Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Serviceroboter mit sensibler Haut und Super-Hand

27.03.2009
Im Produktionstechnischen Zentrum (PZH) der Leibniz Universität sind die Ergebnisse des BMBF-Projekts "koSePro" vorgestellt worden

Wenn Mensch und Roboter Hand in Hand arbeiten sollen, dann muss es ihnen erlaubt sein, sich nahe zu kommen - im Wortsinn. In der Service- und Industrierobotik ist das allerdings ein Problem, denn aus Sicherheitsgründen müssen Roboter eingehaust sein, Menschen dürfen nur außerhalb der Absperrung arbeiten.

Die Gefahr einer folgenschweren Kollision mit dem Roboter, der seine vorgeschriebenen Wege unbeirrt weiterverfolgt, wäre viel zu groß. Dieses Problem ist eins der zentralen Themen der "Leitinnovation Servicerobotik", die vom BMBF ins Leben gerufen wurde, um die Alltagstauglichkeit der Servicerobotik zu verbessern, und deren Teilprojekt "koSePro" gestern im PZH mit einer Fachtagung abgeschlossen wurde.

Dipl.-Ingenieur Jan Friederichs vom Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW), der Projektkoordinator am PZH, konnte rund 40 Experten aus Industrieunternehmen aus ganz Deutschland einen Prototypen präsentieren, einen Standard-Industrieroboter, der mit den neuen "wirtschaftlichen, adaptronischen und sicheren Schlüsselkomponenten für die Servicerobotik in der Produktion" ausgestattet wurde, so der offizielle Titel des Forschungsprojekts - kurz: koSePro.

Dieser Referenzroboter nimmt für einen Umformprozess das Be- und Entladen einer Presse vor, während im Umfeld Mitarbeiter Rohteile bereitstellen, die Presse einrichten und die Weiterverarbeitung vorbereiten. Dafür haben die Ingenieure des PZH drei Schlüsselkomponenten entwickelt: eine nachgiebige, positionsgeregelte Roboterhand, eine Roboterhaut und ein Sicherheitskonzept zur Arbeitsraumüberwachung.

Die Roboterhand kann Werkstücke während des Maschinenprozesses festhalten, da sie hochdynamische Störimpulskräfte aus Fertigungsprozessen mechanisch herausfiltert. Diese Kräfte zerstörten bislang die Getriebe der Roboter und machten eine durchgehende Handhabung unmöglich. Die "fühlende" Haut umgibt den Serviceroboter und erkennt Kollisionen mit Menschen oder Gegenständen, im Falle eines Zusammenstoßes dämpft ihre Nachgiebigkeit den Zusammenprall. Das dritte Teilprojekt, das Sicherheitskonzept zur Arbeitsraumüberwachung, funktioniert zweistufig: Werden Mitarbeiter im Arbeitsraum des Serviceroboters entdeckt, wird dieser in den Modus "sicher reduzierte Geschwindigkeit" versetzt. Tritt eine Kollision an der Roboterhaut auf, schaltet der Roboter in den Modus "sicherer Halt". Dieses Sicherheitskonzept wurde 2008 vom TÜV Rheinland begutachtet und als normkonform bewertet. Damit ist das System geeignet, Sicherheitsfunktionen nach SIL 3 (entsprechend der Norm IEC 61508) durchzuführen.

Die Nachfrage nach solchen Produktions-Servicerobotern wird - das hat die positive Reaktion auf der Tagung erneut bestätigt - ständig größer, denn die flexible Produktion in kleinen Stückzahlen und kleinen Serien macht den Einsatz von Servicerobotern attraktiv - gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Die Serviceroboter können mit relativ geringem Aufwand an veränderte Aufgaben angepasst werden. Vorausgesetzt natürlich, sie erlauben die notwendigen Anpassungsarbeiten prozessbegleitend - mit anderen Worten: Sie erlauben die Nähe zum Menschen.

Während der Hannover Messe vom 20. bis 24. April 2009 wird "koSePro" auf dem Gemeinschaftsstand der Leibniz Universität in Halle 2, Stand C 10 seine Fähigkeiten demonstrieren.

Dieses F&E Projekt wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb des Rahmenkonzeptes "Forschung für die Produktion von morgen" gefördert und vom Projektträger Forschungszentrum Karlsruhe (PTKA) betreut. Es ist Teil des Forschungsprogramms "Leitinnovation Servicerobotik" des BMBF. Die Projektleitung lag bei der Lenze Drive Systems GmbH aus Hameln und dem Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen der Leibniz Universität Hannover.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.kosepro.de
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Geräteschutzschalter erfüllt NEC Class 2
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

nachricht Elektronikgehäuse für Anzeigeeinheiten
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten