit untersucht. Elektrische Mängel wie zu lautes Spielzeug oder Gefahr von elektrischem Schock treten nach einer VDE-Analyse neben der Erstickungsgefahr und krebsauslösenden Weichmachern am dritthäufigsten auf. Immer wichtiger wird daher die Messung von Geräuschemission. Quietschspielzeuge und elektronische Rasseln etwa dürfen einen Wert von 85 Dezibel nicht überschreiten. Kleinkinder können sonst dauerhafte Hörschäden erleiden. Scharfe Teile, Schwermetalle und Entzündbarkeit sind weitere Mängel. Eltern sollten beim Spielzeugkauf daher auf Sicherheitszeichen wie das VDE-Dreieck achten. "Nur 20 Prozent aller Spielzeuge werden auf dem deutschen Markt von unabhängigen Testhäusern auf ihre Sicherheit geprüft. In internationalen Märkten dürfte diese Zahl noch wesentlich geringer ausfallen", bemängelt Wilfried Jäger.
Der Verbraucher prüft mit
TV-Geräte, mobile Navigationssysteme, Autos oder Computer werden technisch immer komplexer. Sie sind für den Verbraucher aber nur dann sinnvoll, wenn sie trotz Hightech leicht bedienbar sind. Bereits in der Produktentwicklung müssen sich Hersteller mit der Frage beschäftigen, wie hochkomplexe Technik intuitiv bedient werden kann. Im Usability-Labor des VDE-Instituts prüfen Laien als potentielle Verbraucher gemeinsam mit den VDE-Ingenieuren Produkte wie Waschmaschinen, Küchengeräte, Rasenmäher, Handwerkzeuge, Fernseher, Computer oder Spielzeug auf deren Gebrauchstauglichkeit. Benutzungsfehler und damit einhergehende Gefahren werden so minimiert und Komfort, intuitive Bedienung und Akzeptanz eines Produkts überprüft. Auch Bedienungsanleitungen stehen auf dem Prüfstand für Sicherheit und Verständlichkeit. Bevor eine vom VDE geprüfte Anleitung auf den Markt kommt, durchläuft sie eine Risikoanalyse und muss einen Konsumententest vor versteckter Kamera bestehen.
Mit Interpol und Zoll gegen Produktpiraterie
Produkt- und Markenpiraterie gefährdet nicht nur die Volkswirtschaft. Noch gefährlicher wird es für den Verbraucher, wenn er ein gefälschtes unsicheres Produkt erwirbt. Zum Schutz der Verbraucher arbeitet das VDE-Institut intensiv mit den europäischen Zollbehörden und mit Interpol zusammen. So kontrollieren die Zollbehörden bei der Wareneinfuhr in die Europäische Union die Vorlage eines gültigen Zertifikats für jedes VDE-Prüfzeichen an einem Produkt. Binnen Minuten werden die Zertifikate online verifiziert, Plagiate schneller aufgespürt. Das VDE-Institut hat bereits vor Jahren eine eigene Abteilung aufgebaut, die sich auf die Verfolgung von Missbrauchsfällen konzentriert. "Unsere Aufklärungsquote beträgt über 90 Prozent", zeigt sich Jäger stolz. Wichtigstes Instrument für die Sensibilisierung und Aufklärung der Verbraucher ist die sogenannte "Schwarze Liste" auf der Website des VDE-Instituts. Unter www.vde.com/zeichenmissbrauch werden entdeckte Plagiate und unsichere Produkte veröffentlicht. Zusammen mit unserer Online-Zertifizierungsdatenbank ist dies die meistbesuchte Seite. Die Tabellen enthalten auch Produkte, deren Genehmigungsausweis aufgrund von Sicherheitsbedenken oder groben Verstößen entzogen wurden.
Mit GPS im Dienste der Sicherheit - Produktpiraten haben keine Chance
Um Missbrauchsfälle entgegenzutreten, führt das VDE-Institut eigene Überwachungsmaßnahmen wie Marktkontrollen, Beobachtungen und Messebesuche durch. Ist ein Produkt auffällig geworden und es besteht der Verdacht auf Zeichenmissbrauch, führt das VDE-Prüfinstitut Sonderinspektionen durch - egal wo auf der Welt und das unangemeldet. Wird der Inspektor am Werkstor abgewiesen, entzieht das VDE-Institut dem Hersteller sofort die Zeichengenehmigung und erhebt eine Vertragsstrafe. "In einigen Fällen gab der Hersteller uns eine falsche Werksadresse an. Besonders Gewiefte dagegen wollten unsere Inspektoren persönlich vom Hotel abholen und sie zum Werk fahren. Kennt sich ein Mitarbeiter im Land nicht aus, inspiziert er eventuell unbewusst die falsche Fabrik." Jeder VDE-Inspektor ist von daher mit einem GPS-Gerät ausgestattet und erfasst vor dem Haupteingang die Koordinaten des Werks und gleicht sie ab. So wird die Produktion von mehr als 7.000 Fertigungsstellen weltweit vor Ort überwacht", erklärt Wilfried Jäger. In 44 Ländern unterhält das VDE-Institut Inspektionsbüros.

Pressekontakt: Melanie Mora, Tel. 069 6308461, melanie.mora@vde.com

Melanie Mora | VDE
Weitere Informationen:
http://www.vde.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht „BioFlexRobot“: Weiche Gelenke machen Roboter sicherer
29.05.2017 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Geräteschutzschalter erfüllt NEC Class 2
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise