Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Roboter helfen beim Verpacken - 2,6 Millionen Euro für EU-Forschungsprojekt

14.12.2010
Wie Roboter bei der Verpackung großer LCD-Fernseher den Arbeitern helfen könnten, untersuchen Wissenschaftler der TU München zusammen mit Projektpartnern aus der Industrie in einem EU-Forschungsprojekt.

Das Ziel: Ein Knochenjob soll künftig von Robotern erledigt werden. Gleichzeitig sollen die relativ hohen Verpackungskosten sinken, damit vor allem europäische Mittelständler international konkurrenzfähig bleiben.

In der Vorweihnachtszeit herrscht bei Herstellern von Elektronikgütern Hochbetrieb, damit rechtzeitig zum Fest edle Flachbildfernseher, Notebooks oder PCs ausgeliefert werden können. Das Verpacken ist durch die vielen Produktvarianten sehr aufwändig, und wenn es etwa um einen LCD-Fernseher mit einem Meter Bildschirmdurchmesser geht, ist die Arbeit für die Packer ein Knochenjob, obwohl bereits heute Roboter helfen: Nachdem ein Packer einen Karton entfaltet und zusammengeheftet hat, muss er sich tief in den Karton hineinbeugen, um die untere Schaumstoffhalterung und das weiche Schutz-Fließ hineinzustecken.

Dann tritt der Packer einen Schritt zurück und geht auf Sicherheitsabstand zu einem Roboterarm, der den bis zu 30 Kilogramm schweren Fernseher in den Karton hebt. Anschließend sorgt der Packer noch für den richtigen Satz an Zubehör wie zum Beispiel Lautsprecher, Fernbedienung, Kabel und Bedienungsanleitungen. Schaumstoff oben drauf, und der Karton kann verschlossen werden.

Das Dilemma: Vor allem das Hineinbeugen in den Karton ist für den Arbeiter sehr anstrengend, gleichzeitig kann ihm ein herkömmlicher Roboter diesen Arbeitsschritt aber nicht abnehmen ¬– von den großen und teuren Fernsehern werden jeden Tag pro Produktvariante nur einige Exemplare verpackt. Vollautomatische Lösungen für alle Varianten wären viel zu teuer, der Mensch arbeitet hier flexibler und besser.

Wissenschaftler der TU München (TUM) planen jetzt zusammen mit internationalen Partnern aus der Industrie, den Packern eine neue Generation von Helfer-Robotern zur Seite zu stellen. Dazu müssen die Roboter nicht nur lernen, flexibel mit den Produktvarianten umzugehen, sie müssen auch sensibel für ihre Umgebung sein, damit sie sicher mit Menschen zusammenarbeiten können. Genau hier liegt das Spezialgebiet der TUM-Wissenschaftler. Im Münchener Forschungsverbund CoTeSys entwickeln die Wissenschaftler bereits die Grundlagen für die Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen und arbeiten mit der „kognitiven Fabrik“ an einer Produktionsform, in der Roboter den Menschen zuarbeiten.

Ziel des CustomPacker-Projekts ist es, dass ein Roboter den Knochenjob des Packers übernimmt und der Packer nicht mehr auf Sicherheitsabstand gehen muss, wenn der Roboter am Zug ist. Denn schneller verpackt wird, wenn beide gleichzeitig ihre Stärken einsetzen: Der Roboter die der Maschinenkraft, der Mensch die geschickte und flexible Handhabung der kleinen Teile. Fernseher und später auch andere Elektronikgeräte können so schneller und gesundheitsschonend in den Karton gesteckt werden. Die Europäische Union verspricht sich von dem Projekt einen Wettbewerbsvorteil für kleine und mittlere Unternehmen in Europa insbesondere mit Blick auf die asiatischen Hersteller und fördert CustomPacker mit 2,6 Millionen Euro für drei Jahre. Das Konsortium des Projekts CustomPacker setzt sich aus sieben internationalen Partnern zusammen, wobei die TUM mit dem Lehrstuhl für Mensch-Maschine-Kommunikation (MMK) und dem Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) die Koordination übernommen hat. Weiter sind kleine und mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Spanien (Tekniker), Finnland (VTT), Österreich (Profactor, Ferrobotics) und Deutschland (Loewe, MRK Systeme) im Projekt mit vertreten.

Das Exzellenzcluster CoTeSys

Das EU-Projekt CustomPacker („Highly Customizable and Flexible Packaging Station for mid to upper sized Electronic Consumer Goods using Industrial Robots“) ist ein Satellitenprojekt des Münchener Exzellenzclusters CoTeSys (Cognition for Technical Systems). In CoTeSys erforschen Wissenschaftler, wie Roboter ihre Umgebung wahrnehmen und adäquat darauf reagieren können. Im Zentrum der Untersuchungen steht die direkte Interaktion mit Menschen, so etwa wenn ein Roboter in der „kognitiven Küche“ lernt, den Tisch zu decken, oder wenn in der „kognitiven Fabrik“ Maschinen dem Menschen flexibel zuarbeiten. CoTeSys ist eines von fünf Exzezellenzclustern, an denen die Technische Universität München beteiligt ist, er wird im Rahmen der Exzellenzinititative des Bundes und der Länder gefördert. An CoTeSys sind neben der TU München die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universität der Bundeswehr München, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried an CoTeSys beteiligt; die TU München ist Sprecheruniversität.

Kontakt:
Projekt CustomPacker
Prof. Frank Wallhoff (Koordinator)
Technische Universität München
Lehrstuhl für Mensch-Maschine-Kommunikation (Prof. Gerhard Rigoll)
Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften Technische Universität München (Prof. Michael Zäh)
Tel.: +49 89 289 25733
oder +49 441 7708 3738
E-Mail: wallhoff@tum.de

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.custompacker.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher entwickeln effizientere Systeme für Brennstoffzellen und Kraft-Wärme-Kopplung
19.04.2017 | EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie e. V.

nachricht Forscher entwickeln Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien aus Lignin aus der Zellstoffherstellung
18.04.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten